Montag, 24. August 2015

Die Problematik der Medienwelt im Internet

Als vor Jahren die Medien – und vor allem die Zeitungsverlage und -redaktionen ins Internet drängten und den Nutzern ihre Berichte, Kommentare und Bilder kostenlos offerierten, verlor mich u.a. die Bahnhofsbuchhandlung in Nordhausen als guten Kunden. Warum sollte ich weiter täglich Geld ausgeben für Zeitungen, deren Inhalte ich nun kostenlos in ihren Internetangeboten finden konnte?


Ohne hier weiter auf die Problematik einzugehen, die sich für die Redaktionen von Printzeitungen durch ihre Internetangebote irgendwann ergeben mussten, freute ich mich jedenfalls über die nun kostenlose Möglichkeit, die Berichte und Kommentare aus einer ganzen Anzahl von Zeitungen lesen und abwägen zu können, um mir daraus eine eigene Meinung bilden zu können.


Dass nun seit einiger Zeit Verlage und Redaktionen bemüht sind, die Entwicklung in Bahnen zu lenken, in denen sie auch für die Internet-Angebote ihrer Redaktionen und Journalisten auch bezahlt werden, ist zwar sehr verständlich, dürfte aber bei den Nutzern – wenn überhaupt – nur zögerlich ein positives Echo finden. Umso mehr, als man als aufmerksamer Leser einen Trend bei den Medien und vor allen der Presse feststellt, der gekennzeichnet ist von Flüchtigkeit, Oberflächlichkeit und vom „Versagen beim Deuten großer Zusammenhänge und geringer Lust am Einmischen“ (Sonja Seymour Mikich, Chefin des WDR). Die Medien sind in eine Glaubwürdigkeitskrise geraten und ähneln meines Erachtens in ihrem Bemühen, sie zu überwinden, einem Nichtschwimmer, der ins tiefere Wasser geraten ist und nun wild um sich schlägt in dem Bemühen, dadurch wieder festen Untergrund zu erreichen.


Und dafür sollte ich Geld ausgeben? Dabei bin ich durchaus der Auffassung, dass gute (journalistische) Arbeit entsprechend honoriert gehört. Jedenfalls aber nicht von Bürgerreportern und Hobbyfotografen, wie sie vielfach und vor allem im lokalen Bereich zu finden sind. Was nicht heißt, dass nicht auch sie mitunter gute Ergebnisse zu offerieren vermögen. Im übrigen verstehe ich nicht, warum in vielen Zeitungen und von Autoren angeregt wird, ihnen auf Facebook oder Twitter zu folgen.

 Warum nur? Ich bin weder bei Facebook Mitglied, noch twittere ich. Und was ich darüber zu lesen bekomme, wirkt alles andere als einladend. Und ich finde mich dabei bestätigt durch einen immerhin seriös scheinenden Bericht  am 17.08. in der  „WELT“ (Auszüge): „Das Internet ist ein hohler, grässlicher, langweiliger Ort geworden. Es tummeln sich dort Monster, narzisstische Ich-Kondensationen, unsouveräne Aufmerksamkeitsfratzen, die wir uns über Jahre hinweg zurechtgeschnitzt haben...Wild gewordene Journalisten führen Scheindebatten über Trivialitäten oder gießen ihre aufmerksamkeitsheischende Kulturkritik in facebooktaugliche Zeilen, posten Fotos von sich beim Wandern und gieren nach Likes.Twitter war bisher eine Ausnahme. Denn der Zwang zur Kürze schärfte die Gedanken. Ist es damit jetzt vorbei?


Damit soll es hier sein Bewenden haben. Wobei ich die Gelegenheit wieder einmal wahrnehme zu betonen, dass die Inhalte meiner Einträge vornehmlich dem Erhalt meiner geistigen Flexibilität dienen. Und ich niemanden eine Meinung vermitteln oder gar aufdrängen will. Und auch nicht den Anspruch erhebe, dass meine Überlegungen überhaupt von Bedeutung sind.



Das trifft natürlich auch und besonders auf meine Überlegungen zu den jetzt so aktuellen Flüchtlingsbewegungen zu, die seit Monaten die Medien beherrschen. Und obwohl, oder gerade weil ich in keiner Weise engagiert bin und auch keine bestimmte Auffassung vertrete, kann ich mich doch nicht ganz dem Geschehen entziehen, über das die Medien in unterschiedlichster Weise berichten. Oder auch nicht berichten. Und wenn es da heißt, „es werden die Syrer nicht in Syrien bleiben, solange dort der Tod regiert und es werden die Eritreer nicht in Eritrea bleiben, solange die Staatsgewalt dort die nackte Gewalt ist“ (SZ vom 17.08.), dann ersteht bei mir immer wieder die Frage nach dem Schicksal der zurückbleibenden alten Menschen? Haben die Flüchtlinge ihre Väter und Mütter einfach sich selbst überlassen? Wo bleibt denn da die Menschlichkeit? Und kein Journalist oder Moderator eines Senders oder einer Zeitung hat meines Wissens bisher dazu recherchiert. Ist das Schicksal der in den Kriegs- und Terrorgebieten zurückbleibenden alten Menschen nicht wichtig oder nicht aktuell genug? Solange ich darauf keine Antwort bekomme oder finde, kann ich für die Flüchtlinge, die scheinbar ihre Eltern und Großeltern einfach zurückließen, kein großes Mitgefühl aufbringen (siehe dazu meinen Eintrag vom 30.07.:“Flüchtlinge, Asylanten, Migranten, Ein- und Zuwanderer: wer kennt sich da noch aus?“) 

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