Donnerstag, 14. Dezember 2017

Mehr innovative Gründungen durch Zuwanderung

Migrantinnen und Migranten gründen vermehrt innovativ und in wissensintensiven Branchen, das ist eines der neuesten Ergebnisse einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung an der Universität Mannheim. Doch ihr Gründungspotenzial ist noch nicht ausgeschöpft.


Die Zahl neuer Unternehmen in Deutschland sinkt, doch dafür gründen Zugewanderte immer häufiger: Laut Mikrozensus 2016 hat inzwischen jeder fünfte bis sechste Selbständige in Deutschland ausländische Wurzeln. Denn während die Zahl herkunftsdeutscher Selbständiger seit 2005 um 128.000 abgenommen hat, ist die Zahl der Selbständigen mit Migrationshintergrund um 189.000 gestiegen. Das Institut für Mittelstandsforschung (ifm) an der Universität Mannheim hat diese Entwicklung näher beleuchtet und eine Studie für das Bundeswirtschaftsministerium mit neuen Zahlen untermauert. Dabei haben die Forscherinnen und Forscher sowohl die Stärken als auch die Schwächen von Migrantengründungen untersucht.

Innovative Gründungen, schneller in die Selbständigkeit
Als Triebkraft für Unternehmensgründungen erweist sich die wachsende Zahl an höher gebildeten Migrantinnen und Migranten. Sie beleben nicht nur die Gründungsszene, sondern verändern zunehmend auch ihr wirtschaftliches Profil. „Während Migranten früher oft Pizzerien, Dönerläden oder Gemüsegeschäfte eröffneten, spielen nun wissensbasierte Dienstleistungen eine immer größere Rolle. Das zeigt sich an der wachsenden Anzahl an selbständigen Ärzten, Anwälten, Unternehmensberatern und Ingenieuren“, sagt Projektleiter René Leicht vom Institut für Mittelstandsforschung. Das hänge auch damit zusammen, dass Zuwanderinnen und Zuwanderer seltener aus ehemaligen Anwerbeländern, sondern vermehrt aus anderen Regionen der Welt nach Deutschland kämen – wie Asien, West- oder Osteuropa.
Auch an innovativen Gründungen – Unternehmen, die Forschung und Entwicklungen betreiben oder Marktneuheiten auf den Weg bringen – sind Migranten häufiger beteiligt als herkunftsdeutsche Selbständige. Vorteile hätten Zugewanderte hier oft durch geschäftliche Netzwerke, die sie aus ihren Herkunftsländern mitbringen.

Zudem beobachtete das Forschungsteam, dass immer mehr Migrantinnen und Migranten schon direkt nach der Einwanderung ein Unternehmen gründen oder bereits als Selbständige nach Deutschland kommen: Rund ein Viertel aller Neugründungen von Migranten erfolgt „adhoc“. Es sind auch seltener Notgründungen, denn nur 8 Prozent der Zugewanderten gründen aus der Arbeitslosigkeit heraus. Das sei in früheren Zuwanderergruppen nicht der Fall gewesen.

Wenig Nachhaltigkeit
Gleichzeitig deckt die Studie aber auch ungenutzte Gründungspotenziale auf: Als bedenklich schätzen die Autoren ein, dass der Gründungsboom auch unter Zugewanderten langsam nachlässt. Zwar steige die absolute Zahl der Selbständigen mit ausländischen Wurzeln nach wie vor, doch ihr Anteil an allen Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund sinke. „Das hängt mit dem attraktiven deutschen Arbeitsmarkt zusammen, der nicht nur Deutsche, sondern vermehrt auch hochqualifizierte Migrantinnen und Migranten in Arbeitnehmerverhältnisse lockt“, so Leicht. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, schlussfolgert die Studie, würde dies das Gründungspotenzial von Migrantinnen und Migranten mittelfristig schwächen.

Die wachsende Zahl an selbständigen Migranten werde zudem durch die Kurzlebigkeit vieler Gründungen gebremst. Das sei dadurch bedingt, dass Zugewanderte oft über weniger Ressourcen verfügten und höhere Hürden überwinden müssten als Herkunftsdeutsche. Auch die Chancen auf eine Unternehmensübernahme bietet sich Migranten weitaus seltener.

Wie die Gründungspotenziale von Migrantinnen und Migranten stärker genutzt und institutionelle Hürden verringert werden könnten, dafür gibt die Studie konkrete Handlungsvorschläge. Beispielsweise könnten, so die Autoren, mehr ausscheidende Unternehmensgründer dazu motiviert werden, ihr Unternehmen an Migranten zu übergeben.


Weitere Informationen finden Sie unter http://www.institut-fuer-mittelstandsforschung.de/kos/WNetz?art=News.show&id....
Katja Bär Pressestelle: Kommunikation und Fundraising, Universität Mannheim

Mitteilung des idw - Informationsdienst Wissenschaft am 13.Dez.2017

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