Mittwoch, 10. Juli 2013

Die Krake Facebook

Die geheime Tätigkeit der Geheimdienste, die in der digitalen Welt dank Edward Snowden einen Moment zumindest durchsichtig wurde, scheint langsam wieder zu verblassen. Man weiß dadurch etwas mehr über die Vorgehens- und Wirkungsweise dieser Geheimdienste und sogar über Möglichkeiten, sich als Einzelperson dagegen zu schützen Der „Spiegel“ fragte kürzlich seine Leser, ob sie mit dem Bekanntwerden der Abhörprogramme Prism und Tempora ihr Verhalten ändern würden. Die Antworten verteilten sich ziemlich gleichmäßig von ja über ein bisschen bis nein.


Nun geht es mir eigentlich nicht so sehr um Prism und Tempora und auch nicht um Edward Snowden, der ja wusste, was er tut, und schon gar nicht um die Reaktionen der Leute darauf. Es geht mir um Facebook und dessen neues Suchprogramm, über das die „Welt“ gerade unter der Überschrift: „Warum die neue Facebook-Suche lebensgefährlich ist“ berichtet. Wenn ich das lese, und ich habe es intensiv getan, scheint es mir, als handele es sich bei Facebook um ein krakenähnliches Gebilde, das seine Nutzer an sich zieht, sie veranlasst, sich in jeder Hinsicht mit ihren menschlichen Eigenschaften (Stärken und mehr noch Schwächen) und Verhaltensweisen zu offenbaren, um sie dann einem Pool gleich Veranlagter oder -Gesinnter digital zuzuführen. Das kann im besten Falle tatsächlich zu positiven Effekten bei den Nutzern führen, im allgemeinen ein Gewusel geben, und im schlimmsten Falle wirklich lebensgefährlich verlaufen, die Zeitung beschreibt es anschaulich. Und ich meine, dass sich alle, die da anregen, sich bei Facebook zu treffen, um dort Freunde zu werden, mitschuldig machen, wenn es zu Exzessen kommt, die zumindest labile Charaktere physisch oder psychisch gefährden. Die Bundesjustizministerin meinte zum Thema Abhörskandal, dass dies schon George Orwells „1984“ übertreffe. Dabei geht es dort um Überwachung, was schlimm genug ist. Bei Facebook aber geht es um die Aufgabe jeglicher menschlicher Vorbehalte, zu denen die Nutzer systematisch angeregt werden, um sie dann nach Belieben oder Interessenlage zu manipulieren. Und das, meine ich, ist weit schlimmer. Weil der Nutzer zu einer rückhaltlosen Offenherzigkeit verleitet wird, von der es kein Zurück gibt. Wer sich einmal im Netz geoutet hat, der kann das nicht mehr rückgängig machen. Und er weiß schließlich auch nicht mehr, was mit seinen Daten geschieht. Und sicher ist, dass Facebook das alles nicht aus Menschenfreundlichkeit macht. Aber Millionen Nutzer machen da mit und lassen sich manipulieren. Auf Facebook-Ebene bedarf es keines Prism oder Tempora, man offenbart sich ja von selbst.

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