Die Medien sind in diesen Tagen voll
von Berichten über das überraschende Wahlergebnis in den
Vereinigten Staaten. Am wenigsten aber finden sich dabei
Eingeständnisse der Medien ihrer völligen Fehleinschätzung des
Verlaufes dieser Präsidentenwahlen. Und dessen Ergebnis. Obwohl sie
sie doch sogar weniger als Beobachter, denn als Akteure begleiteten,
wohl auf der Grundlage der demoskopischen Vorhersagen, die nicht
weniger daneben lagen. Und sich mühten, Donald Trump als
Präsidentschaftskandidaten zu demontieren und in Misskredit zu
bringen. Vor den Folgen einer Trump-Wahl las man hingegen so gut wie
nichts, man war sich ja wohl seiner Kampagnen gegen Trump sicher und
bezog sie gar nicht als Möglichkeit ein. Auch die Bundesregierung
nicht, die angeblich noch nicht einmal die Telefonnummer Trumps
besaß, um ihn zu gratulieren.
Und dann war die Überraschung am
Morgen des gestrigen Mittwochs umso größer. Und nun lese ich nicht
etwa etwas von Selbsteinsicht oder gar -kritik der Medien, sondern
plötzlich von weltweiten Sorgen und Ängsten nach Trumps Wahlsieg.
Demgegenüber erklärte die unterlegene Kandidatin Hillary Clinton
laut „SZ“ (Auszug): „Donald Trump wird unser nächster
Präsident sein", sagte sie. Das müsse man akzeptieren. "Ich
hoffe, dass er ein erfolgreicher Präsident für alle Amerikaner sein
wird. Wir schulden ihm Aufgeschlossenheit." Sie appellierte an
die US-Bürger, dem künftigen Präsidenten mit einer offenen Haltung
zu begegnen. „ (Ende des Auszugs). Mit mäßigem Erfolg, wie man
inzwischen weiß.
Mit einen Hinweis auf die Meinung
Norbert Röttgens (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses
des Bundestages in der WELT will ich es hier bewenden lassen
(Auszug): „Röttgen nannte Trumps Wahlsieg einen "Warnschuss
für Europa". „Was wir an Extremen in Amerika sehen, ist im
Grunde ein Phänomen des gesamten Westens“, sagte Röttgen. „Wir
müssen endlich den Ernst der Lage erkennen. Wir müssen das, was
viele Menschen deprimiert und ihnen das Gefühl gibt, alleingelassen
zu sein, ins Zentrum von Politik rücken.“ (Ende des Auszugs).
Ansonsten kritisierte Röttgen den Vorsitzenden der SPD, Sigmar
Gabriel: „Beschimpfungen machen die Sache nur noch schlimmer. Wir
sollten nicht im Stile von Trump auf Trump antworten“, sagte
Röttgen. Damit nahm er Bezug auf dessen Einschätzung Trumps:
Gabriel hatte den neugewählten US-Präsidenten als „Vorreiter
einer neuen autoritären und chauvinistischen Internationalen“
bezeichnet. Im Wahlkampf der Kandidaten war ja Politik tatsächlich
nur beiläufig Thema.
Meinem Eintrag vom 05. November zum
Thema Wahlen in den USA schloss ich mit: „Ich jedenfalls bin „nur“
neugierig.“ Ich bin es auch zur weiteren Entwicklung, mit dem
Vorbehalt, dass mein Vertrauen in die Berichterstattung der Medien
weiter gelitten hat.
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