Dienstag, 23. Juli 2013

Bochums Zukunft ohne OPEL

Eine der Nordhäuser Partnerstädte ist Bochum. Dieses partnerschaftliche Verhältnis mit seinen Inhalten und bisherigen Verläufen kennt man aus den lokalen Medien und muss hier nicht besonders herausgestellt werden. Nur habe ich den Eindruck, dass man in Bochum vom politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben in Nordhausen mehr weiß als umgekehrt. Und nachdem man ja zumindest aus den überregionalen Medien weiß, dass Bochum als bisheriger Opel-Standort seit geraumer Zeit Probleme hat, nehme ich auch sonst jede Quelle in Anspruch, um mich über die gegenwärtige Situation und die zu erwartende Entwicklung zu informieren. Und dazu gibt es nun eine Verlautbarung der der Ruhr-Universität Bochum (Jens Wylkop, M.A. Pressestelle): 


Dass der amerikanische Großkonzern General Motors (GM) den OPEL-Standort in Bochum bis Ende 2014 aufrechterhält, ist vor allem der Verdienst vieler regionaler Akteure. Zu dieser Erkenntnis kommen drei Sozialwissenschaftler/innen der Ruhr-Universität in ihrer Publikation „Chancen und Grenzen nachhaltiger Standorte- und Beschäftigungssicherung – Das Beispiel der Opel-Standorte in Bochum“. Vertreter des Betriebsrates, des lokalen Managements, der NRW-Landesregierung, der kommunalen Wirtschaftsförderung, der IG Metall und Experten der Bochumer Hochschulen beteiligen sich seit der drohenden Schließung 2004 an der Entwicklung von Alternativkonzepten für die Zukunft des OPEL-Standortes Bochum.
Problemanalyse mit Weitblick

Der Weltautomobilmarkt ist von zyklischen Krisen geprägt, die spätestens seit 1992 auch die Entwicklung von OPEL Bochum negativ beeinflussen. In ihrer Publikation analysieren die Automobilexpertin Dr. Antje Blöcker, Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie, Arbeit und Wirtschaft der RUB-Fakultät für Sozialwissenschaft, Mark Esteban Palomo, Gemeinsame Arbeitsstelle RUB/IGM, und Dr. Manfred Wannöffel, Geschäftsführer der Gemeinsamen Arbeitsstelle RUB/IGM, verschiedene Phasen des Restrukturierungsprozesses in Bochum und seine Zusammenhänge im Gesamtkonzern. Finanziert wurde ihr Forschungsprojekt von der Hans-Böckler-Stiftung und der Otto-Brenner-Stiftung.

Die Zeit nach OPEL Bochum

Zwischen der Gemeinsamen Arbeitsstelle RUB/IGM, der Ruhr-Universität und den Betriebsräten von Opel Bochum bestehen seit Ende der 1970er-Jahre enge Kooperationsbeziehungen. Sie bilden die Grundlage für die seit 2004 verstärkte Entwicklung von Alternativen für den Standort Bochum und der Zukunft der OPEL-Beschäftigten. Die RUB-Mitglieder organisierten unter anderem Automobilkongresse und Workshops mit Managementvertretern, Betriebsräten und Wissenschaftlern. Aktuell fließen die Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt in die „Bochum Perspektive 2022“ ein. Dabei handelt es sich um eine Plattform, die die Flächenentwicklung, die Ansiedlung von Unternehmen aus der Produktionswirtschaft und Ausgründungen aus den Bochumer Hochschulen vorantreiben soll, um neue Arbeitsplätze in der Region zu schaffen.

Initiativen mit Hochschulbeteiligung

„Es wird den einen großen Wurf nicht geben“, sagt Wannöffel. Damit meint er, dass die über 3.000 gefährdeten Stellen nicht gänzlich mit einem einzigen neuen Unternehmen abgedeckt werden können. „Es können jedoch neue Netzwerke der Produktionswirtschaft entstehen. Allerdings: Wenn der Industriestandort eine Zukunft haben soll, müsste die ‚Bochum Perspektive 2022‘ bald zustande kommen“, so Wannöffel. Konkrete Pläne gibt es für zwei Initiativen: In einem Cluster der Produktionswirtschaft könnten Facharbeiter in den Ausgliederungen der Bochumer Hochschulen neue Anstellungen finden. Außerdem könnte die bewährte Berufsausbildung von Opel Bochum in einer Lernfabrik zukünftig mit akademischen Ingenieursausbildungen an den Hochschulen verknüpft werden. Wannöffel: „Die wachsenden Hochschulen als Forschungs- und Ausbildungsstätten werden in Kooperationen mit Unternehmen zukünftig eine wichtige Funktion bei der Regionalentwicklung einnehmen“.

(Eine Mitteilung des idw-wissenschaftlichen Dienstes vom 22.07.2013)

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