Sonntag, 25. Januar 2015

Gemeinsam aus der Quelle Christus schöpfen

Zentraler Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen

Mit einem Gottesdienst in der Propsteikirche St. Anna in Schwerin hat die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) die Gebetswoche für die Einheit der Christen 2015 abgeschlossen. Sie stand unter dem Motto „Gib mir zu trinken!“ (Joh 4,7). „Wir brauchen einander und wir können einander zur Quelle werden“, sagte der Vorsitzende der ACK, Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) in seiner Predigt. Im Anschluss an den Gottesdienst wurde der Ökumenepreis der ACK 2015 an die ACK VS-Villingen für ihr Projekt „Ökumenische Taufkreuze“ verliehen.

Die diesjährigen Texte zur Gebetswoche für die Einheit der Christen haben Christen in Brasilien vorbereitet. Sie nehmen die Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen aus dem Johannesevangelium, Kapitel 4, in den Blick. Darin spricht Jesus davon, dass von ihm als Quelle „Ströme lebendigen Wassers“ ausgehen. „Wir alle schöpfen aus der einen Quelle, die lebendiges Wasser gibt: Jesus Christus“, sagte Bischof Wiesemann. Die Mahnung Jesu zur sichtbaren Einheit sei daher kein moralischer Appell, sondern die Mahnung zum gegenseitigen Austausch der Gaben und Traditionen: „Wenn wir Christen nicht nach dem Glauben des Anderen dürsten, dann könnten wir bestenfalls eine selbstzufriedene Wellness-Religion darstellen, niemals jedoch Jesus Christus als die lebendige Quelle verkünden“, so der Bischof. Für das Miteinander bedeute dies konkret, „gemeinsam unsere Geschichte zu bedenken, sie gemeinsam zu deuten sowie gemeinsam Vorurteile und Missverständnisse, Verletzungen und Wunden in den Blick zu nehmen“. Mit einer solchen „Heilung der Erinnerungen“ (healing of memories) könnten die Kirchen auch miteinander auf das Reformationsgedenken im Jahr 2017 zugehen und es als Christusfest begehen.

Das Land Brasilien sei ein Land herzenswarmer Gastfreundschaft und gleichzeitig ein Land der wachsenden Gegensätze. Gewalt, Profitgier und Machstreben zerstörten dort die Lebensgrundlagen vieler Menschen. Mit gemeinsamem Engagement wollen die Kirchen in Brasilien dagegen angehen und seien damit auch ein Beispiel für die Kirchen in Deutschland. Christus führe „in die weltweite Solidarität mit allen unseren Brüdern und Schwestern, die diese Welt nicht in ihren Vorurteilen und Abschottungen, nicht in ihren Ungerechtigkeiten und gewaltsamen Wunden belassen möchten und den schweren Weg der Versöhnung und Heilung gehen“. Dazu gehöre die Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen und „mit allen, die aus Hass, Terror und Gewalt, nicht selten in schrecklicher Pervertierung im Namen der Religion ausgeübt, fliehen und zu uns kommen und bittend vor uns stehen“, sagte Bischof Wiesemann.

Der Gottesdienst wurde zusammen mit der ACK Mecklenburg-Vorpommern und der ACK Schwerin gefeiert. Neben Bischof Wiesemann wirkten auch Erzpriester Radu Constantin Miron (Orthodoxe Kirche) und Pastor Heinrich Lüchtenborg (Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen) aus dem Vorstand der ACK Deutschland im Gottesdienst mit.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde bei einem Empfang der Ökumenepreis der ACK 2015 an die ACK VS-Villingen für ihr Projekt „Ökumenische Taufkreuze“ verliehen. Alle neugetauften Kinder und Erwachsene in den Mitgliedskirchen der ACK VS-Villingen erhalten ein kleines Taufkreuz aus Holz, auf dem alle 13 Mitgliedskirchen der Villinger ACK mit einem kleinen Symbol abgebildet sind. Mit dem Projekt werde das multilaterale ökumenische Miteinander gestärkt und es diene gleichzeitig als Modell für andere, heißt es in der Begründung der Jury. Der Ökumenepreis der ACK fördert insbesondere multilaterale, originelle, theologisch reflektierte und übertragbare Projekte. Er wird alle zwei Jahre verliehen, das Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro wird durch die Versicherer im Raum der Kirchen und die Bank für Kirche und Caritas zur Verfügung gestellt.

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