Mittwoch, 27. Februar 2019

Museum Flohburg


Erfolgreiche Ausstellungseröffnung „Revolution und Demokratie 1918/1919 – Der Einzug der Moderne in die Provinz“

Nordhausen (psv) Rund 80 Gäste kamen zur Ausstellungseröffnung am vergangenen Donnerstagabend im Museum Flohburg, um den Redebeiträgen zuzuhören und sich dann im Anschluss die Arbeiten von Studierenden der Hochschule Nordhausen anzusehen. Viele Interessierte nahmen sich auch Zeit für Gespräche mit den Initiatoren und mit anderen Besuchern, was auch ein Ziel des Ausstellungsthemas ist, nämlich die Debattenkultur anzuregen. Zusammen mit dem Stadtarchiv Nordhausen und der Hochschule Nordhausen haben Studierende der Hochschule Ereignisse der Novemberrevolution für Nordhausen und die Gründung der Weimarer Republik sowie des Freistaates Thüringen in den Blick genommen.

War die Novemberrevolution von 1918 für die Nordhäuser Verhältnisse eher eine „Revolution der Besonnenen“? Diese Frage kam im Redebeitrag der Kuratorin Dr. Marie-Luis Zahradnik in der Eröffnungsveranstaltung zur Sonderausstellung auf und sollte neugierig machen. Sie führt in diesem Zusammenhang dazu aus:
„In einer der studentischen Arbeiten wird der Fokus auf die politische Kraft des Arbeiter- und Soldatenrates sowie auf die wenigen aus Quellen bekannten Akteure und Orte in den Revolutionstagen in Nordhausen gelegt. Zwar folgten rund 10.000 Nordhäuser am 11. November 1918 dem Aufruf des Arbeiter- und Soldatenrates zur Versammlung in der Grimmelallee vor dem Gasthaus „Drei Linden“, doch wurde die anfängliche Kraft von den Verantwortlichen des Rates als historische Chance für ein demokratisches Deutschland nicht genutzt. Also war es für die Nordhäuser Verhältnisse dann eher eine „Revolution der Besonnenen“? In der Aufarbeitung wird deutlich, dass die Verantwortlichen in der ehemals kaiserlich-preußisch-geprägten Verwaltung und die dort tätigen Beamten und Angestellten nicht gleich ausgewechselt wurden, sondern sie führten die Verwaltungsarbeit unter neuen Richtlinien und unter der Kontrolle des Arbeiter- und Soldatenrates fort. Es ging darum, die Stadt wieder regierbar zu machen. Die Zusammenarbeit beider verlief ohne besondere Reibungen, sodass in den Tagen nach der Revolution, während des Übergangs hin zur ersten deutschen parlamentarischen Republik die Verwaltung der Stadt Nordhausen so ein relativ fester Anker für Sicherheit und geregelter Versorgung war. Nicht nur die Stadtpolitik wird in den Blick genommen, sondern auch Verhandlungen mit Unternehmen in der Stadt. Das Exekutiv-Komitee als Ausführungsorgan des Arbeiter- und Soldatenrates verhandelte mit Unternehmen der Tabakindustrie, damit den Arbeitnehmern ein durchschnittlicher Lohn weitergezahlt wurde, obwohl die Unternehmen teilweise aufgrund des Mangels an Energie und Rohstoffen nicht produzieren konnten. Hierin können erste Anfänge der heute vertretenen Betriebsrisikolehre gesehen werden. Bremsend auf die Revolutionsbewegung wirkte als Pendant zum Arbeiter- und Soldatenrat der Bürgerrat, der in Nordhausen ebenfalls im November 1918 gegründet wurde. Das Bürgertum wollte auch Anteil an der Umwälzung nehmen und den Arbeiter- und Soldatenrat beim Neuaufbau unterstützen. Aber es ging auch um die Wahrung der bürgerlichen Rechte und der Gleichberechtigung des Bürgertums sowie das Abwenden einer proletarischen Diktatur. Das rege soziale und caritative Engagement von ortsansässigen Wohltätigkeitsvereinen und auch von Fabrikbesitzern milderte die Sorgen der Nordhäuser Bevölkerung und so wurde der revolutionären Stimmung in der Stadt wenig Resonanz geboten.“

Im Rahmen der Ausstellung findet ein Vortragsabend am 01.03.2019 um 17:30 Uhr in der Flohburg|Das Nordhausen Museum statt. Der Historiker Dr. Konstantin von Freytag-Loringhoven wird über die Revolution in Sondershausen 1918 sprechen.

Führungen terminiert:
Bis zum 30. März 2019 ist die Sonderausstellung zu besichtigen. Ebenso gibt es die Gelegenheit, an den Führungen mit der Kuratorin Dr. Marie-Luis Zahradnik am Dienstag, 05.03.2019, jeweils um 10.00 Uhr, am Freitag, 15.03.2019, um 17.00 Uhr, am Sonntag, 17.03.2019, um 15.00 Uhr sowie am Donnerstag, 21.03.2019, um 17.00 Uhr teilzunehmen.

Für Fragen oder die Vereinbarung gesonderter Führungstermine ist das Museum unter der Telefonnummer 03631/4725680 oder per E-Mail flohburg@nordhausen.de erreichbar.

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