Dienstag, 7. Mai 2013

Wer ist schon gegen einen HSB-Ausstieg?

Anlässlich des SPD-Kreisparteitags am 20.04. in Ottos Steakhouse wurde u.a. zu Überlegungen einer weiteren Beteiligung des Landkreises Nordhausen an den Harzer Schmalspurbahnen (HSB) diskutiert. Jutta Krauth (SPD), erste Beigeordnete des Landkreises, stellte dabei ausdrücklich fest, dass darin zunächst jedenfalls keine Absicht eines Austritts zu sehen sei, die Erörterung im Landratsamt vielmehr als Hilferuf an jene verstanden werden solle, deren finanzielle Unterstützung gebraucht würde, um die weitere Beteiligung des Landkreises an der HSB zu sichern. Also wohl ein Hilferuf an das Land Thüringen.

Obwohl man meines Wissens in den Überlegungen inzwischen keinen Schritt weiter kam, gewinne ich nach den jüngsten Zeitungsberichten den Eindruck, als bestünde seitens des Landkreises inzwischen die feste Absicht, die Beteiligung an der HSB-Gesellschaft zu beenden. So las man z.B. in der „Thüringer Allgemeine“ vom Samstag (04.05.) dass der Vorsitzende des „Nordhäuser Unternehmerverbandes“, Joachim Junker, weiß, dass es sich nicht nur um das Überprüfen einer Haushaltsposition handelt. Was für Junker Grund genug ist, das Gespräch mit Landrätin Birgit Keller zu suchen. Wobei er „eine betriebswirtschaftliche Lösung“ des Problems anstrebe. Das ist zumindest schon mal ein konstruktives Echo auf den erwähnten Hilferuf, begründet in der Vorstellung Junkers, „dass viele Südharzer Unternehmen gerade im Tourismus von den Harzer Schmalspurbahnen profitieren“. Und nur darauf kann sich der „betriebswirtschaftliche Aspekt beziehen. Professor Zwanziger äußert in der gleichen Ausgabe der TA quasi als Volkes Stimme, dass es Nordhausen ohne den Quirl doch nicht vorstellbar sei. Schließlich las ich in der TA (?) dass es während der Mai-Kundgebung seitens der Eisenbahner-Gewerkschaft eine Unterschriftensammlung für den Erhalt der HSB gab.

In nahezu allen Umfragen und Stellungnahmen zum Erhalt der HSB wird auf die Tradition , die Verbindung zum Harz und ihre Bedeutung für den Tourismus und entsprechende Unternehmen hingewiesen. Dass man sie als elementares Verkehrsmittel für sich selbst benötigt, um etwa nach Wernigerode, Stiege oder Quedlinburg zu kommen, wird dagegen kaum von jemanden behauptet. Und als Verbindung zwischen Nordhausen und Ilfeld ebenso wenig. Außer für Gesellschafts- und gelegentlichen Vergnügungstouren hat sie für die Nordhäuser selbst keine größere Bedeutung (mehr).. Und daran krankt es nach meiner Auffassung am meisten. In diese Richtung also müsste ein Appell gerichtet werden.

Das historische Bahnhofsgebäude der HSB hat längst seine ursprüngliche Bedeutung verloren. Und würde man den Erhalt der verkehrstechnischen Verbindung zum Harz von dem Fahrgastaufkommen insgesamt abhängig machen – und das Land Thüringen scheint ein mögliches erhöhtes finanzielles Engagement daran zu messen – sähe es wohl für den Bestand der HSB im Land Thüringen schlecht aus. Persönlich müsste ich eine Konsequenz daraus jedenfalls bedauern, denn mir bleibt nur jeweils der Quirl, um in den Harz, ins Selketal oder nach Quedlinburg zu kommen. Während ich bei einer Fahrt nach Niedersachswerfen oder Ilfeld von Nordhausen-Nord aus am Bahnhofsplatz in der Straßenbahn sitzen bleibe – wie das ja auch angeregt wird – und nicht etwa in den Zug umsteige. Und finde mich darin in der Gesellschaft mit sehr viel mehr Fahrgästen, als das im Personenzug der HSB der Fall wäre. Tradition und Tourismus ist die eine Seite der Betrachtung, die andere ist die Realität. Und da klafft inzwischen eine nicht geringe Lücke.

Ein Dankeschön allen Gratulanten


Es ist mir ein Bedürfnis, allen denen zu danken, die mir an meinem Geburtstag gratulierten. Oder ihn auch nur in der dafür vorgesehenen Rubrik in der Zeitung erscheinen ließen. Selbst das war ja im Lokalteil der „Thüringer Allgemeine“ zu Zeiten des Vorgängers des jetzigen verantwortlichen Redakteurs nicht der Fall. Worin ich ein Zeichen seiner subjektiven Einstellung und Gestaltung dieses Lokalteils sah.

Und noch eine weitere Anmerkung: unter den Blumenpräsenten befand sich auch dieses Bukett, bestehend aus Kaiserkronen mit Tulpen dazwischen. Ich anerkenne die gute Absicht, die sich damit verband, stelle aber fest, dass sich Kaisekronen keinesfalls als Bestandteil eines Buketts eignen, sie wirken alles andere als angenehm. Ansonsten aber gestaltete sich dieser Geburtstag recht freudvoll. Und auch als persönliche Messlatte. Herzlichen Dank dafür  

Sonntag, 5. Mai 2013

Uneingeschränktes Lob der Nordhäuser Kantorei


Nach dem jüngsten Konzert der Nordhäuser Kantorei hatte ich in meinem Eintrag am Montag (29.04.) in einigen wenigen Sätzen meinen Eindruck von diesem Konzert festgehalten: „Es war meines Erachtens eine musikalische Offenbarung von Kammerorchester (unter der höchst bemerkenswerten Mitwirkung als Gast an der Orgel von Prof. Wolfgang Kupke) von Kantoreichor und Solisten, unter der bewährten Leitung von Kantor Michael Kremzow. Und wäre ganz gewiss ein ungetrübtes (Hör-) Erlebnis geworden, hätte ich die Augen geschlossen und Gesang und Musik auf mich wirken lassen“, hatte ich geschrieben. Und mich darauf beschränkt. Auch den Grund für diese Beschränkung hatte ich angefügt. Diese Beschränkung fiel mir nicht allzu schwer, war ich doch vor und auch nach dem Konzert Christel Laude begegnet. Die ich nach allen Erfahrungen für eine absolut qualifizierte Rezensentin von Orchester- und Kantoreikonzerten halte. Und auch diesmal wusste ich von ihr, dass mit einer solchen zu rechnen sei, die, wie in jüngster Zeit üblich, in der „Thüringer Allgemeine“ zu erwarten sein würde.

Sie kam bis heute nicht. Obwohl es eine solche Rezension gab, die sogar am Dienstag den Chormitgliedern von Kantor Michael Kremzow zur Kenntnis gebracht wurde. Und obwohl ich dem Chor nicht angehöre, hatte auch ich Gelegenheit, Kenntnis von ihr zu nehmen. Und ich meine, sie sollte öffentlich gemacht werden, bevor der Eindruck von diesem Konzert völlig von anderen Ereignissen überschattet oder überholt wird. Hier also der Mitschnitt der Einschätzung dieses Konzertes aus kompetenter Feder, die auch Vermutungen zulässt, warum sie in der TA bis heute nicht angeboten wurde:

„Zwischen Ostern und Pfingsten“ war zugleich Zeitpunkt und Titel eines Konzertes in der Blasii-Kirche mit der Nordhäuser Kantorei, 4 Gesangssolisten und dem Mitteldeutschen Kammerorchester unter der Leitung von Kantor Michael Kremzow.
Die TA berichtete bereits über dieses Konzert. Während in jenem Artikel Schwerpunkt auf die liturgische Bedeutung gelegt wurde, sollen hier die musikalischen Leistungen aller Interpreten unterstrichen werden.  
Es ist eine schöne Tradition, hohe kirchliche Feiertage in der Nordhäuser Blasii-Kirche mit entsprechenden Musikwerken zu würdigen. Dabei versteht es Kantor Michael Kremzow immer wieder, Bekanntes zu bewahren, aber auch Neues oder weniger oft Gehörtes in recht unkonventioneller Weise in einem Konzert zu vereinen. So sind seine Konzerte stets eine Herausforderung für Chor und Solisten, aber ebenso auch für die Zuhörer.
Mit dem Osteroratorium und einer Pfingstkantate von Johann Sebastian Bach sowie der Krönungsmesse von Wolfgang  Amadeus Mozart erklangen drei sehr unterschiedliche, äußerst  anspruchsvolle Werke, die in dieser Zusammenstellung wohl noch nirgendwo zuvor zu hören waren. Diese fügten sich aber zu einem schlüssigen Ganzen und wurden von den Zuhörern am Ende mit lang anhaltendem, stürmischem Beifall bedacht. 
Beifall gab es vor allem für den Kantoreichor, der in dem eineinhalbstündigen Programm  ohne Pause stets präsent war, schwierige vierstimmige, überwiegend polyphone Sätze in deutscher und lateinischer Sprache gestaltete. Da ist es schon manchmal schade, dass die Werke nur einmal aufgeführt werden.
Mit viel Beifall wurden auch die Solisten bedacht. Elena Puszta, bekannt als Opernsängerin am Theater Nordhausen, stellte sich hier ganz anderen sängerischen Anforderungen und hatte ihren großen Auftritt in der Sopranarie im Osteroratorium. Von Bedeutung war auch die Tenorarie mit Stephan Scherpe im gleichen Werk. In besonderer dramaturgischer und sängerischer Weise hob sich die Arie „Wohl euch, ihr auserwählten Seelen“ in der Pfingstkantate heraus, gesungen von Susanne Grobholz, Alt. Der Bassist Dirk Schmidt überzeugte vor allem durch deutliche Artikulation in den Rezitativen.
Ein „Ruhepunkt“ zwischen den Werken Bachs war die Krönungsmesse von Mozart, der jedoch nicht im Sinne von Ausruhen verstanden werden darf, denn auch hier waren die Interpreten aufs höchste gefordert.
Und nicht zuletzt galt der lang anhaltende Beifall dem Mitteldeutschen Kammerorchester in seiner Gesamtleistung. Dennoch sollen die Oboen und Flöten sowie die Sologeige und Pauke besonders genannt werden und natürlich die drei Trompeten, die den Abend überstrahlten.
Ein in Nordhausen immer wieder gern begrüßter Gast war Wolfgang Kupke, der diesmal aber nicht am Dirigentenpult stand sondern an der Orgel zu erleben war. Von dort aus bildete er mit den anderen Generalbassinstrumenten das sichere harmonische Fundament des Abends.
 (gez. Christel Laude) 

Anreize zum Sinnieren


Unlängst wollte ich mal mit Gedankensplittern meinen Blog bedienen, um nicht mit langen Überlegungen auf wenige Themen reduziert zu sein. Es funktioniert aber auch mit einer solchen Absicht nicht. Weil einfach die Themen, die sich da in jüngster Zeit aufdrängen, längeres, sorgfältiges Überlegen nötig machen.

Zunächst aber muss ich mir notieren, dass der MDR vom 06.bis 10. Mai in seinem Frühprogramm über die Geschichte der SPD, deren Wurzeln ja in Mitteldeutschland liegen, in allen Einzelheiten informieren will. Die Themenfolge passt damit gut zu der Wanderausstelllung zur Geschichte der SPD, die derzeit im Bürgersaal besucht werden kann. Und zu der es ja hier einen Eintrag von mir gibt.

