Donnerstag, 11. Juli 2013

Einzigartige Kunst in Nordhausens Galerien


Nordhausen hat mit dem Kunsthas Meyenburg und der Galerie der Kreissparkasse (KSK) zwei Ausstellungsstätten von hohem Rang. Dass es daneben noch weitere Häuser gibt (z.B. Mehrgenerationenhaus, Begegnungsstätte Nord, Kreismusikschule und sogar das Südharzklinikum) in denen Ausstellungen stattfinden, soll zwar nicht vergessen sein und erhöht die kulturelle Bedeutung der Rolandstadt, doch treten diese im Zusammenhang mit diesem Beitrag zurück.
In der Galerie der Kreissparkasse nämlich fand gestern die Vernissage der Ausstellung „konstruktiv und bewegt“ mit Werken von Trude Schuhmacher-Jansen statt, deren Kunst anerkannterweise das Attribut „einzigartig“ zukommt. Dass ich dieses nach meiner Begegnung mit ihr auch im übertragenem Sinne der Künstlerin selbst zugestehe, sei am Rande vermerkt. Die Laudatio hielt die Kunsthistorikerin und Leiterin des Kunsthauses Meyenburg, Susanne Hinsching, die eingangs ihrer Ausführungen bemerkte, dass sie ja am vorausgegangenem Samstag im Kunsthaus die Ausstellung „Genie der Grafik“ mit Werken von Horst Janssen eröffnet habe. Und dabei zur Vermeidung von Missverständnissen feststellte, dass diese beiden Künstler nicht miteinander verwandt sind, „auch wenn das filigrane Liniengeflecht, das die Werke von Trude Schumacher-Jansen ausmacht, durchaus an die genialen Grafiken und Zeichnungen des Hamburger Künstlers erinnern.“ Was allerdings über dieses „erinnern“ hinausgeht und beiden Künstlern eigen ist, ist der Umstand, dass auch der Kunst Horst Janssens das Attribut „einzigartig“ zukommt. Und Susanne Hinsching hatte ja auch in ihrer Laudatio zu Horst Janssen festgehalten: „Horst Janssens Kunst ist einzigartig, genauso wie der Mensch einzigartig war. Gemeinsamkeiten sind also zumindest in der Kunst vorhanden, wenn auch in sehr unterschiedlicher Art.
Doch nun zur Vernissage der Ausstellung: eingestimmt und musikalisch umrahmt wurde sie - wie schon fast üblich – von einer Schülerin der Kreismusikschule. Und hier gebührt der Kreissparkasse Anerkennung für die Chance, die sie jungen Menschen gibt, sich bei diesen Gelegenheiten musikalisch öffentlich vorzustellen, in vielen Fällen wohl überhaupt das erste Mal. Hier war es die elfjährige Emina Wagner, Schülerin der Klavierlehrerin und -virtuosin Simona-Daniela Natu, die mit den ausgewählten Musikstücken gefallen konnte und herzlichen Beifall erhielt.
Begrüßt wurden Künstlerin, Pianistin und Teilnehmer der Vernissage von Wolfgang Asche, Vorstandvorsitzender der KSK, der entschuldigend auf die an diesem Abend im Sondershäuser Schlosshof stattfindende „Galanacht der italienischen Oper“ hinwies, die möglicherweise Ursache für die Lücken in den Sitzreihen vor ihm sein könnten. Um dann das Zustandekommen dieser Ausstellung in der Galerie zu erläutern und in die Ausstellung selbst einzuführen. Dann war es Susanne Hinsching, die vor die Zuhörer trat und die Laudatio hielt. Und nach einer allgemeinen Einführung (siehe oben) das Lebensbild Trude Schumacher-Jansens umriss, um sich dann ihrer Kunst selbst zuzuwenden. Einer einzigartigen Kunst, sowohl in Gestaltung, als auch Technik, wie die Laudatorin ausführte. „Sie ziehen den Betrachter fast magisch in die filigranen Netzwerke und Lichtgeflechte hinein. Die Künstlerin sucht immer neue Wege, um sich ihre Kunst-Gegenstände und Phantasiegebilde zu erschließen. Sie zeichnet, malt in Öl und Acryl, nutzt die Möglichkeiten einer Collage und
der Fotografie, verwendet Sieb- und Linoldrucke oder auch Textiltechniken. Das Ergebnis sind stets interessante, reizvolle und manchmal überraschende oder auch irritierende Oberflächen, für dessen Erfassen und Durchdringen man sich Zeit nehmen muss.“
Ich nehme mir diese Zeit und will die Ausstellung, wie gewohnt, heute, also am Tag nach der jeweiligen Vernissage erneut besuchen, um die ausgestellten Exponate in Augenschein zu nehmen und auf mich wirken zu lassen. Wie ich den weiteren Mitschnitt der Laudatio Susanne Hinschings auch noch weiter abhören will, um ihre Ausführungen tunlichst sach- und kunstgerecht wiedergeben zu können. Die Künstlerin selbst wies im Gespräch auf einen Teil der Ausstellung hin, der in kinetischen Rundbildern besteht, um abstrakte, konstruktive, spekralfarbene, kalligraphische aber starre Körper, die durch aufgetragene Linien Bewegungsverhältnisse und -mechanismen zeigen. Geht der Betrachter vor den Rundbildern auf und ab oder verändert er sein
Blickfeld durch Kopfbewegungen, so entsteht ein sich ständig veränderndes Bild der Linien. In der Laudatio befasste sich Susanne Hinsching ausführlich auch mit dieser kinetischen Kunst Schuhmacher-Jansens und den mit ihr zu erzielenden Effekten, ich komme – wie bemerkt – darauf zurück.

Nach einem abschließenden Musikstück der jungen Musikschülerin entließ Wolfgang Asche die Zuhörer in die Betrachtung der ausgestellten Exponate, andere auf den Weg nach Sondershausen. Jene nämlich, die sich die Teilnahme an der Vernissage nicht entgehen lassen wollten und nun auch die Galanacht im Sondershäuser Schlosshof erleben wollten.

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