Montag, 11. April 2016

Ein ‚ergreifender‘ Abend mit Anja Eisner – mehr als eine Lesung

Vorher und Nachher“ im Kunsthaus – ein Eintauchen in die Gedankenwelt der Künstler des Impressionismus und Expressionismus. Auch so hätte man die Lesung aus Werken, vor allem
aus Briefen von wichtigen Vertretern des Impressionismus und Expressionismus ankündigen können, die mehr war als eine Ergänzung zu der derzeitigen, vielbeachteten Ausstellung im Kunsthaus. Die von Anja Eisner vorgenommene Auswahl aus der Vielzahl vorhandener Werke – hier von Gauguin über Kandinsky, von Marc bis hin zu Modersohn-Becker -, der Vortrag in diesem Raum – an den Wänden die Werke der Impressionisten – ließ eine knisternde Atmosphäre aufkommen. Man hätte eine Nadel fallen hören und am Schluss hatten einige der Zuhörer Tränen in den Augen, als sie sich bei Anja Eisner für diese Stunden bedankten - Stunden, die sicher zu den Höhepunkten der Veranstaltungen des Kunsthauses in diesem Jahr zählen werden. In teils drastischer Darstellung brachte Paul Gauguin in seinem Werk „Es sprach der Mond zur Erde“ -
..‘Ich wollt, ich wäre ein Schwein‘ ..über ..‘Ich habe ein
nacktes junges Mädchen gemalt. In dieser Stellung bräuchte es nur eine Kleinigkeit und sie wäre schamlos‘ .. – dem Pariser Publikum die geheimnisvolle Welt Tahitis nahe, versuchte Verständnis für seinen Entwurf vom natürlichen Leben und der freien Liebe zu wecken und gab damit zugleich den Schlüssel für das Verständnis seiner Malerei. Nach Auszügen aus „Der Blaue Reiter“ zu dem Verständnis und der Sicht Kandinskys zu der gleichnamigen Künstlervereinigung und seiner Art der Darstellung folgten Briefe von Franc Marc – wenn man so will eine Kurzfassung zu seinem Leben, seinem Werden und auch seinem frühen Tod im „Feld der Ehre“. Wer wusste schon, dass Marc mit 17 noch Pfarrer werden wollte, mit 18 sich als Künstler einschätzte und mit 20 diese Gewissheit hatte? Auch er versprach sich von dem bevorstehenden Krieg „Reinigung“ und Erneuerung – und so war der Brief am 3. August 1914 kurz: "Ich rücke am Donnerstag ein." und "... nun müssen wir einmal schweigen und die Weltgeschichte reden lassen". Auf der einen Seite Optimismus und Hoffen auf die Beseitigung der verkrusteten Strukturen, auf der anderen Seite gewisse Ahnungen. Er bat um die Sicherung seiner Werke vor Vernichtung. Weiter eine
zunehmende Verstörung, die mit der Nachricht vom Tod seines Freundes August Mackes bereits im September 1914 ihren Höhepunkt erreichte. Auf der anderen Seite Briefe voller Liebe, voller Sehnsucht an seine Frau, Gedanken an die Heimkehr, an Zuhause. "Sorg Dich nicht, ich komm schon durch", so im Februar 1916 und zu Beginn der Schlacht vor Verdun. Und wenige Stunden vor seinem Tod am 4. März 1916 notiert er die erschütternden Zeilen: „Seit Tagen sehe ich nichts als das Entsetzlichste, was sich Menschengehirne ausmalen können.“ Die Lesung schloss mit ‚Momenten‘ aus dem Leben von Paula Modersohn-Becker, ausgehend von den Zeichenstunden bei sehr strengem Lehrer bis hin zu dem Zustand gekennzeichnet von ‚voller Lebenslust und Zuversicht, das Weib in sich erwachend‘. 1907 schrieb sie, jetzt schon auf dem Weg zum Expressionismus: ‚….man muss den Impressionismus verdaut haben…‘. Fast ein Schlusswort! Doch die Ergriffenheit der Zuhörer, die Tränen in den Augen zeigten, dass diese Lesung und die Eindrücke noch nachwirken werden und eben nicht schnell verdaut sind. Es bleibt der Wunsch nach weiteren Lesungen, die eben mehr sind als nur eine die Ausstellung begleitende Veranstaltung. Es sei Frau Dr. Anja Eisner nochmals im Namen aller Teilnehmer gedankt.


Dr. Wolfgang R. Pientka Vorsitzender des KUNSTHAUS MEYENBURG Fördervereins

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