Und weil da schon mal der 06. Mai auftaucht, kann ich da ja gleich auf das Thema NSU-Prozess kommen, der ja auch am Montag, den 06. Mai in München beginnt. Die Vorgeschichte dazu ist ja meiner Meinung nach ebenso bekannt, wie sie recht „durchwachsen“ ist. Es lohnt nicht, darauf weiter oder noch einmal einzugehen, es ist lang und breit darüber berichtet worden. Und nun steht also der Prozess bevor. Mit dem ja auch schon eine Geschichte verbunden ist, die teilweise geradezu grotesk anmutet. Die „Welt“ bringt heute ein Interview mit dem vormaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes, Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier, der die Meinung vertritt, dass das höchste deutsche Gericht Gefahr läuft, in schiefes Licht zu geraten. Weil es zu sehr personalisiert wird. Unter anderen sieht er Anlass dazu durch den kürzlich stattgefundenen verbalen Schlagabtausch zwischen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Andreas Voßkuhle, dem derzeitigen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts (BVG). Ohne auf die anderen, inzwischen stattgefundenen Debatten um das BVG einzugehen meine ich, dass dieses Gericht als Institution durch deren individuelle Inanspruchnahme Gefahr läuft, anBedeutung einzubüßen. Konnte man mE die Klagen türkischer Zeitungsredaktionen noch für gerechtfertigt – vielleicht auch nötig – halten, sind die Klagen einzelner Journalisten mE lediglich Ausdruck persönlicher Verärgerung. Wodurch die eigentliche Bedeutung des Bundesverfassungsgerichts verkannt, bzw. herabgewürdigt wurde. Anders wäre es, wenn die Kläger ihre Klage schon angesichts der Absicht dieses Losverfahrens eingereicht hätten, das als Konsequenz der Klagen der türkischen Redaktionen veranlasst wurde. Da hofften aber die klagenden Journalisten offenbar, zu den Losgewinnern zu gehören. Und erst, nachdem sie leer ausgingen, klagten sie aus Verärgerung. Und nicht, weil sie das Verfahren für verfassungswidrig hielten.

Und nun also wird der Prozess unter den gegenwärtigen Umständen stattfinden. Und der scheint mir in seiner Bedeutung reichlich überzogen. Nach meiner bisherigen Vorstellung findet da ein Prozess gegen Neben- oder Randerscheinungen dieser NSU-Kriminalität statt. Und tut dabei so, als ginge es um die potentiellen Hauptschuldigen, geradezu um die Initiatoren oder gar Monster der NSU-Szene. Und vorbehaltlich eines anderen Prozessergebnisses ist die Hauptangeklagte Beate Tschäpe nichts weiter als vergleichweise eine modernisierte Räuberbraut aus entsprechenden Geschichten vom Schinderhannes oder dem Räuber Kneisl. Ich bin also auf den Verlauf gespannt.

Und damit habe ich mich schon wieder zu einem Thema verbreitert, ohne zu einem Ergebnis gekommen zu sein. Was nach den Umständen natürlich auch (noch) nicht möglich ist. Also sinniere ich weiter.

Freitag, 3. Mai 2013

Hunderttausende demonstrierten am 1. Mai


Bundesweit natürlich, wie die überregionalen Medien in Wort und Bild berichteten. Und Bilder waren in diesem Fall schon wichtig, um sich vergewissern zu können, dass es tatsächlich Städte gab, in denen es noch
Kundgebungen und Demonstrationen mit einigen hundert Teilnehmern gab. Weil sich mir unwillkürlich zum Vergleich die Vorstellung vom Geschehen in Nordhausen aufdrängte. Da nämlich sah ich nur einen Menschen, der den Anschein eines Demonstranten machte.
Ich bin auch dabei ansonsten und im wesentlichen auf die in den Zeitungen erschienenen Berichte angewiesen, weil ich zwar frühzeitig zum Rathausplatz kam, aber diesen wieder verließ, bevor der Hauptredner Matthias Altmann, Gewerkschaftssekretär der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ans Mikrofon trat. Und ich verließ die Veranstaltung nicht etwa, weil ich Repressalien von irgend einer Seite befürchtete, sondern weil mein gewerkschaftliches Bewusstsein, das ich einmal besass, soweit nachgelassen hat, dass ich bestenfalls noch ein jurnalistisches Interesse an dieser Veranstaltung habe. Über die „meine“ Gewerkschaft (Verdi) sogar verwundert ist.
Und das hat Gründe. Bevor ich aber darauf eingehe, wundert mich etwas anderes mehr in diesem Zusammenhang: in den Kommentaren der Internet-Zeitung zum Geschehen an diesem 1. Mai finde ich Bemerkungen von Repressalien, die jene befüchten müssten, die sich „zu offensichtlich“ oder auffällig zur Gewerkschaft bekennen. Ähnlich lautet ja auch die Begründung derer, die sich bei Kommentaren hinter Pseudonymen verstecken. Als unbefangener Leser stellt sich da leicht und unwillkürlich die Vorstellung ein, dass man inzwischen schon wieder in einem Staat leben würde, in dem man bespitzelt und als Arbeitnehmer mit Repressalien zu rechnen hat, wenn man sich gewerkschaftlich (oder als Kommentator mit vollen Namen) engagiert. Ich halte das weitgehend für unbegründete, vorgeschobene Behauptungen. Die immerhin bequem sind.

Und zu meiner persönlichen Einstellung zur Gewerkschaft: früher, und solange es eine IG Medien gab, identifizierte ich mich als Mitglied mit ihr. Mit der Absorbierung durch Verdi verflachte das Profil der IG Medien. Ich erhielt seit jenem Vorgang nie eine Einladung von Verdi zu einer Versammlung oder Veranstaltung. Und die Beantragung des jährlich zu erneuernden Presseausweises stößt auf altersbedingte Verwunderung und sogar Befremden. Warum also sollte ich dann trotz Mitgliedschaft noch engagiert sein!?

Die „Thüringer Allgemeine“ schreibt von „rund 200 Zuhörern“, die es zum Zeitpunkt meines Weggangs noch nicht waren. Und die da waren, hielten einen gehörigen Abstand zum Bühnen-LKW. Vielleicht auch, um nicht in „falschen“ Verdacht einer zu großen gewerkschaftlichen Nähe zu geraten. Der eigentliche Zulauf muss also wohl erst später eingesetzt haben.

Immerhin aber war die Szenerie umrahmt von Ständen der Einzelgewerkschaften, des DGB und nahezu aller etablierten Parteien. Deren Vertreter untereinander doch recht kollegialen Umgang pflegten. Und das war ja nun schon wieder für manche Kommentatoren der Internetzeitung eine „verdächtige“ Annäherung. Man findet doch eigentlich in jeder Suppe Haare. Wenn man sie nur sehen will. Um 13 Uhr hörte ich mir jedenfalls die Ansprache des DGB-Chefs Michael Sommer an. Und war mit mir doch wieder zufrieden.

Donnerstag, 2. Mai 2013

8. Nordhäuser Grafikpreis der Ilsetraut Glock-Grabe Stiftung


Nordhausen (psv) Die Ilsetraut Glock-Grabe Stiftung verleiht im Herbst 2013 zum achten Mal den mit 1.500 € dotierten Nordhäuser Grafikpreis. „Ab sofort kann man sich wieder um diesen in Thüringen einzigartigen Grafikpreis bewerben, der sich mittlerweile zu einem renommierten Kunstpreis entwickelt hat“, sagte jetzt Kunsthausleiterin Susanne Hinsching.

An der Ausschreibung haben sich 2011 über 100 Künstler aus Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Thüringen beteiligt. Die eingereichten Arbeiten zeigten stets einen Querschnitt durch alle grafischen Techniken und Genres. Der Nordhäuser Grafikpreis wurde im Jahr 1999 zum ersten Mal vergeben und  erfreut sich immer stärkerer Beliebtheit in Künstlerkreisen, was die große Anzahl an Bewerbungen aber vor allem die Qualität der eingereichten Arbeiten zeigt. Damit wird die Intension der Künstlerin und Stifterin Ilsetraut Glock gerecht, die Kunst in ihrer Heimatregion zu fördern.

Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen einer Verkaufsausstellung, die im September 2013 im Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen stattfinden wird und in der neben dem Preisträger  acht weitere ausgewählte Künstler oder Künstlerinnen teilnehmen. Die Kreissparkasse Nordhausen vergibt zusätzlich einen mit 1000 € dotierten Förderpreis.

Am Wettbewerb können sich alle Künstlerinnen und Künstler beteiligen, die im Bereich künstlerische Grafik arbeiten (Radierung, Zeichnung, Holzschnitt, Serigrafie, Computergrafik etc.), in Thüringen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen und  Sachsen leben oder in einer engeren Beziehung zu Nordhausen stehen.

Für die Vorauswahl werden die Bewerber gebeten  bis  30.  Juni  2013  die  Bewerbungsunterlagen (Vita, Ausbildungswerdegang, Ausstellungen, Preise o.ä.) sowie eine CD-Rom mit fünf  Bildern ihrer Werke als pdf oder jpg-Datei einzureichen. In entsprechender Auflistung mit Titel und Technik sind zudem Entstehungsjahr und Bildgröße anzugeben. Die Arbeiten dürfen nicht älter als 5 Jahre sein.

Kontaktanschrift:  Kunsthaus Meyenburg, Alexander-Puschkin-Str. 31, 99734 Nordhausen
Tel.:  03631 / 88 10 91, Fax:  03631 / 89 80 1, E-Mail: kunsthaus@nordhausen.de.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Autismus hat viele Aspekte


„Die Welt anders gesehen“. . . mit den Augen von Menschen mit Autismus, ist der Titel der Ausstellung, die gestern in der Galerie der Kreissparkasse Nordhausen eröffnet wurde. Ich gehörte zu den Teilnehmern der Vernissage, ohne bis dahin klare Vorstellungen von dieser menschlichen Entwicklungsstörung und deren Auswirkungen gehabt zu haben. Ich war also vor allem neugierig.

Und ich kam in der Galerie der Kreissparkasse in eine Ausstellung, angesichts deren Gestaltung ich erst einmal nach Orientierung suchte. Da waren auffällig große Texttafeln an den Wänden zu sehen, die bei näheren Hinschauen durchweg bittere Geschichten mit Erfahrungen von Eltern autistischer Kinder enthielten. Es waren daneben die unterschiedlichsten, durchweg gerahmten Bilder platziert, mit Zeichnungen, Malereien, aber auch mit Texten, vornehmlich lyrische Gedichte, Collagen und vielen anderen – z.B. Puzzles – ausgehängt, eine bunte Mischung unterschiedlichster Art also, dazu Holzschnitzereien und in Vitrinen gebastelte und zusammengefügte Figuren in reicher Zahl. Manches simpel und einfach gemalt und gestaltet, anderes aber zeugte von unterschiedlich hoher Qualität. 
Es ist also keine Ausstellung, wie man sie vom sonstigen Galeriegeschehen der Kreissparkasse her kennt, es ist eine eigene Welt, die sich vor denen öffnet, die unvoreingenommen gekommen waren, um angesichts aller dieser Exponate zu sehen, wie Menschen jeden Alters mit Autismus ihren Leben Inhalt und Sinn geben. Vielleicht sogar ohne sich dessen bewusst zu sein. Mir dagegen wurde zunehmend bewusst, dass Autismus nicht einfach mit Teilnahmslosigkeit und Weltabgewandtheit gleichzusetzen ist, sondern sogar kreatives ebenso wie qualitatives Gestalten beinhalten kann, das teilweise sogar weit über das hinausgeht, was Menschen zuwege bringen, die sich für normal halten. Hier als Beispiel ein Gedicht eines dieser Menschen mit Autismus:

Fantasie

Eine Welt aus Tristesse und Schnee
und viele trübsinnige Gedanken
tun auf Dauer der Seele weh.
die Gefühle stoßen an ihre Schranken.

Ich möchte aus der Eintönigkeit fliehen.
Nach Farben und Freude steht mein Sinn.
Mit der Vorstellungskraft die mir verliehen,
ziehen die Gedanken nach der Ferne hin.

Landschaften, die es nie gegeben,
Gebäude, die man nie gebaut,
du lebst ein ganz anderes Leben
und tust was du dir nie getraut.

Sie kann dir helfen klarzukommen
oder sie ängstigt dich wie nie,
schon oft hat sie mich mitgenommen
doch letztlich bleibt sie Fantasie.

Gedichte dieser Art und Gestaltung finden sich in dieser Ausstellung mehrere. Und sie verleiten nicht nur zum lesen, sondern regen zum Überlegen an über den Menschen, der sie formulierte. Und verleiteten mich ganz allgemein angesichts der ausgestellten Exponate zu entsprechenden Überlegungen. Es gelang mir, mit einigen der betroffenen und dergestalt wirkenden Menschen ins Gespräch zu kommen – es waren einige anwesend. Die dabei zwar einen eher unpersönlichen Eindruck vermittelten, aber sofort von dem schwärmten, was sie gestalteten und von ihnen ausgestellt ist. Ich war zunehmend beeindruckt. Umso mehr, als einzelne das, was sie geschaffen hatten, auch in einer Weise zu beschreiben und zu erklären vermochten, die beachtliche Intelligenz und Sprachgewandtheit erkennen ließ.

Es ist der Kreissparkasse Nordhausen in der Person seines Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Asche zu danken, dass er mit dieser Ausstellung interessierten und aufgeschlossenen Menschen, also auch mir, Einblicke in eine Welt menschlichen Verhaltens ermöglicht, das nicht mit normalen Maßstäben gemessen, und auch nicht begriffen werden kann. Es war auch Wolfgang Asche, der die ungewöhnlich vielen Besucher jeden Alters begrüßte, ihnen dabei gleich die beiden Schülerinnen der Kreismusikschule Nordhausen (Annemarie Pohl und Stefanie Töpler) vorstellte, denen nacheinander am Klavier die musikalische Umrahmung der Vernissage übertragen war. Um dann auf den Weltautismustag hinzuweisen, der am 02.04. begangen worden war. In dessen Zusammenhang bundesweit ähnliche Veranstaltungen stattfinden wie diese. Wobei es mir einfach ein Bedürfnis ist, das Engagement der Kreissparkasse Nordhausen ganz allgemein mit ihrer Galerie, und mit dieser Ausstellung ganz besonders hervorzuheben. 
Man merkte Wolfgang Asche sehr wohl an, dass er mitunter nach Formulierungen suchte, die angesichts seiner Zuhörerschaft angemessen und verbindlich waren. Was ihm auch gut gelang. Dabei bestätigte er, dass eben Menschen mit Autismus in machen Bereichen geistigen Vermögens zu Leistungen fähig sind, die ihresgleichen in der Gesellschaft suchen. Weil eben Autismus allgemein mit Defiziten definiert wird, kaum aber von den Stärken der betroffenen Menschen. Und die Kreissparkasse einen Beitrag leisten will, um die öffentliche Meinung menschen- und sachgerechter werden zu lassen. Und Anregungen zu dem Versuch zu geben, wahrzunehmen, sich anzufreunden, vertraut zu machen und zu verstehen, welche Sicht diese Menschen auf die Dinge des Lebens haben.
Dabei zeigte sich der Sparkassenchef selbst sichtlich beeindruckt von dem, was in dieser Ausstellung zu sehen ist. Er dankte gleichzeitig der Vorsitzenden des Regionalverbandes Autismus Südharz, Simone Urban, und den ehrenamtlichen Helfern des Vereins – zu denen übrigens auch der Künstler Kerwitz junior gehört - die sich ganz allgemein aber auch in besonderen dieser Menschen annehmen. Sich aber auch um die Gestaltung dieser Ausstellung verdient machten. Und weil der Verein vielfältiger Unterstützung bedarf, überreichte Asche der Vereinsvorsitzenden schon mal einen „kleinen“ Scheck über 500 Euro, der dazu dienen soll, die Arbeit des Vereins erfolgreich fortzuführen. Gleichzeitig sollte es Anreiz für Gäste und Wohlmeinende sein, sich in ähnlicher Form – oder auch in ehrenamtlicher Funktion durch Mitgliedschaft – anzuschließen. Und natürlich wünschte er der Ausstellung eine große öffentliche Wahrnehmung, möglichst auch von Schulklassen, um das Verständnis für Menschen mit Autismus schon bei jungen Menschen zu wecken. Dass er dazu mit seinem Töchterchen schon mal den Anfang machte, soll hier gern bemerkt und bildlich veranschaulicht sein.

