Dienstag, 21. August 2018

AfD-Anhänger: Kritik an Flüchtlingszuwanderung und der Demokratie sind wichtigste Wahlmotive

Kritik an der Flüchtlingszuwanderung und eine generelle Unzufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland sind die wichtigsten Gründe für Menschen, die Partei Alternative für Deutschland (AfD) zu wählen. Das haben Prof. Dr. Holger Lengfeld und seine Mitarbeiterin Clara Dilger vom Institut für Soziologie der Universität Leipzig durch die Auswertung von Daten aus einer der größten Bevölkerungsumfragen in Deutschland herausgefunden. Die Ergebnisse ihrer Studie haben die beiden Wissenschaftler jetzt in der renommierten „Zeitschrift für Soziologie“ veröffentlicht.

In Politik und Wissenschaft werde seit längerem kontrovers darüber diskutiert, warum Menschen die AfD wählen. „Solche Einstellungsfaktoren sind einflussreicher als die jeweilige soziale Lage der AfD-Wähler“, erklärt Soziologe Lengfeld. Zwar neigen der Studie zufolge sozial Schwächere häufiger zur AfD als die Mittelschichten oder die Bessergestellten. Allerdings sei das vor allem deshalb der Fall, weil sie häufiger als andere Schichten die Zuwanderung von Flüchtlingen nach Deutschland ablehnen. Die Wissenschaftler vermuten, dass sich dahinter unter anderem der Wunsch der angestammten sozial Schwachen nach Konkurrenzabwehr verbirgt. „Da die meisten Flüchtlinge selbst nur über geringe berufliche Qualifikationen verfügen, konkurrieren beide Gruppen im gleichen Arbeitsmarktsegment um Jobs mit einfachen Tätigkeiten. Diese Konkurrenz soll die AfD mit ihrem kategorischen Nein zur Zuwanderung verhindern“, erklärt Lengfeld.

Für ihre Studie werteten die Leipziger Wissenschaftler Daten von mehr als 8.400 Befragten des „Sozio-oekonomischen Panels“ (SOEP) aus dem Jahr 2016 aus. Das SOEP ist eine seit 1984 jährlich vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) durchgeführte bevölkerungsrepräsentative Längsschnittbefragung deutscher Privathaushalte. Im Jahr 2016 wurden erstmals Einstellungen zur Zuwanderung von Flüchtlingen erhoben, was für die Leipziger Studie zentral ist. Aufgrund der aufwändigen Aufbereitung werden die Daten vom DIW erst rund ein Jahr nach Abschluss der Erhebung für die Auswertung bereitgestellt.

Aus dem Ergebnis der Studie ergebe sich auch eine Empfehlung für die Politik, so Holger Lengfeld. Er rät den etablierten Parteien davon ab, mit sozialpolitischen Maßnahmen zu versuchen, AfD-Wähler zurückzugewinnen. „Sicher gibt es gute Gründe, die Lage der sozial Schwächsten in unserem Land zu verbessern. Weil die Motive der AfD-Wähler aber überwiegend keine wirtschaftlichen sind, würden Maßnahmen wie etwa Rentenzuschüsse für Geringverdiener wenig oder sogar nichts am derzeitigen Zulauf zugunsten der AfD ändern“.


Susann Huster Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Originaltitel des Beitrags in der „Zeitschrift für Soziologie“:

"Kulturelle und ökonomische Bedrohung. Eine Analyse der Ursachen der Parteiidentifikation mit der „Alternative für Deutschland“ mit dem Sozio-oekonomischen Panel 2016"


Mitteilung des idw - Informtionsdienst Wissenschaft am 20.08.2018

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen