Donnerstag, 24. September 2020

 Fünf Jahre SDG

Ohne Klimagerechtigkeit und Fairen Handel geht es nicht voran

 Berlin/Köln/Mainz, 24.09.2020 – Zum Abschluss der Fairen Woche am 25. September ziehen die Veranstalter ein positives Fazit. Für den gleichen Tag haben zahlreiche Organisationen zum globalen Klimastreik aufgerufen. Kein Zufall, denn schließlich jährt sich die Verabschiedung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die sogenannten Sustainable Development Goals (SDG), an diesem Tag zum fünften Mal. Sowohl Klimaschutz als auch der Faire Handel spielen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung der SDG. Schon heute ist der Klimawandel die größte Bedrohung für Produzent*innen im Globalen Süden. Wetterextreme verringern die Ernteerträge und die Weltmarktpreise decken oft nicht einmal die Produktionskosten. Daher fordern das Forum Fairer Handel, TransFair (Fairtrade Deutschland) und der Weltladen-Dachverband alle Unterzeichnerstaaten der Agenda 2030 – insbesondere Deutschland – zu größeren Anstrengungen auf. Andernfalls droht die internationale Gemeinschaft ihre Nachhaltigkeitsziele zu verfehlen. 

 Gemeinsam mit dem Pariser Klimaabkommen bieten die 2015 verabschiedeten UN-Nachhaltigkeitsziele eine einmalige Chance, die Weltwirtschaft neu zu gestalten und nachhaltige Lebens- sowie Wirtschaftsweisen zu etablieren. Die aktuelle Klimakrise, genauso wie die steigende Zahl der Hungernden weltweit, zeigt allerdings, dass ambitionierte Ziele allein nicht ausreichen: „Um die SDG bis 2030 umzusetzen, müssen wir unsere Art zu leben und zu wirtschaften grundlegend verändern“, sagt Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel. „Wir müssen die Erkenntnisse, die wir aus der Klimakrise und der aktuellen Pandemie gewonnen haben, rasch umsetzen. Dazu sind gesetzliche Rahmenbedingungen erforderlich, die das Wohl von Menschen und Umwelt vor wirtschaftlichen Profit setzen, und nicht umgekehrt“, so Fütterer. Dafür bietet der Faire Handel viele konkrete und vor allem bewährte Instrumente.

 Fairer Handel und die SDG

Frauen stärken, die Umwelt bewahren, angemessene Löhne und Einkommen schaffen: All das sind Schwerpunkte des Fairen Handels, die sich auch in den UN-Nachhaltigkeitszielen widerspiegeln. Vor allem bei der Umsetzung von SDG 12 „Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion“ spielt der Faire Handel eine wichtige Rolle. Aber auch der Schutz des Klimas, SDG 13, ist ohne Handelsgerechtigkeit nicht denkbar. „Die Klimakrise wird auf dem Rücken derjenigen ausgetragen, die am wenigsten dafür können“, sagt Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender von TransFair (Fairtrade Deutschland). „Wetterextreme bedrohen schon heute die Ernte und damit die Existenz vieler Produzentinnen und Produzenten. Niedrige Weltmarktpreise verschärfen die Situation im Globalen Süden zusätzlich, und als wäre das nicht genug, kämpfen die Menschen mit den Folgen einer Pandemie. Diese Herausforderungen sind eine Handlungsaufforderung für uns alle“, so Overath. Ohne rigorose Anpassungsmaßnahmen könnte die Klimakrise bis 2030 voraussichtlich mehr als 100 Millionen Menschen im Globalen Süden unter die Armutsgrenze drängen.

 Nachhaltigkeit braucht gesetzlichen Rahmen

Dass ein nachhaltiges Wirtschaftssystem ohne Ausbeutung möglich ist, zeigt der Faire Handel – und das seit 50 Jahren. „Aktuell haben Fair-Handels-Unternehmen, die Menschen und Umwelt vor den Profit stellen, am Markt allerdings das Nachsehen“, erklärt Christoph Albuschkat, Pressereferent beim Weltladen-Dachverband. „Sie konkurrieren mit Billigpreisen konventioneller Hersteller, die die sozialen und ökologischen Kosten an den Anfang der Lieferkette weiterreichen – an diejenigen, die ohnehin kaum etwas verdienen“, so Albuschkat. Um diese Ungerechtigkeit zu beenden, braucht es politische Maßnahmen in Form eines starken Lieferkettengesetzes. Ein solches würde gleiche Bedingungen für alle Unternehmen schaffen und dafür sorgen, dass Konsum künftig weder auf Kosten von Produzent*innen noch auf Kosten engagierter Unternehmen geht. Auch strenge Umweltstandards könnten mithilfe eines solchen Gesetzes eingefordert werden.

Eine weitere Maßnahme, um den Fairen Handel und damit verbunden die Umsetzung der SDG voranzutreiben, wären steuerliche Anreize für nachhaltige und faire Produkte – beispielsweise die Abschaffung der Kaffeesteuer für fair gehandelten Kaffee. Aktuell zahlen Verbraucher*innen 2,19 Euro pro Kilogramm Röstkaffee zusätzlich zur Mehrwertsteuer. Eine Steuerbefreiung würde preisliche Anreize für nachhaltigen Konsum (SDG 12) schaffen.

Knapp 1.600 Veranstaltungen von Weltläden, Supermärkten, Fairtrade Schools und vielen weiteren Akteuren haben in den vergangenen 14 Tagen im Rahmen der Fairen Woche gezeigt, wie der Faire Handel zu nachhaltigen Produktions- und Konsummustern beiträgt. Das Motto „Fair statt mehr“ hat dabei deutlich gemacht, dass Menschenwürde und Nachhaltigkeit nicht zum Schnäppchenpreis zu haben sind. Im kommenden Jahr stehen mit SDG 8 menschenwürdige Arbeitsbedingungen im Fokus der größten Aktionswoche des Fairen Handels. Die Faire Woche 2021 findet vom 10. bis 24. September statt.

 Service

Der fünfte Jahrestag der SDG markiert auch das zweite Jubiläum der Internationalen Charta des Fairen Handels“. Sie definiert die Vision des Fairen Handels für eine gerechtere Welt und erklärt, wie die globale Fair-Handels-Bewegung zur Umsetzung der SDG beiträgt.

Auch mit Blick auf den globalen Klimastreik am 25. September veröffentlichen das Fair Trade Advocacy Office in Brüssel und weitere zivilgesellschaftliche Netzwerke weltweit unter der Überschrift „Build Back Fairer“ eine Stellungnahme, wie ein nachhaltiger Wiederaufbau nach der Corona-Krise politisch gestaltet werden muss. Sie können diese Stellungnahme, welche von den Veranstaltern der Fairen Woche mitgetragen wird, am 25. September unter www.forum-fairer-handel.de/presse abrufen.

In der SDG-Dokumentation „Make The World a Better Place“ erzählen Menschen am Anfang der Lieferketten, was für eine Welt sie sich für die Zukunft wünschen und wie der Faire Handel sie dabei unterstützen kann.

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