Nach dem Chef der KSK freute sich in einer Ansprache die Vorsitzende des Vereins, Simone Urban über die vielen Besucher, die durch ihr Kommen ihr Interesse an Menschen mit Autismus und deren vielfältige Ausdrucksformen im Rahmen dieser Ausstellung zeigten. Sie nutzte die Gelegenheit, um sich, ihren Verein und deren Arbeit vorzustellen, auf die ich im Verlaufe dieser Ausstellung noch in einen eigenen Beitrag eingehen werde. Sie verwies ausgesprochen ausführlich auf die räumliche und selektive Gestaltung der Ausstellung, machte auf viele Exponate und deren verfasser und Autoren aufmerksam, die sie damit der Aufmerksamkeit der Besucher empfahl. Auch sie warb schließlich um Unterstützung des Vereins in Form von Mitgliedschaften oder auch Sponsoring, die dringend benötigt werden, um den doch recht umfangreichen Aufgaben nachkommen zu können, die sich der Verein gestellt hat. Und ich nehme vorweg, dass ihr Appell im Verlauf des Abends ein erfreuliches, teils spontanes Echo auslöste.

Und dann also, nach einem musikalischen Zwischenspiel, der ungeteilte Blick in die Ausstellung: da sind – wie schon bemerkt - Gedichte vorgestellt, deren lyrische Qualität einfach hervorragend ist, geometrische Zeichnungen in einer Genauigkeit, die durchaus einer fachlichen Prüfung standhalten würden. Holzschnitzereien, die erstaunliches handwerkliches Können beweisen. Ganz abgesehen von Bildern, deren Ausführung und Darstellung teilweise künstlerischen Augen durchaus standzuhalten vermögen. Es mag auch sein, dass es langer und geduldiger sachkundiger Unterweisung bedurfte, um die Fähigkeiten der betreffenden Menschen zu wecken und zu aktivieren. Was sie dadurch aber zuwege brachten und bringen, lässt offenkundig werden, dass die landläufige Meinung über Menschen mit Autismus wenig mit der Realität zu tun hat. Und diese landläufige, vordergründige und vielfach unfaire Meinung und Einstellung lässt sich eben auch an den aushängenden Textbildern ablesen. Dass dies auch Umfrageergebnisse von Studenten der Fachhochschule Nordhausen sind, von denen sich auch einige ehrenamtlich autistischer Menschen im Rahmen dieses Regionalverbandes „Autismus Südharz e.V.“ annehmen, wurde in den Vorträgen betont. Und wie zu erfahren war, hat inzwischen einer von ihnen sogar als Bachelor seine Masterarbeit gefertigt. Die Ausstellung ist also in einer Weise gestaltet, die sowohl die Gefühls-, Denk- und Verhaltensweise von Menschen mit Autismus widerspiegelt, als auch Beispiele öffentlicher, landläufiger Meinung wiedergibt.. Die durch einen Besuch dieser Ausstellung doch ins rechte Licht gerückt werden kann.
Den Abschluss der Ausstellung bildete eine Bildfolge, die erkennen ließ, dass Jugendliche mit Autismus auch in musischer Hinsicht Beachtliches vermögen und anzubieten haben. Die Folge war zwar in französischer Sprache unterlegt, ließ aber entsprechende Vorstellungen zu. Es war eine Vernissage ebenso außergewöhnlich, wie die Ausstellung als solche aufschlussreich und damit sehenswert ist. Sie ließ mir aber bewusst werden, dass die Ausstellung eines weiteren Besuches bedarf, um den ausgestellten Exponaten ungeteilte Betrachtung widmen zu können. Ich werde das also tun und noch einmal darauf zurückkommen.Und weil alle aktiv Beteiligten die Notwendigkeit der Vereinsunterstützung betonten, schließe ich mich mit der Angabe der Bankverbindung dieses Vereins diesem Appell an:

autismus Südharz e.V.
Regionalverband zur Förderung von Menschen mit Autismus
Kontonummer 39007831
Bankleitzahl: 82054052