Mittwoch, 20. Dezember 2017

„Freude, schöner Götterfunken“

Fragen an den Intendanten Daniel Klajner, Dirigent des Konzerts zum Jahreswechsel

Was wäre der Jahreswechsel ohne die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, gespielt vom Loh-Orchester Sondershausen gemeinsam mit Solisten und dem Opernchor des Theaters Nordhausen sowie Chorsängern aus Nordhausen und Sondershausen? Wie im vergangenen Jahr übernimmt Intendant Daniel Klajner auch diesmal die musikalische Leitung. Die Fragen stellten Konzertdramaturgin Juliane Hirschmann und Pressereferentin Birgit Susemihl.
Seit wann begleitet Sie diese Sinfonie?
Als ich meine erste Stelle als Generalmusikdirektor antrat, habe ich gleich einige Meilensteine der Opernliteratur und des symphonischen Repertoires auf den Spielplan gesetzt, u.a. Beethovens 9. Sinfonie. Damals, 27-jährig, bin ich dem Rat eines meiner Lehrer gefolgt, der meinte, dass ich gleich beginnen sollte, auch diese großen und respekteinflößenden Werke aufzuführen. Dann würde die Hoffnung bestehen, dass ich in seinem Alter – er war etwa 80 Jahre alt - zu einer befriedigenden Interpretation fände. So bin ich seit 27 Jahren mit dieser unglaublichen Sinfonie auf dem Weg…

Gibt es eine besondere Erinnerung, die Sie mit dieser Sinfonie verbinden?
Die gibt es tatsächlich: Nach dem Mauerfall im Dezember 1989 dirigierte Leonard Bernstein die 9. Sinfonie von Beethoven zweimal in Berlin; einmal in West- und dann in Ostberlin am ersten Weihnachtsfeiertag. Im berühmten 4. Satz, in der „Ode an die Freude“, ließ er anstelle von „FREUDE, schöner Götterfunken“ „FREIHEIT, schöner Götterfunken“ singen! Als langjähriger Assistent von Bernstein habe ich auch diese Konzerte begleitet. Sie gehören zum Emotionalsten, was ich in meinem Musikerdasein erleben durfte. Neun Monate später war der Meister tot.

Was ist für Sie persönlich das Bemerkenswerte an Beethovens letzter Sinfonie?
Diese Sinfonie, die Beethoven in völliger Taubheit geschrieben hat, ist für mich eines der bewegendsten, tiefgreifendsten, allgemeingültigsten und modernsten Werke, die je ein Mensch gefühlt, erdacht und niedergeschrieben hat. In dieser Sinfonie scheint das ganze Leben Beethovens kondensiert zu sein. Seine geniale musikalische Meisterschaft, die er seit frühester Kindheit geschult, verfeinert und im Verlauf seines Lebens zu höchsten Höhen geführt hat, steht als erstes ganz groß vor uns. Dann sehen wir, wie seine ganz persönlichen Triumphe, Hoffnungen und Niederlagen als Emotionen in diesem Werk ausgebreitet vor uns liegen. Auch die kriegerischen und sozialen Tragödien seiner Zeit werden verhandelt und finden Eingang in diesem Opus Magnum. All das ist nicht explizit ausformuliert und trotzdem allgegenwärtig zu spüren. Im 4. Satz erhebt Beethoven seine Stimme unter Zuhilfenahme von Schillers „Ode an die Freude“, um Menschen Mut zu machen, sich gegen die Verzweiflung, gegen Ungerechtigkeit, Krieg, Ausgrenzungen und Mutlosigkeit zu erheben. Es ist ein Aufruf, das Gute nie aus dem Blick zu verlieren!

Was ist das Besondere an unserem Konzert zum Jahreswechsel – wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den zahlreichen Chorsängern?
Dieses Werk ruft wie schon angedeutet zur gemeinsamen Freude auf, zum Optimismus, zum Blick nach oben und zu einer Bewusstheit im Umgang mit der Natur, den Menschen und unserer sozial immer wieder aus den Fugen geratenden Gesellschaft auf. Welches Werk könnte geeigneter als Beethovens 9. Sinfonie sein, den Jahreswechsel einzuläuten! Welches Werk wäre prädestinierter, um mit ganz vielen Sängern und Musikern gemeinsam zu musizieren, um dieses von Beethoven erschaffene Universum mit noch mehr Menschen zu teilen!!

Warum sollte man das Konzert zum Jahreswechsel nicht verpassen?
Der Freude wegen! Wegen des Elysiums, der Cherubime und der Götterfunken. Viele Gründe dabei zu sein! – Und nicht zu vergessen: wegen der Chöre, der Solisten und des Loh-Orchesters Sondershausen.

Das Konzert zum Jahreswechsel „Freude, schöner Götterfunken“ findet am Donnerstag, 28.12., um 19.30 Uhr im Theater Nordhausen und am Freitag, 29.12., um 19.30 Uhr im Haus der Kunst Sondershausen statt. Für das Konzert im Theater gibt es nur noch wenige Restkarte. Für das Konzert in Sondershausen gibt es Karten an der Theaterkasse (Tel. 0 36 31/98 34 52), in der Touristinformation Sondershausen (Tel. 0 36 32/78 81 11), im Internet unter www.theater-nordhausen.de und an allen Vorverkaufsstellen der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH.


Foto: Roland Obst

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