Dienstag, 20. Mai 2014

Ballett-Gala: Highlight am Theater Nordhausen

Seit 2004 gibt es Ballett-Tage am Theater Nordhausen und seitdem besuche ich sie, um beeindruckt nach Hause zu gehen, das Gesehene zu verarbeiten und in meinem Archiv (Blog) festzuhalten. Es war am Samstag nicht anders. Und ich frage mich angesichts der Berichte in den Lokalzeitungen, ob man der Bedeutung dieser Tage gerecht wird, wenn man einen mehr oder weniger ausführlichen Bericht, tunlichst mit vielen Bildern offeriert, bei dem keinerlei qualitative Differenzierung der Choreographien und Präsentationen gemacht sind. Für die Ansprüche der Leser scheinbar ausreichend.

Intendant Lars Tietje eröffnete die Gala am Samstag und wies in seiner kurzen Ansprache darauf hin, dass Nordhausen eines der wenigen Theater ist, die noch über eine eigene Ballett-Kompanie in Thüringen verfügt. Und er bedankte sich einmal bei den Ballettmitgliedern anderer Theaterhäuser, die ohne Gageansprüche gekommen waren um diese Ballett-Tage zu einem Fest werden zu lassen. Und andererseits bei allen, die durch finanzielle Zuwendungen und Sponsoring diese Teilnahmen ermöglichten.

Ballett-Direktorin Jutta Ebnother moderierte die Gala in einem, gemessen an der Bedeutung dieser Veranstaltung recht schlicht wirkendem Outfit und kündigte zur Einführung ihre eigene Kompanie mit einer Uraufführung an, deren Choreographie von ihr selbst stammt. Und Tage zuvor schon im Kammertanzabend „Ereignisse getanzter Art“ zu erleben war. Ihr folgten Ballett-Demonstrationen von Mitgliedern und Ensembles der verschiedensten bzw. unterschiedlichsten deutschen und europäischen Bühnen.

Und jede dieser Präsentationen war meines Erachtens hervorragend in Choreographie und tänzerischer, teils geradezu akrobatisch anmutender Darstellungskunst. Ob in künstlerischen Solis- partnerschaftlichen (pas de deux) oder Ausdrucksformen im Ensemble, die von Modern(Ballettkompanie Nordhausen) bis Klassik eine große Bandbreite boten, es war alles zu sehen, zu erleben und zu bestaunen. Und vom Thüringer Staatsballett, vom Theater Luzern (Schweiz), dem Ballett Koblenz, dem Nederlands Dans Theater 2 oder auch dem Mecklenburger Staatstheater Schwerin: die Vielfalt der Teilnehmerbühnen war groß, die sich neben der Ballettkompanie des Theaters Nordhausen vorstellten und Proben ihres Leistungsvermögens boten. Wobei mir übrigens die Art, wie auf einem Dorf ein Rendezvous zustande kommen könnte – dargestellt vom pas de deux des Mecklenburger Staatstheaters -
ob der derben und doch so amüsanten Annäherung nicht weniger gut gefiel wie die Veranschaulichung „The Dream and the nightmare“ aus den achtziger Jahren durch die Ballettkompanie des Theaters Nordhausen. Und alles, was dazwischen geboten wurde, begeisterte mich.


Spätestens hier aber muss einräumen, dass mein Wissen und Beurteilungsvermögen von Ballettkunst begrenzt ist: und so empfand ich jede der Präsentationen oder auch Demonstrationen einfach emotional und damit hervorragend. Ein Fachmann mag Unterschiede in Niveau und Darstellung von Choreographien und deren Umsetzung erkannt haben, mir reichte die „Anmutung“, die diese Gala auf mich ausübte. Samt der Musik aus den Lautsprechern, an dem sich das Geschehen auf der Bühne orientierte. Und alles verschmolz zu einem nachhaltigen Gesamteindruck. Der Applaus nach jedem Auftritt, der sich am Ende geradezu orkanartig verstärkte steht dafür, dass es den meisten Besuchern im großen Saal des Theaters nicht anders gegangen sein dürfte.  

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen