Dicht
besetzt war das Untergeschoss der „Flohburg“ am gestrigen
Dienstag zu Beginn der Vernissage zur Sonderausstellung „Vorhang
auf! 100 Jahre Theater Nordhausen“. Und wer sich zuvor schon mal im
Ausstellungsraum umgesehen hatte, bekam eine erste Vorstellung
über
die Geschichte des Theatergebäudes und dem, was den Besuchern in den
hundert Jahren seines Bestehens im Inneren des Hauses – und
vornehmlich auf dessen Bühne – geboten wurde.
Susanne
Hinsching, Leiterin der Städtischen Museen Nordhausen, eröffnete
die Vernissage, drückte ihre Freude über die vielen TeilnehmerInnen
aus und erläuterte mit der Entstehung dieser Ausstellung und deren
Umfang in großen Zügen Hintergründe gesellschaftliche und
kulturelle Hintergründe und Zusammenhänge dieser in Bildern,
Transparenten und Dokumenten (in Vitrinen) veranschaulichten
Theatergeschichte. Ihre Ausführungen ließen aber auch zumindest
eine vage Vorstellung aufkommen über den Umfang des Archivs zur
äußeren und inhaltlichen (auch werblichen) Geschichte der
Nordhäuser Theaterlandschaft, die ja bereits mit dem Tivolitheater
1897 - dem Vorgänger des jetzigen Theaters - begann. Vorstellungen
aber auch zu den Vorarbeiten zu dieser Ausstellung, die sich - so
erfuhr man - über drei Stockwerke der Flohburg erstreckt: im
Veranstaltungraum über die bildliche – auch

redaktionelle –
Geschichte des Theaters, im ersten Obergeschoß, dem „Grünen
Salon“, Karikaturen bzw. Kartoons von dem Zeichner Ronald Winter,
der sich selbst unter den Teilnehmern befand. Und schließlich ist
auch das zweite Obergeschoß der Geschichte des Theaters ab 1917 samt
der 100-Jehr-Feier der Stadt Nordhausen gewidmet, auch mit Requisiten
des Theaters wie Kostümen als Leihgaben des Theaters.
Nach
dieser gerafften und doch anschaulichen Einführung leitete Hinsching
über zum Intendanten Daniel Klajner („Ich schaue schon die ganze
Zeit den Intendanten an...“) nicht
ohne noch zu betonen, dass man heute nicht
wie sonst bei Vernissagen
zwischen Musik und Vorträge wechselt, sondern eben auch theatralisch
gestaltet.
Und
Daniel Klajner bot zunächst eine Hommage an die „Flohburg“ und
„Die alte Dame“ dem Theatergebäude, das auch er – wie Barbara
Rinke schon im Festakt Tage zuvor bemerkte – für das schönste
Gebäude in Nordhausen hält. Das aber erst durch ein entsprechend
anspruchsvolles Innenleben seiner Aufgabe gerecht wird. Wie ja
grundsätzlich hoch angesiedelte Theaterkunst nicht nur immer große
Kunst bietet, sondern auch – wenn es notwendig wird – mit
Provokation agiert, die auch schon mal zur Revolution führte, wie
die Geschichte lehrt.
Hier
aber feiert man nun hundert Jahre Theater in Nordhausen, – führt
Klajner in seiner inzwischen gut bekannten Art aus „die Sie ja
besser kennen dürften als ich selbst, da Sie ja zum großen Teil
langjährige Theatergänger sind“. Der Intendant zeigte sich
angesichts der von der Chefdramaturgin Anja Eisner redigierten und
mit Titel versehenen Festschrift, den bildlichen und redaktionellen
Fundus, den Vorarbeiten zu dieser Ausstellung und dem Leben, den
Freuden, aber auch Leiden in und um dieses Haus und seiner Bühne
tief beeindruckt (wörtlich) „Und ich meine, dass das, was wir, das
Nordhäuser Publikum und wir alle so schätzen an diesem Haus: dass
es einfach ein Teil des Lebens ist, eine Spiegelung dessen, was die
Leute bewegt, was sie gern sehen wollen, was sie zum Teil nicht gern
sehen und sich antun müssen, um mal ein bißchen Widerstand zu
erleben, es ist einfach ein Spiegel der Gesellschaft dieses Theater.
Und das, finde ich, macht ein Bürgertheater überhaupt erst zu
einen Bürgertheater. Nicht nur, dass es von Bürgern erbaut wurde,
sondern dass es quasi mitten in der Gesellschaft seine Geschichte
erlebt“.
Klajner
schilderte sein Zusammentreffen mit Susanne Hinsching tief unten in
den Katakomben des Theaters bei der Auswahl dessen, was Inhalt der
beabsichtigten Ausstellung in der Flohburg werden soll. Und er zeigte
sich überwältigt von der Fülle des Archivmaterials, aus dem die
Kunsthistorikerin ihre Auswahl traf. Mit dem Bemerken, dass
irgendwann in der Zukunft eine systematische Sichtung erfolgen solle.
Um schließlich der Ausstellung die Resonanz zu wünschen, die sie
verdient.
Was
dann folgte, war leichte Unterhaltung: Brigitte Roth (Sopran) und
Manos Kia (Bariton)
sangen im Duett Melodien aus „Der Blaue Engel“
(„Ich bin von Kopf bis Fuß, auf Liebe eingestellt“) u.a. bekannt
ausdrucksstark und gefühlsbetont. Viel und lang anhaltender Beifall
der Zuhörer lohnten ihre Vorträge. Danach konnte Susanne Hinsching
den Vernissage-Teilnehmern nur noch die Ausstellung zur
Augenscheinnahme anempfehlen, die dieser Empfehlung zumindest an
diesen Abend auch in großer Zahl folgten.
Ich
gehörte schon der großen Zahl der betrachtenden Gäste wegen meiner
körperlichen Einschränkungen halber nicht dazu und blieb zunächst
auf meinen Platz sitzen. Das fiel schon deshalb leicht, als auf der
stirnseitigen Leinwand Filmausschnitte aus Operetten gezeigt wurden.
Schließlich trat ich den Heimweg an mit dem Vorsatz, die Ausstellung
am
Folgetag, also heute, zu besuchen, um mich in Ruhe umzusehen.
Uns das
tat ich dann auch. Und war erstaunt, nach dem gestrigen Andrang
diesmal keinen weiteren Besucher anzutreffen, das Interesse schien
erschöpft, obwohl die Ausstellung offiziell doch erst ab heute
beginnt. Ich hatte jedenfalls genügend Gelegenheit, mich mit allem,
was da ausgestellt ist, bekannt zu machen. Und wurde zunehmend
beeindruckt.. Und darüber werde ich – aus meiner Sicht - noch
berichten.