Montag, 11. Dezember 2017

„Klaus-Dieter Kerwitz – Ein Leben für die Kunst"

Klaus-Dieter Kerwitz, Grafiker, Maler und engagierter Nordhäuser. Durch den Tod von Klaus-Dieter Kerwitz hat die Kunstwelt am 28. November 2017 einen großen Verlust erlitten. In seinen 77 Lebensjahren hat der Künstler, den doch eigentlich jeder Nordhäuser so gut kennt, sei es von den Grafiken mit Nordhäuser Motiven, die in so vielen Wohnzimmern oder Arztpraxen und Anwaltskanzleien hängen, aber auch aus dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt, stets regen Anteil genommen hat.

Klaus-Dieter Kerwitz wurde 1940 in Nordhausen geboren und ist seiner Heimatstadt immer treu geblieben. Er hat von 1962 bis 67 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert und bei Wolfgang Mattheuer sein Diplom gemacht. 1963 heiratete er seine Frau Heidemarie und 1964 wurde sein Sohn Tomas geboren. Bis 1975 war er freiberuflich in der Messe- und Ausstellungsgestaltung in Leipzig tätig. 1976 kam er jedoch wieder nach Nordhausen zurück. Mitte der 70er Jahre wechselte Kerwitz sein Metier von der Gebrauchsgrafik zur Sektion Malerei/Grafik und wurde als Grafiker sehr erfolgreich. 1984 gehörte ein Aquatinta-Blatt von ihm zu den „100 besten Grafiken“. Seit 1985 lebte und arbeitete Kerwitz in seinem Wohn- und Atelierhaus in Rüdigsdorf.

Klaus-Dieter Kerwitz war sowohl Maler als auch Grafiker. Aber gerade die grafischen Techniken waren es, deren Ergründung, Vertiefung und Vervollkommnung ihn besonders interessierten. Eine seiner bevorzugten grafischen Techniken war die Radierung, die er sowohl als klassischen S/W-Druck als auch in Kombination mit der Aquatinta verwendet. Viele seiner Werke haben einen direkten, andere einen indirekten Bezug zu Nordhausen. Fast jeder kennt die faszinierenden kleinen Grafiken, mit Motiven vom Nordhäuser Dom oder der Frauenberg-Kirche, die einen Blick in die Geschichte Nordhausens zeigen. Dieser Blick ist manchmal melancholisch, wie bei „Nordhausen – Neuer Weg“ von 1992 oder stolz wie „In Mitten der Altstadt“.

Aber auch kritisch, wie bei den kleinen Blättern „Vernagelte Türen“. Diese zeigen, dass sich Klaus-Dieter Kerwitz durchaus gesellschaftskritisch in seinen Werken geäußert und sich in seiner Kunst den Problemen der Zeit nicht verschlossen hat. In einer kleinen Radierung von 1991 läßt Kerwitz eine stilisierte Taube über einem Stacheldrahtzaun aufsteigen und stellte sich und dem Betrachter die Frage: „Wohin“.

Beeinflusst in der Kunst von Klee und Turner und in der Literatur inspiriert von Thomas Mann und Stefan Zweig, setzte Kerwitz seine Kunst um. Lebte in der Natur – in seinem herrlichen Ambiente in Rüdigsdorf – und mit der Natur.

Er sagte selbst „Ich genieße dieses Refugium in vollen Zügen, erlebe durchs Atelierfenster den Wechsel der Jahreszeiten und gehe häufig hinaus in diese unverstellte Landschaft.“

Die der Künstler dann aufs Papier oder die Leinwand bringt. Und es ist für Kerwitz nicht die Frage, ob hier Kunst aus der Natur entsteht. Für ihn war Kunst überall in der Natur. Und so schätzte der Künstler die Natur gleichermaßen wie Menschen und Tiere und war tolerant gegenüber allem was lebt. Und letztes Endes leben die Landschaften –
ebenso wie der Künstler selbst - auch in seinen Werken weiter.

Besonders seine Arbeiten in Acryl ermöglichten es dem Künstler, die Farben der Natur, die sanften erdigen Töne, aufzunehmen und seine Blätter in den verschiedensten Stimmungen erstrahlen zu lassen oder mit dem Licht zu spielen. Faszinierende Landschaften, die auf den ersten Blick aus stimmungsvollen ineinander verlaufenden Farbflächen bestehen. Bei genauer Betrachtung lösen sich die Nebel auf und eine bergige Landschaft, der Mond oder die Stadtsilhouette werden sichtbar.
Seit den 90er Jahren beschäftigte sich der Maler Kerwitz mit farbintensiveren Malereien. In den früheren Arbeiten kombiniert er häufig verschwommen malerisch angelegte Hintergründe in Naturtönen mit fast surreal davor gelegten Objekten wie einzelnen Blättern oder abstrahierten Formen zu einer stimmungsvollen Gesamtkomposition. Viele seiner Acrylbilder wirken wie Aquarelle und ziehen den Betrachter durch die unglaubliche ausgewogene Farbharmonie in ihren Bann. Es ging ihm aber nie um die Wiedergabe der natürlichen Farben seiner dargestellten Motive. Farbe war für Kerwitz die Entsprechung seiner fiktiven Bildwelt und so formte er die Motive aus den der Bildstimmung entsprechenden Farben und Formen.

In seinen frühen Arbeiten und vor allem in seinen phantastischen Aquatinta-Radierungen überwiegen die realistischen Tendenzen, wie man in den detailgetreuen Darstellungen z.B. der „Strom für Neustadt“, aus dem Jahr 1971 erkennen kann. Seine eindrucksvollen kleinen grafischen Blätter, die häufig auch Auftragswerke waren, und die einzelne Gebäude oder Gebäudeteile in den Mittelpunkt setzen, zeichnen sich einerseits durch eine besondere Detailtreue aus, anderseits sind sie stets durch besondere Stimmungen geprägt. Das erreicht der Künstler durch seine gekonnt eingesetzten Hell-Dunkel-Kontraste und das Spiel mit Licht und Schatten besonders im Bereich des Himmels. Eine ganze Reihe von kleinen Radierungen hat Kerwitz den Nordhäuser Türen gewidmet, diese sind gleichzeitig auch Sinnbild für die Veränderungen in der Gesellschaft und können offen oder geschlossen sein oder bewusst eine „gestörte Symmetrie“ aufweisen. Seine Bilder zeigen Kerwitz besondere Fähigkeit, im scheinbar alltäglichen Motiv den besonderen Reiz zu erkennen.
Die Liebe zu seiner Heimat war wahrscheinlich die Wurzel aller Kunst von Klaus-Dieter Kerwitz, und so wurde er nicht müde, immer wieder diese phantastischen Landschaften  darzustellen, wobei jedes entstandene Werk aber seine eigene Aussage hat, seine eigene Wirkung und seine eigene Geschichte. So entstanden im Laufe von 50 Jahren unzählige expressive, surreale, philosophische und ironische Blätter. Manchmal figürlich, manchmal menschenleer und meistens die Landschaften in und um Nordhausen darstellend.

Mit Klaus-Dieter Kerwitz haben wir einen außergewöhnlichen Künstler verloren, der sich um die Kunst in unserer Stadt sehr verdient gemacht hat, der uns aber auch durch sein engagiertes Wirken unvergessen bleiben wird.


Susanne Hinsching, Leiterin Städtische Museen Nordhausen“

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