Donnerstag, 10. November 2016

Trumps Wahlsieg ist erst einmal eine riesige Blamage für Demoskopen und die Medien

Die Medien sind in diesen Tagen voll von Berichten über das überraschende Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten. Am wenigsten aber finden sich dabei Eingeständnisse der Medien ihrer völligen Fehleinschätzung des Verlaufes dieser Präsidentenwahlen. Und dessen Ergebnis. Obwohl sie sie doch sogar weniger als Beobachter, denn als Akteure begleiteten, wohl auf der Grundlage der demoskopischen Vorhersagen, die nicht weniger daneben lagen. Und sich mühten, Donald Trump als Präsidentschaftskandidaten zu demontieren und in Misskredit zu bringen. Vor den Folgen einer Trump-Wahl las man hingegen so gut wie nichts, man war sich ja wohl seiner Kampagnen gegen Trump sicher und bezog sie gar nicht als Möglichkeit ein. Auch die Bundesregierung nicht, die angeblich noch nicht einmal die Telefonnummer Trumps besaß, um ihn zu gratulieren.

Und dann war die Überraschung am Morgen des gestrigen Mittwochs umso größer. Und nun lese ich nicht etwa etwas von Selbsteinsicht oder gar -kritik der Medien, sondern plötzlich von weltweiten Sorgen und Ängsten nach Trumps Wahlsieg. Demgegenüber erklärte die unterlegene Kandidatin Hillary Clinton laut „SZ“ (Auszug): „Donald Trump wird unser nächster Präsident sein", sagte sie. Das müsse man akzeptieren. "Ich hoffe, dass er ein erfolgreicher Präsident für alle Amerikaner sein wird. Wir schulden ihm Aufgeschlossenheit." Sie appellierte an die US-Bürger, dem künftigen Präsidenten mit einer offenen Haltung zu begegnen. „ (Ende des Auszugs). Mit mäßigem Erfolg, wie man inzwischen weiß.

Mit einen Hinweis auf die Meinung Norbert Röttgens (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages in der WELT will ich es hier bewenden lassen (Auszug): „Röttgen nannte Trumps Wahlsieg einen "Warnschuss für Europa". „Was wir an Extremen in Amerika sehen, ist im Grunde ein Phänomen des gesamten Westens“, sagte Röttgen. „Wir müssen endlich den Ernst der Lage erkennen. Wir müssen das, was viele Menschen deprimiert und ihnen das Gefühl gibt, alleingelassen zu sein, ins Zentrum von Politik rücken.“ (Ende des Auszugs). Ansonsten kritisierte Röttgen den Vorsitzenden der SPD, Sigmar Gabriel: „Beschimpfungen machen die Sache nur noch schlimmer. Wir sollten nicht im Stile von Trump auf Trump antworten“, sagte Röttgen. Damit nahm er Bezug auf dessen Einschätzung Trumps: Gabriel hatte den neugewählten US-Präsidenten als „Vorreiter einer neuen autoritären und chauvinistischen Internationalen“ bezeichnet. Im Wahlkampf der Kandidaten war ja Politik tatsächlich nur beiläufig Thema.

Meinem Eintrag vom 05. November zum Thema Wahlen in den USA schloss ich mit: „Ich jedenfalls bin „nur“ neugierig.“ Ich bin es auch zur weiteren Entwicklung, mit dem Vorbehalt, dass mein Vertrauen in die Berichterstattung der Medien weiter gelitten hat.  

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