Sonntag, 19. Januar 2014

"Tiefland": Sinfonie von Musik und schöner Stimmen

So empfand ich den Verlauf des Musikdramas „Tiefland“, das am Freitag im Theater Nordhausen Premiere feierte. Auf einer Bühne, deren Gestaltung noch am ehesten der Gegend, dem Ort und der Zeit entsprach, in dem diese Oper spielt. Nämlich am Fuße kahler Berge der Pyrenäen. Und dort einer Mühle um die Jahrhundertwende. Wolfgang Kurima Rauschnig brachte es fertig, im Vorspiel des Dramas die Gebirgslandschaft mit einer Menge Stoff kunstgerecht zu stilisieren. Und im weiteren Verlaufe immerhin die vage Vorstellung einer - recht dürftig ausgestatteten - Mühle aufkommen zu lassen. Nicht zu vergessen das Marterl mit der Gottesmutter, das unübersehbar den Akteuren während der gesamten Aufführungsdauer ihren Schutz bot. Eine Bühnengestaltung, die Anerkennung verdient, wie ich meine.
Und in der so gestalteten Umgebung bilden und vollziehen sich menschliche Schicksale, die in dieser Art zwar in jene Zeit passen, in mehr oder weniger verhohlener Form aber zu allen Zeiten vorkommen. Eugen d’Albert hat dieses Drama musikalisch gestaltet, Toni Burkhardt inszenierte das Geschehen im Theater Nordhausen, der ursprünglichen Fassung angepasst.

Die beginnende Musik vermittelte zunächst in fast kammermusikalischer Weise eine Vorstellung, wie sich früher die Hirten von Alm zu Alm verständigten, noch bevor diese wirklich auf der Bühne erschienen. Dann aber beginnt ein Ablauf, der für Pedro (Joshua Farrier), einem anspruchslos wirkenden Hirten,
hoffnungsvoll beginnt. Und der lange nicht merkt, dass er im Verlaufe des Geschehens aufgrund seines Wunschdenkens nach einer Frau von seinem Dienstherrn, dem Gutsbesitzer Sebastiano (Kai Günther) für dessen eigene Interessen ausgenutzt wird. Dergestalt, dass er Marta (Bianca Koch), dessen Geliebte „pro forma“ heiraten soll. Damit der die Möglichkeit erhält, eine reiche Frau zu heiraten, um sich dadurch seiner Schulden entledigen zu können. Um daneben aber trotzdem seine Geliebte zu behalten. Pedro bekommt also vom mächtigen Grundbesitzer Sebastiano eine Frau und als Zugabe eine Mühle im Tal. Pedro merkt zunächst nicht, dass diese Frau Sebastianos Geliebte ist. Und als es ihm schließlich bewusst wird, kommt es, wie so oft bei solchen Intrigen: Marta verliebt sich nach anfänglicher Abneigung in den arglosen Pedro, der dann im Wissen der tatsächlichen Verhältnisse und Absichten Sebastianos, diesen im Zweikampf tötet. Und dann mit Marta aus dem sündigen Tiefland zurück in die reine Bergwelt der Pyrenäen zieht.

Soweit der Inhalt des Dramas in einem denkbar kargen Umfeld. Leben, Atmosphäre und spannende Unterhaltung entstand in der alten Mühle aber erst durch das Gesinde, die Mägde, Knechte und das Hausmädchen Nuri, die sich dort neben den Hauptakteuren und deren Problemen tummelten. An denen auch alle Anteil nehmen möchten, wenn auch auf ihre Weise mit viel Tratsch und Klatsch.


Und das alles in gesungener, von der Musik und den Klängen aus dem Orchestergraben begleiteter Weise. Es dominierten dabei, vom Berg ins Tal kommend, Pedro, der Hirte (Tenor) und – natürlich – die Bariton-Stimme des Patriarchen Sebastiano, der durch seine rigorose, ungezügelte Art – zu damaliger Zeit wohl vielfach üblich - den Hauptakzent setzte. Daneben wirkte Marta, die Müllerin, mit ihrem Sopran sehr viel intelligenter als ihr Geliebter, und ausgesprochen emotional. Demgegenüber wirkten die (Mezzo-)Sopranstimmen der Mägde (Katharina Boschmann, Brigitte Roth, Anja Daniela Wagner) um einiges verhaltener. Man kennt sie als hervorragende Solistinnen: hier blitzte ihr Können nur szenenbedingt auf, während sie ansonsten typisches (tratschendes) Mägdeverhalten zeigten, sich darauf beschränkten und gerade dadurch gefielen. Das trifft auf Elena Puszta als Hausmädchen Nuri
in besonderen Maße zu, alle wirkten hier gerade durch ihr verhalten stimmliches dafür aber theatralisches Verhalten. Ihre Kostümierung schien mir – wie auch die Martas – schon sehr der neueren Zeit zugeordnet. Der Dorfälteste Tommaso (Ks Jürgen Trekel) kam erst spät mit seinem Bass zur Geltung, holte damit aber seine bis dahin gezeigte Zurückhaltung wieder auf. Dass die hier nicht besonders erwähnten Mitwirkenden, einschließlich des Opernchores in ihren Rollen gefielen, möchte ich behaupten. Die gerade in der Abschlussphase des Dramas angesichts des toten Gutsherrn Sebastiano recht glaubhaft wirkten, sicher ein Verdienst Elena Pierinis, der Chordirektorin des Theaters. Markus L. Frank als musikalischer Leiter und Dirigent zeigte sich einmal mehr als Meister seines Faches. Langanhaltender, teils sogar rhytmischer Applaus des Publikums war die Reaktion auf die gezeigten Leistungen. (. . .entschleunigter Eintrag um 14.38 Uhr)

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