Sonntag, 16. Februar 2014

Politik mit Haken und Ösen

Heute geht es mir ähnlich wie neulich, als ich eines einzelnen Themas halber, das mich beschäftigte, alles andere vernachlässigte, das sich in der Welt ereignete. Zurückblickend müsste ich mir jetzt allerdings sogar zum Vorwurf machen, dass ich zumindest gelegentlich noch versuche, mehrere Themen, die Inhalt von Veranstaltungen sind, unter einen Hut zu bringen. Wenn sich diese Veranstaltungen nämlich zeitlich fast überschneiden.

Ich meine einmal die Jahreshauptversammlung des Fördervereins Park Hohenrode in der Kreissparkasse Nordhausen, und die Vortragsveranstaltung im Tabakspeicher mit Prof. Dr. Heinz Schilling am 06. Februar. Beides interessierte mich. Und so nahm ich am ersten Teil der Jahreshauptversammlung teil, nämlich den Tätigkeitsbericht der Vorsitzenden, Gisela Hartmann (mein Eintrag vom 7. Februar handelt davon) und hörte dann im Tabakspeicher den Vortrag des Historikers Prof. Schilling (auch darüber schrieb ich). Was demgegenüber von der Veranstaltung des Fördervereins Park Hohenrode in den Zeitungen (Print oder auch Internet) zu lesen war, sind ausschließlich Mitteilungen und Beiträge der Vorsitzenden Hartmann selbst. Weil kein einziger Vertreter dieser Zeitungen dort war. Und dieser Hartmann-Bericht ist anschaulich und aufschlussreich. Warum also – so meine Einsicht – warte ich nicht auch, bis mir ein Bericht zugeht, oder in der Zeitung zu lesen ist.

Doch nun zur Aktualität. Wobei ja nach wie vor meine Überlegung zu der jüngsten Wahl in der Schweiz zur Einwanderung von Ausländern im Raum steht. Ich komme nämlich nicht weiter bei der Frage, warum das Ergebnis eines Aktes der direkten Demokratie – also dieser Wahl in der Schweiz – dazu führt, dass sie nun eine ganze Reihe von Nachteilen seitens der EU in Kauf nehmen müssen. Einer Union, von der gerade die Vize-Chefin der LINKEN, Sarah Wagenknecht meinte, sie sei eine Fassadendemokratie. So recht weiß ich nicht damit umzugehen, selbst wenn ich davon ausgehe, dass es in den meisten EU-Staaten eine parlamentarische Demokratie gibt. Das jüngste Ergebnis dieser Wahl in der Schweiz macht die Diskrepanz beider Arten von Demokratie deutlich. Würde man in Deutschland eine Volksbefragung zum gleichen Thema durchführen, wäre das Ergebnis vermutlich ähnlich dem in der Schweiz. Volkes Meinung ist oft nicht die von Parlamenten. Und das Thema Freizügigkeit ist auch nur ein Beispiel.

Hier und jetzt aber meine ich die Situation und das Geschehen im Zusammenhang mit dem SPD-Politiker Sebastian Edathy. Dazu muss ich einräumen, dass ich vielleicht zu naiv bin, um zu wissen, was genau es mit Kinderpornographie auf sich hat. Ich kann nicht einmal nachvollziehen, was jemanden dazu veranlasst, sich Bilder nackter Kinder zu besorgen um sich sie anzusehen. Und demzufolge weiß ich auch nicht, wo die Grenze von strafbaren Verhalten und „nur“ moralischer Fragwürdigkeit liegt.


Mich beschäftigen eigentlich mehr die Konsequenzen, die das Bekanntwerden der Ermittlungen gegen Edathy bisher nach sich zogen. Und die sich möglicherweise noch ergeben. Ich finde das Echo in den Medien zu den gesamten bisherigen Umständen und zum Rücktritt des Bundeslandwirtschaftsministers Hans Peter Friedrich erstaunlich. Die Bundespresseschau eröffnet ein Bild der bisherigen Vorgänge, das so schillernd ist wie ein Ölfleck in einer Wasserlache. Und finde am zutreffendsten, was die „Rheinische Post“ dazu schrieb: dass der frühere Bundesinnenminister letztlich der Geschwätzigkeit der SPD-Politiker zum Opfer fiel. Wenn nämlich Edathy wirklich im Gespräch für ein Ministeramt in der großen Koalition im Gespräch war, dann hat Friedrich meines Erachtens zumindest politisch richtig gehandelt, die SPD-Spitze zu warnen. Und das rechtliche Risiko in Kauf zu nehmen. Es war ja doch Verschwiegenheit vereinbart. Was letztlich wirklich dazu führte, dass der Generalsekretär der SPD, Thomas Oppermann, damit an die Öffentlichkeit ging, ist nicht recht nachzuvollziehen. Alle Beteiligten nehmen jedenfalls für sich in Anspruch, sich in der einen oder anderen Hinsicht (menschlich, politisch, rechtlich) konform verhalten zu haben. Im Grunde aber zeigt sich in der erwähnten Presseschau, dass die Medien die Presse- und Meinungsfreiheit auch in diesem Falle nicht nur weidlich nutzen, sondern auch strapazieren. Und je mehr ich lese, was da im (qualifizierten) Internet dazu angeboten wird, umso zurückhaltender werde ich. Wer sich nur an eine Zeitung hält, hat weniger Zweifel. Jedenfalls ist meine – ganz unmaßgebliche – Wertschätzung des Sebastian Edathy sehr gesunken (was ihn sicher sehr gleichgültig sein dürfte). Und das, was er auslöste, wird sicher noch eine ganze Zeit zeitlang die Politik, die zuständige Staatsanwaltschaft und ganz besonders die Medien beschäftigen. Und insgeheim bin ich doch neugierig darauf. 

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