Mittwoch, 9. Oktober 2013

Auf dem Boden der Realität gelandet

Im 19. Jahrhundert hieß es mal, dass am deutschen Wesen die Welt genesen könne (Emanuel Geibel). Dass sich das längst überholt hat, muss hier nicht betont werden. Nach dem gerade vorgestellten ersten PISA-Test über das Alltagswissen von Erwachsenen weiß nun die Öffentlichkeit, dass auch mit dem Wissen der Deutschen nicht unbedingt Staat zu machen ist.

Die Medien haben dieses Thema natürlich begierig aufgegriffen und kommentiert, ich muss das also nicht auch noch versuchen. Dass ich mich überhaupt engagiere hat seine Ursache mehr in dem Umstand, dass die Altersgrenze für diese Studie bei 65 Jahren lag, also sich wohl an der Regelaltersgrenze der Versicherten in Deutschland (mit-)orientierte. Empfindungsgemäß wird mir bei solchen Gelegenheiten nämlich immer sehr bewusst, dass ich diese Grenze schon recht lange überschritten habe. Und – wie in diesem Fall – mein Wissen nicht mehr gefragt ist. Was weniger mit diesen, meinem Wissen zu tun hat, als mit Selbstwertgefühl. Man schluckt dann mal - und macht weiter.

Um aber beim Thema zu bleiben überlege ich schon, welche Bedeutung ein solcher Test hat, wenn ich lese, dass Deutschland zum Beispiel in den Bereichen Lesekompetenz, alltagsmathematische Kompetenz und technologiebasierte Problemlösekompetenz. im internationalen Vergleich alles in allem durchschnittlich ist. Dass aber die Werte der meisten Länder insgesamt sehr nah beieinander liegen

Die unterdurchschnittliche Lesekompetenz soll dabei durch Schwächen im unteren Leistungsbereich verursacht sein. Und die Differenz zum OECD-Mittel verdoppelt sich bei dem leistungsschwächsten Viertel der deutschen Erwachsenen. Deren Lesekompetenz ist also deutlich schwächer als die der leistungsschwächsten 25 % im Durchschnitt aller OECD-Länder. Deutschland hat also Probleme, den Leistungsschwächsten die notwendigen Grundkompetenzen zu vermitteln. Das überdurchschnittliche Abschneiden in der alltagsmathematischen Kompetenz ist dagegen auf Stärken im oberen Leistungsbereich zurückzuführen. Hier zeigt sich, dass die besten 25 % deutlich besser abschneiden als das entsprechende Viertel aller OECD-Länder.

Besonders aber sollen Personen mit niedrigem Bildungsabschluss in Deutschland im Ergebnis der Studie Probleme im unteren Leistungsbereich aufweisen Mehr als die Hälfte der Personen mit maximal einem Hauptschulabschluss verfügt danach nur über sehr geringe Lese- und alltagsmathematische Kompetenzen. Sie sind somit lediglich in der Lage, elementare Lese- und Rechenaufgaben zu bewältigen. Personen mit vergleichsweise geringen Kompetenzen haben – sowohl in Deutschland als auch international – deutliche Probleme auf dem Arbeitsmarkt: Erwerbstätige weisen höhere Grundkompetenzen auf als Nicht-Erwerbspersonen oder Erwerbslose. Auch auf das Einkommen wirken sich Kompetenzen angeblich aus. So verdient beispielsweise eine Person, deren Lesekompetenz 50 Punkte höher liegt, im Schnitt monatlich fast 270 € mehr. Im Zeitalter der Aufstocker allerdings eine relative Folge, wie ich meine.


Das alles ist aber sicher recht interessant, nur liegt es wohl an den Menschen innerhalb der untersuchten Altersgrenzen, ob sie aus den Ergebnissen Lehren ziehen (können oder wollen) oder ihnen das Wissen darüber genügt. Wichtiger aber ist wohl, dass die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) alle drei Jahre auch die bekannten weltweiten PISA-Untersuchungen bei 15-jährigen Schülern durchführt. Und da hat ja die Veröffentlichung des ersten Tests 2001 auch erhebliche Wissenslücken unter den Schülern in Deutschland offenbart. Der damalige „PISA-Schock“ in der Öffentlichkeit war damals die Folge. Und löste immerhin zahlreiche Schulreformen aus. Die mittelfristig zu besseren Ergebnissen auch bei den dann Erwachsenen führen könnten.

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