Mittwoch, 27. April 2016

90 Jahre Thüringer Jagdordnung: Über 250 Teilnehmer beim Forum Jagdpolitik

Primas: Bewährtes erhalten - Paradigmenwechsel im Jagdgesetz verhindern


Erfurt – „Änderungen am Thüringer Jagdgesetz dürfen nur fachlich sauber und vor allem wissensbasiert und praxisorientiert erfolgen. Jagd ist und bleibt eine mit dem Eigentum verbundene, verfassungsmäßig begründete gesellschaftliche Aufgabe, die auch in der Zukunft verantwortungsvoll wahrgenommen werden muss.“ Dieses Fazit hat der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Egon Primas nach dem jagdpolitischen Forum am Dienstagabend im Plenarsaal des Thüringer Landtags gezogen. Die Veranstaltung fand am Vorabend des heutigen 90. Jahrestages des Inkrafttretens der Thüringer Jagdordnung statt. Mit seinen Worten wendete sich Primas gegen die rot-rot-grünen Pläne zur Novellierung des Jagdrechts. Die Linkskoalition will die Jagd künftig vorrangig an ökologischen Grundsätzen orientieren.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Mike Mohring betonte, seine Partei werde sich dafür einsetzen, eine Ökologisierung der Jagd zu verhindern. „Wald und Wild bilden eine Einheit. Sie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, erklärte Mohring vor mehr als 250 Jägern aus Thüringen, die der Einladung seiner Fraktion gefolgt waren. “Das Vorhaben der Landesregierung reiht sich ein in den rot-rot-grünen Generalangriff auf den ländlichen Raum”, zog Mohring Parallelen zu den Plänen der Linkskoalition unter anderem zur Gebietsreform, Schulnetz- und Berufsschulplanung, Kürzung der Kommunalfinanzen und Ausweisung neuer Windvorranggebiete.


Den Worten des Fraktionsvorsitzenden folgten die Vorträge namhafter Experten: Nachdem Karl-Heinz Müller, als langjähriger stellvertretender Forstabteilungsleiter, auch für die Entwicklung von Hege und Pflege in Thüringen zuständig, über die Geschichte der Jagd und der Jagdordnung in Thüringen referiert hatte, informierte Prof. Dr. Michael Brenner vom Lehrstuhl für Deutsches und Europäisches Verfassungs- und Verwaltungsrecht an der Friedrich-Schiller-Universität Jena über das Jagdrecht als verfassungsrechtlich besonders geschütztes Eigentumsrecht.


Brenner begründete schlüssig seine verfassungsrechtlichen Bedenken
gegenüber dem Gesamtpaket der geplanten Veränderungen, darunter Eingriffe in den Katalog jagdbarer Arten und die Reduzierung der Jagdzeiten.

Der emeritierte Universitätsprofessor Dr. Friedrich Reimoser von der Universität für Bodenkultur und der Veterinärmedizinischen Universität Wien gab Einblicke in seine Arbeitsschwerpunkte Wildtierforschung und Wildtiermanagement. Er sieht die Jagd als elementaren Teil des Wildtiermanagements. „Wer denkt, das regelt sich schon, wenn man das Wild sich selbst überlässt, der irrt gewaltig“, erklärte Reimoser.



In der anschließenden Diskussion der Referenten mit der versammelten Jägerschaft kristallisierte sich eine einhellige Position heraus, die Primas wie folgt zusammenfasste: „Das Thüringer Jagdgesetz hat sich außerordentlich bewährt – wenn der Gesetzgeber es überhaupt anfassen sollte, dann ganz behutsam.“ Nicht zulassen dürfe die Jägerschaft einen Paradigmenwechsel, der nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern den Ansichten naturferner Tierrechtler beruht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen