Montag, 4. November 2013

Nordhausen: als Landkreis wanderbar, als Stadt besuchenswert

In der Samstagausgabe der „Nordhäuser Allgemeine“ findet sich ein ganzseitiger Bericht über den Karstwanderweg, der – bei einer Gesamtlänge von annähernd 250km – mit 53 Kilometern durch den Landkreis Nordhausen führt. Von dem die Autorin meint, er führe ein Schattendasein. In der durchaus interessanten Abhandlung wird einerseits daran erinnert, dass der Weg vom Deutschen Wanderverband als
„Qualitätswanderweg“ zertifiziert wurde, sich die Wanderwege andererseits aber - unter Berufung auf André Richter vom Südharzer Tourismusverband – zeitweise in zerfahrenen Zustand befinden, weil sie nicht für Wanderer, sondern für die Waldbewirtschaftung angelegt sind. Wie ein solcher Weg dann als „Qualitätswanderweg“ ausgewiesen werden kann, ist eigentlich nicht recht verständlich. Und wohl auch in einer solchen Darstellung keine wirkliche Empfehlung für Touristen und Wanderfreunde.

Das aber ist für diesen Eintrag eigentlich nur insoweit von Bedeutung, als sich dieser Karstwanderweg offensichtlich als der bedeutendste, jedenfalls aber als der bekannteste seiner Art durch den Landkreis zieht. Das scheint mir deshalb erwähnenswert, weil es ja nicht der einzige Weitwanderweg durch den Landkreis ist. Wird in dem Bericht in dem Zusammenhang der Hexenstieg im benachbarten niedersächsischen Landkreis zwischen Osterode und Thale erwähnt, findet der Kaiserweg und der Via Romea – ebenfalls Weitwanderwege - die beide ebenso durch den Landkreis Nordhausen führen, überhaupt keine Erwähnung. Obwohl sie in der historischen und geschichtlichen Einschätzung – etwa durch Interessenverbände – nicht weniger
bedeutend sind als der Karstwanderweg. Erinnert sei nur an die große Wanderung auf der Via Romea am 22. Juni,. Für die überall mehr geworben wurde als im hiesigen Landkreis. Und deren Wegstrecke von Rüdigsdorf ins Gumpetal als untypisch zu den schlechtesten Abschnitten der gesamten Route gehörte. Inzwischen entspricht die dortige Wegmarkierung dem damaligen Zustand des Weges (Bild).

Wenn also schon der „Qualitätswanderweg“ zeitweise durch die Waldbewirtschaftung (und wohl auch durch landwirtschaftliche Benutzung) in Mitleidenschaft gezogen wird, um wieviel mehr und länger dann wohl die übrigen, benachbarten oder zuführenden Wege zum Karstwanderweg? Etwa von Nordhausen durch die Windlücke ins Roßmannsbachtal. Oder eben aus der Gumpe über Rüdigsdorf zu diesem zertifizierten Wanderweg.

Würde in dieser Abhandlung nicht der Hexenstieg als Weitwanderweg erwähnt sein, könnte man André Richter zustimmen, der meint, im Kyffhäuser sei es leichter (als am Karstwanderweg) weil das Gebirge kompakt sei und ein Rundwanderweg bei seiner Nutzung zum Ausgangspunkt zurückführt. Wo liegt dann also das Kriterium? Ich kenne zwar hauptsächlich die Wanderwege (und Abschnitte) im Landkreis Nordhausen recht gut, den Hexenstieg allerdings nur um Hasselfelde und die Hasselvorsperre, wo er mit Kaiserweg und Via Romea vereint verläuft, Mit einer ausgezeichneten Beschilderung und Wegführung.

Und weil dieser Karstwanderweg in diesem NA-Bericht so ausführlich behandelt wird, erlaube ich mir demgegenüber eine erläuternde Bemerkung zum Kaiserweg, der ja – je nach Sichtweise - aus Richtung Neustadt durch den Landkreis Nordhausen und weiter über Ellrich in Richtung Walkenried führt. Oder umgekehrt. Über dessen historische Bedeutung zum Beispiel Klaus Großmann von der Nordhäuser Stadtführergilde viel zu erzählen weiß. Unabhängig von der geschichtlichen Bedeutung dieses Weges, wird er von Quedlinburg aus (Regionalverband Harz) außerordentlich gut beworben und beschrieben. Mit einem Besuchsabstecher in die Rolandstadt. Was dabei als sehens- und besuchenswert aufgeführt wird, ist überraschend umfangreich und beachtlich.

Nun ergab ja jüngst eine Umfrage in der Internetzeitung, dass eine Mehrheit von fast 55 Prozent der teilgenommenen Leser Nordhausen als Reiseziel nicht empfehlenswert findet. Man muss ein solches Ergebnis nicht unbedingt ernst nehmen, und eine Anfrage bei der Stadtführergilde dazu brachte die Antwort, dass diese Mehrheit kaum je an einer Stadt- oder Themenführung teilnahm, um Nordhausen auch wirklich in allen ihren Eigen- und Besonderheiten kennen zu lernen. Und Tatsache ist, so Schatzmeisterin Dorothee Schwarz, dass viele Besuchergruppen nach einer Führung ihre Überraschung über die urbane und kulturelle Vielfalt dieser Stadt ausdrücken, die sie nicht erwartet hatten. Selbst Einheimische sind oftmals nach Teilnahme an einer solchen Führung zu dem Bemerken angeregt, dass es in dieser Stadt Beachtenswertes gibt, an dem sie bislang achtlos vorüber gingen. Und wie in diesem Zusammenhang zu hören war, machten die MitarbeiterInnen von Edeka-Nord erst in der
vergangenen Woche dem Unternehmer-Ehepaar Schäfer, ihren Chefs also, anlässlich ihres 20jährigen Geschäftsjubiläums eine Stadtführung per Tram zum Geschenk, die dann gemeinsam stattfand. Und sehr aufschlussreich und zur Freude aller Beteiligten verlief. Ein schönes und vor allem sinnvolles Geschenk, wie ich meine. Das bestens geeignet ist, die Verbindung zu „ihrer“ Stadt Nordhausen noch intensiver zu gestalten. Wer auf diese Art seine Stadt kennenlernt, wird sie sicher auch weiterempfehlen können. Ich bin jedenfalls der Meinung, dass der Landkreis eine wunderschöne wanderbare Umgebung zu bieten hat. Und eine interessante Stadt Nordhausen. Deren Besuch ich immer empfehlen kann, nachdem auch ich sie vor allem durch Stadtführungen näher kennen lernte.

Und eine letzte Bemerkung zum Karstwanderweg, mit dem ich diesen Eintrag begann: In der Abhandlung wird u.a. ausgeführt, dass die Unterhaltung des Weges allein dem Förderverein mit gerade mal zwei Dutzend Mitgliedern überlassen ist. Und dafür jährlich1200 Euro Mitgliedsbeiträge und 1000 Euro aus dem Kreishaushalt zur Verfügung stünden, was nicht viel sei. Das ist sicher richtig. Richtig ist aber auch - um einen Vergleich zu bieten - dass vor Jahren auch der Förderverein Park Hohenrode quasi mit Nichts begann und sich einer immensen Aufgabe gegenüber sah. Was dort inzwischen durch Mitgliederwerbung erreicht wurde und unter dem Vorsitz und der Regie von Gisela Hartmann geschaffen wurde, verdient höchste Beachtung und Anerkennung. Und zeigt, was persönliches, und noch dazu ehrenamtliches Engagement bewirken kann.


Sonntag, 3. November 2013

Spenden für Park Hohenrode aus Nordhorn

Der letzte Obergärtner auf Hohenrode hieß Ernst Hopfer, Er war zunächst von 1927 bis 1930 als Gärtner und von 1934 bis 1937 als Obergärtner im Hause des Tabakfabrikanten Fritz Kneiff tätig. Ernst Hopfer war der Vater der Nordhäuserin Annerose Ahlert. Sie ist seit Jahren, aktives Mitglied im Förderverein Park Hohenrode. Das Gärtnerhaus, ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude, stand nordöstlich im Park. Heute erinnern nur noch wenige Treppenstufen an vergangene Zeiten.
Hans Hopfer, Sohn des Obergärtners Ernst Hopfer, verlebte eine glückliche Kindheit auf Hohenrode und eroberte sich „seinen Park“ damals täglich neu.
Vor 2 Jahren besuchte er anlässlich des 70. Geburtstags seiner Schwester Annerose Ahlert den Park zum letzten Mal. Vor einem Jahr starb Hans Hopfer 85jährig in Nordhorn.
Zum 1. Todestag spendeten jetzt sieben seiner Nordhorner Freunde im Gedenken an ihren Freund, der ihnen so oft vom Park Hohenrode erzählt hatte, 1600 € für den Wiederaufbau von Hohenrode, Schwester Annerose Ahlert spendete ebenfalls in Erinnerung an ihren Bruder.
Die Summe von insgesamt 1 700 € unterstützt die ehrenamtliche Arbeit der Vereinsmitglieder bei der Einrichtung der Gästewohnung im Kutscherhaus. Speziell wird das Geld für die Ausrüstung des Bades verwendet. Es fehlen dann nur noch die Küche und die Komplettierung der Heizung.
Die Freude und Dankbarkeit über diese überraschende Hilfe bei den Vereinsmitgliedern sind groß .Die Nordhorner Förderer des Parks Hoherode erwarben mit ihrer Spende jeder eine Parkaktie und werden vielleicht Urlaubstage im Nordhäuser Park Hohenrode verbringen.

Gisela Hartmann, Vors.

Nordhausen, d. 02.11.13

Samstag, 2. November 2013

Zur „Ökumene-Tür“ in der Stiftskirche zu Mosbach

Am vergangenen Sonntag (20.10.) hatte ich einen längeren Eintrag zum Tagesgeschehen und meiner (An-)Teilnahme gemacht. Und dabei einen Fernseh-Gottesdienst erwähnt, der in Mosbach am Neckar gehalten wurde, aus der dortigen Stiftskirche. Ich hatte bedauerte, den Gottesdienst am Bildschirm nicht zumindest über die Predigt hinaus verfolgen zu können, weil ich ja zum Hochamt in den Nordhäuser Dom wollte. Der Grund meines Bedauerns beruhte auf dem Umstand, dass diese Mosbacher Stiftskirche in der der Gottesdienst stattfand, eine Besonderheit aufweist: das Gotteshaus ist durch eine Mauer im Innenraum zweigeteilt. Während in einem der Räume katholischer Gottesdienst stattfindet, ist der andere Raum dem evangelischen Glauben und deren Gottesdiensten vorbehalten. Diese Teilung, die über Jahrzehnte – oder noch länger - konsequent beachtet und „gelebt“ wurde, fand 2008 einen buchstäblichen Durchbruch: die Mauer wurde im Zuge ökumenischer Annäherung durchbrochen und eine Tür eingebaut.

Soweit die Einleitung, die ich noch hören und sehen konnte. Der evangelische Pfarrer Dirk Keller, der zu jener Zeit amtierte (ordinierte) und ursächlich mit diesem Mauerdurchbruch zu tun hatte, würde die Predigt halten und dabei erklären, wie es dazu kam. Und nachdem ich also diese Predigt nicht mehr hören konnte, wandte ich mich per Mail an die Evang. Stiftsgemeinde Mosbach mit der Bitte um ein Manuskript dieser Predigt.

Nachdem es zunächst keine Reaktion gab und meine Hoffnung bereits schwand, erhielt ich gestern tatsächlich das Manuskript und bedanke mich ganz herzlich bei den Mitarbeitenden im Pfarrbüro Mosbach. Und muss feststellen, dass mich diese Predigt inhaltlich etwas an meinen eigenen Kontakt zur Ökumene erinnert, den ich ja erst hier in Nordhausen erhielt und aufzunehmen vermochte. Und seitdem pflege, soweit ich das vermag.

Nun aber ohne weitere Einleitung die Predigt von Pfarrer Dirk Keller, die ich für außerordentlich aufschlussreich halte:

Liebe Schwestern und Brüder,

wie viele hatten vor uns darauf gewartet, dass der evangelische Mann mit seiner katholischen Ehefrau zusammen Gottesdienst feiern kann. Dass man dazugehört, auch wenn man ein bisschen anders glaubt.

Und so stehe ich im Jahre 2008 vor dieser Mauer. Die Ökumene geht tatsächlich auf.

Pfarrer Bader und ich liegen uns in den Armen und für einen Moment ist es so, als ob die letzten 300 Jahre nichts gewesen wär. Ich habe „ökumenische Gänsehaut“.

Die Ökumene ist jetzt in Stein gehauen!

Wenn meine Großmutter jetzt herschauen könnte... sie wäre entsetzt. Vor mir als Enkel hat sie wenig gefordert, außer dass ich nicht mit einer katholischen Frau nach Hause komme.

Maria, Weihrauch, Fronleichnam, Rosenkranz.....alles nichts für meine Großmutter. „Das ist doch katholisch“ war keine Feststellung, sondern ein Urteil: Abgelehnt, passt nicht zu uns.

An meiner Großmutter wird deutlich, wie sich das Verhältnis unserer Kirchen in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Wie viele innere Türen so ganz allmählich aufgegangen sind. Was uns heute selbstverständlich ist, haben katholische und evangelische Christen in vielen Begegnungen miteinander – manchmal gegen starke Widerstände in ihrer Gemeinde – erkämpft und mit langem Atem eingeübt. Allein im Rückblick auf meine eigene Erfahrungen staune ich immer wieder, was sich in der Ökumene alles getan hat.

Zum ersten Mal in einer katholischen Kirche war ich mit meiner Frau. Zunächst war mir vieles fremd. Sitzen-Stehen-Knien … ein merkwürdiger Rhythmus im Gottesdienst. Knien ging gar nicht für mich. Da sträubte sich alles in mir. So protestantisch wie in diesem Moment hatte ich mich noch nie gefühlt. Aber dann bin ich immer neugieriger geworden und wollte verstehen, was mir so fremd war.

Einiges ist mir und vielen evangelischen Christen mittlerweile lieb geworden. Die Osterkerze erinnert an das erste Licht am Ostermorgen. „Christ unser Licht“ singen auch wir heute selbstverständlich in unseren evangelischen Osternachtfeiern. Und wie viele evangelische Familien freuen sich über Taufkerzen, -mittlerweile ein liebgewordenes Zeichen unseres gemeinsamen Glaubens: Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe … so wie es schon im Epheserbrief heißt.

„Ihr tut gerade so, als ob ihr nur von uns etwas gelernt hättet“, konnte ein katholischer Kollege einmal zu mir sagen, „dabei sind auch wir froh, dass es euch gibt. Von euch kann man lernen, frei zu beten, sich mit Gottes Wort intensiv persönlich zu befassen und sich der Musik von Bach hinzugeben“.

Liebe Schwestern und Brüder, dieser Schulterschluss tut nicht nur uns gut, auch der Welt da draußen.

Ich meine: Sie braucht uns mehr denn je, obwohl das Verhalten von Geistlichen in den letzten Jahren immer wieder viele empört hat. Entweder weil sie selbst verletzt wurden oder weil wir mit unserer Botschaft ungläubig geworden sind.

Auch mich erschüttert es, wenn unser Glaube so in Verruf gebracht wird von unseren eigenen Leuten. Doch bei aller berechtigten Empörung finde ich es wichtig, zu unterscheiden! Denn diejenigen, die unseren Glauben in Verruf gebracht haben, sind nicht alleine Kirche, auch wenn sie besondere Verantwortung haben. Christen, Gottes Volk-Das sind wir alle! Und wir versuchen, jeden Tag glaubwürdig zu leben und zu verkündigen, dass Jesus Christus der Herr der Welt ist.

So haben wir uns etwa hier in unserer Stadt dafür eingesetzt, dass auch die Leute, die in ihrem Leben gescheitert sind, würdig beerdigt werden. . . Wie trostlos ihr Leben auch immer gewesen sein mag, auch sie sind Kinder Gottes und werden Gottes Herrlichkeit am Ende sehen!

Ich gestehe: Dies und manches andere in der ökumenischen Zusammenarbeit geht mir auch heute noch unter die Haut. Aber manchmal sträuben sich mir auch die Nackenhaare. Denn mit der Ökumene ist es ein bisschen wie in einer Liebesbeziehung: je mehr man sich aufeinander einlässt, umso empfindsamer wird man, wenn schwierige Zeiten kommen.

So geht’s mir jedes Mal, wenn ich als Gast im katholischen Gottesdienst predige. Eigentlich ist es immer ein ganz besonderes Erlebnis. Wir beten miteinander und legen uns gegenseitig die Bibel aus. So viel Einklang und blindes Verstehen.

Aber dann kommt immer wieder der Bruch. Ein wenig verloren sitzen wir evangelischen Pfarrer hinter dem Altar in der katholischen Kirche und müssen zuschauen, wie die katholische Gemeinde das Abendmahl ohne uns feiert. Obwohl wir gemeinsam daran glauben, dass unser gemeinsamer Herr jetzt mitten unter uns ist, Sünden vergibt und die Gemeinschaft der Schwestern und Brüder im Glauben an ihn stärkt. Das tut weh!

Da muss ich ganz, ganz viel Toleranz aufbringen. Dulden und ertragen, was ich bei aller Liebe nicht verstehe. Aus vielen offenen Gesprächen mit katholischen Priestern und Gemeindegliedern weiß ich, dass sie unter dieser Trennung genauso leiden wie wir.

Mit jedem neuen Papst hoffen sie, dass er diese unsichtbare Mauer um den katholischen Altar niederreißt. Wie gut, dass wir immer wieder miteinander darum beten können, was Christus seinen Jüngern schon versprochen hat. Als er von ihnen Abschied nimmt, verspricht er, dass einmal „alle eins sein werden“.

Wenn mir die Ökumene weh tut, gibt mir dieser Satz Kraft und Geduld, weil er verspricht, dass unsere Einheit aus der „himmlischen Welt“ kommen wird. Irgendwann einmal werden wir alle gemeinsam am Tich des Herrn stehen und keiner wird zuschauen müssen. Wenn's wir nicht erleben, dann unsere Kinder oder Enkel oder Urenkel.

Dabei träumen wir in unseren Gemeinden nicht von einer Einheitskirche. Die Vielfalt soll bleiben: Die farbenfrohen Gewänder der Priester, die Ministranten am Altar und die evangelischen Pfarrfamilien und die biblischen Losungen für jeden Tag. Diese Vielfalt unserer Traditionen und unsere Gemeinsame Mitte ist hier in Mosbach auf einen Blick zu sehen. Und so sind alle berührt, die als Touristen durch die Mosbacher Ökumenetür gehen. „Das ist ein starkes Zeichen“, können sie sagen, „das macht uns Mut, auch daheim weiterzumachen und nicht locker zu lassen!“


„Das Gemeinsame ist stärker als alles, was uns trennt“ - vielleicht gilt diese Erfahrung ja generell. Auch zwischen Mann und Frau, Jung und Alt, Arm und Reich. Denn Jesus Christus ist der Ursprung unseres gemeinsamen Glaubens. Und er ist das eine Ziel, auf das wir zugehen. Darum lohnt es sich, mit viel Geduld verschlossene Wände aufzubrechen, miteinander zu beten und zu entdecken, wozu Christus uns berufen hat: Unsere Einigkeit im Geist. Amen.
Bild: Blick durch die Ökumene-Tür
Foto: Kirchengemeinde Mosbach

Noch'n Interview

Unter dem 28.10. erschien in der „Nordhäuser Allgemeine“ u.a. ein Interview des verantwortlichen Redakteurs Thomas Müller mit der zuvor neu gewählten Vorsitzenden des Nordhäuser SPD-Ortsverbandes, Barbara Rinke. Das ich interessant fand.

Prompt erscheint nun mit dem 01. Nov, ein Interview mit Barbara Rinke in der Internetzeitung. In diesem Fall war es der Herausgeber der Internetzeitung, der Interviewer war. Über die Qualität dieses Gespräches habe ich zwar eine Meinung, nur genügt es meines Erachtens, dass sich dort danach eine ganze Anzahl an anonymen Kommentatoren in üblicher Weise zu Wort meldeten. Immerhin aber hätte ich es für seriös gefunden, wenn man erst interviewt hätte, bevor man glaubte, mit einer ganzen Anzahl von Berichten und Kommentaren zu dieser Wahl reagieren zu müssen. (War da wieder einmal konkurrierende Eile geboten?)

Während nach dem Interview in der NA lediglich ein kommentierender Leser auszumachen war. Meine Überlegung bezieht sich nun auf die Fragen, ob das NA-Interview weniger „spannend“ war als das in der Internetzeitung, oder ob die Leser der NA weniger aktiv Anteil nehmen, oder ob sie noch gar nicht begriffen haben, dass man jetzt auch in der „Nordhäuser Allgemeine“ anonym kommentieren kann?


Neu scheint diese dortige anonyme Kommentarfunktion ja zu sein. Und da wiederum überlege ich, ob das der modernen Kommunikation in den Medien geschuldet ist, oder aber etwas mit Wettbewerb oder Konkurrenz zu tun hat? Etwa analog der inzwischen üblichen Eile, mit der nach einer Veranstaltung oder einem sonst geeigneten Vorgang Berichte in der Internetzeitung gegenüber der Internetausgabe der „Nordhäuser Allgemeine“ erscheinen? Wenn dem so sein sollte, wird die weitere Zukunft zeigen, was das neben der Schnelligkeit an seriöser Berichterstattung und engagierter Kommentierung bringt.

Wandereindrücke zum Reformationstag

In meinem Eintrag vom 29. Okt. hatte ich meine Wanderung durch die nähere Nordhäuser Umgebung festgehalten, in dessen letzten Abschnitt ich einer Wandergruppe um Wolfgang Dornemann begegnete. An sie erinnerte mich schon tags darauf das schöne Wetter mit einem sehenswerten Sonnenaufgang. Und mir fiel ein, dass ich ja ein Bild besitze, das Wolfgang Dornemann von einem solchen Sonnenaufgang machte, und das mich immer wieder beeindruckt.

Ein guter Tagesbeginn, wie ich meine. Der mich auch an diesem Feiertag anregte, die Wanderschuhe zu schnüren und mich auf den Weg zu machen, um auf bekannten Wegen die Gegend zu durchstreifen. Nach wie vor ist zwar der Weg seitlich des Schullanheimes Harzrigi durch die Holzarbeiten gesperrt und denkbar schlecht, aber mit einiger Mühe geht es schon seitlich vorbei, hinauf zum Höhenweg von Harzrigi in Richtung Antiquareiche, die zunächst einmal noch ziemlich weit entfernt scheint.

Eine kleine Überraschung erlebte ich dann am Abgang nach Rüdigsdorf, denn da mühte sich ein Geländewagen mit Anhänger den Weg herauf, um vor einem umgestürzten Baum, der den Weg versperrte, zu stoppen. Allerdings wurden da zwei Männer aktiv, um mit Motorsäge und Muskelkraft das Hindernis wegzuräumen. Im Auftrag des Verwalters dieses Waldstückes, wie man mir erklärte. Ich fand diese Beräumungsarbeiten sehr beachtlich, denn an mehreren anderen Stellen des Weges in der Nordhäuser Gemarkung liegen nach wie vor die durch den Sturm Tage zuvor entwurzelten Bäume. Und lediglich ein paar Äste sind beseitigt, um einen notdürftigen Durchgang zu ermöglichen. Aber schon darüber freue ich mich nach allen bisherigen Erfahrungen.


Ich setzte also meinen Weg fort, sammelte dabei noch Birnen, die der Sturm von den Bäumen geschüttelt hatte und sah danach noch einem Landwirt zu, der mit seinem Traktor und einer großen Nutz- oder Sähmaschine übers Feld fuhr. Danach trat ich den Heimweg an und beendete damit meine Feiertagswanderung. Wobei ich ja mal bemerken muss, dass ich diese Wanderungen zwar aus „Lust an der Freud“ mache, die aber auch eine (mühsame) Notwendigkeit sind. Und ich zwei Stöcke brauche, um sicher auf den Beinen zu sein. Man wird eben älter (siehe den Eintrag zum Altern) und bleibt wohl nur in dem Maße beweglich, in dem man damit nicht nachlässt.

Das Land Thüringen unterstützt drei Feuerwehrinvestitionen in Nordhausen

Für drei Feuerwehrmaßnahmen der Stadt Nordhausen liegen jetzt die Fördermittelbescheide des Landes Thüringen vor, dies teilte der Nordhäuser Bürgermeister Matthias Jendricke heute der Presse mit. Im Ortsteil Sundhausen kann nun mit dem jetzt vorliegenden Bescheid der notwendige Um- und Ausbau des Gerätehauses realisiert werden. Der Anbau einer Fahrzeughalle mit zwei neuen Stellplätzen und die Modernisierung der Umkleide- und Sozialräume wird rund 250.000 Euro kosten. Davon tragen das Land Thüringen und der Landkreis Nordhausen jeweils 64.000 Euro, die andere Hälfte bezahlt die Stadt als Eigenanteil dazu. Die Freiwillige Feuerwehr Sundhausen ist Bestandteil der Stützpunktfeuerwehr Ost und  ist zudem auch für weite Teile der Autobahn 38 mit zuständig. Gleichzeitig ist ein Fahrzeug der Sundhäuser Feuerwehr im Katastrophenschutzzug 1 des Landkreises Nordhausen integriert.

Für ein neues Rettungsboot bewilligte das Land Thüringen zudem der Berufsfeuerwehr Nordhausen 14.000 Euro Fördermittel. „Die Erfahrungen des Landes und unserer Kameraden vor Ort im diesjährigen Hochwassereinsatz im Landkreis Greiz zeigten, dass wir in Abstimmung mit dem Land Thüringen unsere Wasserrettungskomponenten auch für die Evakuierung  in großen Flussgebieten für externe Einsätze ausstatten sollen“, erklärte der Bürgermeister. Das neue Rettungsboot wird noch dieses Jahr beschafft und einsatzfähig sein.


Weitere Fördermittel in Höhe von 12.500 Euro werden vom Land für einen neuen Mannschaftstransportwagen (MTW) für den Bereich Hörningen / Herreden bereit gestellt. Dieser Orteilbereich der Stadt Nordhausen soll grundsätzlich bei Brandschutz/Technische Hilfeleistung zusammenarbeiten. Das Fahrzeug dient zum Transport von Einsatzkräften an die Einsatzstelle. Außerdem kann dieses Fahrzeug für Ausbildungs- und Schulungsmaßnahmen der Jugendfeuerwehr genutzt werden. Aufgrund der Förderung wird der neue Mannschaftstransportwagen noch im November beschafft, erklärte Matthias Jendricke.

Freitag, 1. November 2013

Männergesundheit 2013

Das Nordhäuser Südharzklinikum hatte sich an der 5. Nacht der Wissenschaften mit einer ganzen Anzahl Fachvorträgen beteiligt und sogar mit einem eigenen Programmblatt auf diese Vorträge aufmerksam gemacht. Das schon Tage zuvor am Tresen des Informationsstandes in der Empfangshalle des Klinikums auflag. Dort wurden dann auch am Mittwoch die Interessenten an den Vorträgen erwartet und in die jeweils vorgesehenen Vortragsräume geleitet.
Dass mein Interesse zunächst wenigstens der Männergesundheit 2013 galt mag verständlich sein, referierte der Chefart der Klinik für Urologie, Dr.med. Matthias Beintker doch zu einem Thema, das dem zunehmenden Alter des Mannes gewidmet war, nämlich seinem Testosteronhaushalt. Und im Zuge der demografischen Entwicklung wird diese Problematik zunehmend aktuell.Dass sich unter den versammelten Zuhörern auch Frauen befanden, mag sich daraus erklären, dass dieser Testosteronhaushalt auch unmittelbare Auswirkungen auf das Sexualleben hat.
Chefarzt Dr. Beintker stellte zunächst seine Klinik mit dem Hinweis vor, dass es sein persönliches Anliegen ist, dass in ihr die Philosophie vertreten wird, kompetent zu sein, Erfahrungen zu haben, Zuwendung zu bringen, und in der Technik auch immer eine Vorreiterrolle zu spielen. Seit 12 Jahren steht er der Klinik vor, stets mit dem Bestreben, eine solche Vorreiterrolle zu spielen um damit höchstmöglichen wissenschaftlichen Standard auf diesem Gebiet bieten zu können. Dass er in der praktischen (Vortrags-)Darstellung aber auch allgemeinverständlich zu vermitteln vermag, zeigte sich im folgenden Fachvortrag.
In dem er eingangs deutlich machte, dass Testosteron das wichtigste Sexualhormon im männlichen Körper ist, aber auch im weiblichen Organismus vorhanden ist, wenn auch von sehr viel geringerer Bedeutung. Im männlichen Körper ist es dafür verantwortlich, dass sich ein junger Bursch' im Laufe der Pubertät zum Mann entwickelt. Neben der tiefen, männlichen Stimme ist Testosteron auch für die männliche Behaarung (z.B. Bartwuchs) und den männlichen Körperbau verantwortlich. Testosteron ist weiter wichtig für
die Bildung der roten Blutkörperchen (Sauerstofftransport)
die psychische Ausgeglichenheit
die Gedächtnisleistung, Orientierung, Koordination und Konzentration
Lust auf Sex (Libido)
und eine Vielzahl unterschiedlicher Sexualfunktionen

Hat Mann Probleme mit seiner Erektion, kann dies seinen Grund in einer Störung des Hormonhaushaltes haben, also einem Mangel an Testosteron. Und der kann sowohl die Lebensqualität beeinträchtigen, als auch negative Auswirkungen auf die Funktion verschiedener Organe haben

Der männliche Körper produziert mit zunehmenden Alter immer weniger Testosteron, also Geschlechtshormone. Der Anteil an Testosteron nimmt also aufgrund biologischer, aber auch krankheitsbedingter Vorgänge im Blut kontinuierlich ab, sodass nach und nach ein Testosteronmangel beim Mann entstehen kann. Der Testosteronspiegel beginnt bereits ab etwa dem 40. Lebensjahr kontinuierlich - etwa um ein Prozent jährlich - zu sinken. In der Folge kann es dann zu altersbedingten Testosteronmangel kommen, der auch als Andropause bezeichnet wird.

Dr. Beintker unterstützte seinen Vortrag mit gebeamten Schaubildern und veranschaulichte damit auch optisch die körperlichen und psychischen Vorgänge und möglichen Folgen beim Mann durch diese zunehmende Mangelerscheinung. Wobei er betonte, dass solche Folgen nicht notwendigerweise eintreten („der Mensch ist keine Maschine“), man aber mit zunehmenden Alter damit rechnen muss. Und auf mögliche Veränderungen in Physik und Psyche achten sollte. Erste Anzeichen sind oftmals Abnahme der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit und/oder auch psychische Beschwerden. Unspezifische Störungen werden allerdings oft nicht als Zeichen eines Hormonmangels erkannt, sondern anderen Ursachen - etwa beruflichem und privatem Stress - zugeschrieben. Aber auch eine Abnahme der Muskelmasse und Zunahme von Fettpolstern besonders im Bauchbereich können auf einen Testosteronmangel hindeuten. Glaubt man, derartige Veränderungen festzustellen, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Die Diagnose Testosteronmangel kann der Arzt anhand der Beschwerden sowie mithilfe von einfachen Bluttests leicht stellen. Dabei ist es wichtig, dass er die einzelnen Symptome des Betroffenen ausführlich untersucht, um sie von möglichen anderen Erkrankungen abzugrenzen. „Testosterontherapie ist eine wissenschaftliche Standardtherapie, die medizinisch begründet ist und von den Krankenkassen bezahlt wird“, betonte der Klinikchef in diesem Zusammenhang.
Im Allgemeinen allerdings ist ein Testosteronmangel beim Mann eine normale Alterserscheinung und bedarf bei normalem Verlauf keiner besonderen Therapie. Es ist jedoch möglich, Testosteron zum Ausgleich des Hormondefizits einzunehmen. Es gibt Hinweise, dass sich der Ausgleich positiv auf die Beschwerden der Andropause auswirken kann. Testosteronpräparate sind hochwirksame Arzneimittel und dürfen nur bei nachgewiesenem Testosteronmangel angewendet werden. Aus der jahrelangen Erfahrung weiß man, dass die Behandlung sehr sicher ist. Notwendig ist allerdings, dass man sich dabei unbedingt an die Anweisungen des behandelnden Arztes hält und nicht eigenmächtig das Therapieschema ändert.
Der Vortrag des Klinikchefs machte deutlich, dass das altersbedingte Absinken des Testosteronspiegels zwar unausweichlich, aber kein Grund zur Besorgnis sein muss. Altern ist nun mal ein natürlicher biologischer Prozess - unabänderlicher Teil des menschlichen Lebens. Eine exakte Definition gibt es dafür nicht. Und in einer Partnerschaft ist gegenseitiges Verständnis nötig, nachdem ja auch bei der Frau nach den Wechseljahren die Lust auf Sex im allgemeinen abnimmt. Zum Problem kann es dann werden, wenn unterschiedliche Erwartungen da sind.
Dr. Beintker beantwortete nach seinem sehr anschaulichen Vortrag Fragen aus der Zuhörerschaft, die allerdings überwiegend theoretischer Natur waren. Die Problematik ist ja aber auch recht sensibel.

(Die Ausführungen des Referenten sind hier sinngemäß wiedergegeben und gründen sich teilweise auf die gebeamten Schautafeln und Tabellen, von denen hier nur einzelne als Beispiele eingestellt sind.)