Donnerstag, 25. Juli 2013

Gesellige Atmosphäre zum Kunstgespräch

Die der Kunst zugeordneten Vortrags- und Gesprächsveranstaltungen im Kunsthaus Meyenburg gestalten sich - neben den Führungen durch die jeweilige Ausstellung – zunehmend zu einem annehmlichen gesellschaftlichen Event, das wohl noch aus seinen anfänglichen äußeren Beeinflussungen herausfinden muss. Die derzeit ganz sicher in der Ferien- und Urlaubszeit, den derzeitigen Tagestemperaturen und vielleicht auch an den Uhrzeiten der angesetzten Veranstaltungen bestehen. Mit dem Kunsthaus, seiner Leiterin, der Kunsthistorikerin Susanne Hinsching, und dem Förderverein des Kunsthauses, besitzt Nordhausen aber hervorragende räumliche und personelle Voraussetzungen, in der sich eine kunstorientierte Interessengemeinde finden, orientieren und thematisch austauschen kann.

Gestern stand „Kunst und Kaffee“ auf dem Programm, dessen Thema der Hamburger Künstler Horst Janssen war, von dem ein Teil seiner Werke aus dem Bestand des Kunsthauses derzeit in einer Ausstellung in deren Räumen zu sehen ist. Vorgesehen war bei Kaffee und Kuchen ein kurzer Vortrag zum Leben und Schaffen des Künstlers mit Gelegenheit zu Gesprächen mit Susanne Hinsching zum Thema. Oder auch der Kunst im allgemeinen.

Ich räume ein, dass ich aufgrund der Temperatur des Tages zunächst zögerte, die Veranstaltung zu besuchen, mein Interesse am Thema dann aber doch überwog. Es mag anderen Interessenten ähnlich, allerdings mit einem negativen Entschluss, gegangen sein, denn es waren nur wenige Gäste gekommen, die zunächst erfreut feststellten, dass die Temperatur in den Räumen des Kunsthauses äußerst angenehm war. Und die Leiterin des Kunsthauses trotz der geringen Beteiligung vortrug, was thematisch vorgesehen war: Aphorismen des Künstlers aus seinem Leben, Denken und Schaffen. Ich beschränke mich hier auf zwei Beispiele, die ich aufgezeichnet habe, und mir bemerkenswert scheinen (wie ja eigentlich Alles um diesen Horst Janssen bemerkenswert ist):

Zu Horst Janssens „An und für mich“: „Da es nichts Einfallsreicheres und „Phantasievolleres“ gibt als die Natur, und da es nichts Skurrileres, Monströseres und Tolleres gibt als die menschlichen Verhaltensweisen – zeichne ich einfach AB – ABZEICHNEN ist die Devise. Allerdings muss man für ein solches Abzeichnen ein „angeborenes“ Auge haben. Das Auge, das Sehen ist das Talent, und dies Auge muss den Verstand und Intellekt dominieren.
UND das Auge muss in permanenter Übung sein. Es müsste „eigentlich“ auch im Schlaf kucken, wie bei den Hasen, die ja bekanntlich mit offenen Augen schlafen. Die Hand ist von sekundärer Bedeutung.“

Zu Horst Janssens Selbsbildnis 1994 (von dem kaum ein anderer Künstler in der Folgezeit so viele von sich geschaffen hat wie Janssen): „Sicherlich gibt es auch einen irrationalen Aspekt  in der Chose „Selbstbildnis“, zumal ich mich damals um nichts bekümmerte was um mich herum war. Als ich aber meine erste Kestner-Gesellschaft-Ausstellung präsentiert bekam, wurde ich per Journaille als Zeichner des Selbstporträts apostrophiert. Die zweite Ausstellung, zwei Jahre später (was ein Unikum in der Geschichte der Kestner-Gesellschaft ist), festige diesen Blödsinn – denn es waren höchstens fünf Prozent „Selbst“ aller ausgestellten Sachen. Und das war möglicherweise der Zeitpunkt, wo mich AUCH so was wie Spekulation  anfiel. Heute würde man sagen: ich wittere für mich – an all die „Motiv-Sucher“ im Trubel des Informel und andere AB-ART denkend, eine Marktlücke.
Dann kamen die 70/80er Jahre, wo ich mit mir umgehen konnte, wie ich wollte, bis ich „eigentlich“ keine rechte Lust mehr hatte, mich als „Porträt“ oder als Stilleben zu sehen. Und Ende der 80er gings dann in die Fratze, in die Groteske, Literatur- oder briefbegleitende Kritzeleien. So in etwa verhält es sich in meinem Falle mit dem Selbstporträt – grob gesehen. In der Wirklichkeit geht’s  natürlich, abgesehen vom Anfang, zwischenzeitlich vor – und zurück und drunter und drüber. Was noch eine Weile bleibt, sind Bilder von einem der auszog, sich zu erkennen und am Ende damit Geld zu verdienen. Beides gelang mir nicht.“

Anhand dieser Beispiele lässt sich schon erkennen, dass es einigen Gesprächs-, Klärungs- oder Klarstellungsbedarf gab, den man mit der Kunsthistorikerin trefflich erörtern konnte. Nämlich im Anschluss an ihren Vortrag draußen am Kaffetisch. Eine verbliebene, erneut noch kleiner gewordene Runde, die auch alsbald beendet werden musste, weil Susanne Hinsching zur Freigabe des sanierten Kriegerdenkmals ins Gehege musste. Schließlich ist sie ja auch Leiterin der örtlichen Denkmalschutzbehörde.


Sei schließlich noch darauf aufmerksam gemacht, dass heute um 19 Uhr eine Führung durch die Janssen-Ausstellung im Kunsthaus durch deren Leiterin stattfindet. Wie zu hören war, soll dabei ein Glas Rotwein für aufgelockerte Stimmung sorgen.

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