Dienstag, 22. April 2014

Nordhäuser Künstlerin Ulrike Heise zeigt Kabinett-Ausstellung im Kunsthaus

Nordhausen (psv) In diesem Jahr widmet sich das Kunsthaus Meyenburg mit mehreren Ausstellungen dem Schaffen von Künstlerinnen. So wird am Donnerstag, dem 24. April, um 19.00 Uhr, im Kunsthaus-Keller die Ausstellung „Werkspuren“ der Nordhäuser Künstlerin Ulrike Heise eröffnet. Das kündigte jetzt Kunsthausleiterin Susanne Hinsching an, die dazu alle Interessierten herzlich einlädt. Die Künstlerin ist zur Vernissage ebenfalls anwesend. 

Ulrike Heise wurde 1944 in Gotha geboren, wuchs aber in Nordhausen auf. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Diplom-Ingenieur im Fernmeldewerk Nordhausen. 1984 siedelte sie in die Bundesrepublik Deutschland über. In Hanau, Frankfurt a.M. und Trier erhielt sie Kunstunterricht. Bei Prof. Helmessen in Frankfurt a.M. studierte sie mit dem Schwerpunkt Radiertechniken. 2002 kehrte Ulrike Heise nach Nordhausen zurück und ist seit dieser Zeit Mitglied im „Kunstkreis Meyenburg e.V.“

Die Ausstellungen im Kunsthaus-Keller zeigt einen Einblick in das vielseitige Schaffen der Künstlerin, sowohl in den verwendeten Techniken als auch in ihren Motiven. Eine ihrer bevorzugten grafischen Techniken ist die Radierung, die sie sowohl als klassischen S/W-Druck als auch in Kombination mit Aquatinta verwendet. In ihren frühen Arbeiten überwiegen noch die realistischen Tendenzen, wie z.B. „Das Torhäuschen“ oder „ St. Blasii“. Je länger sie sich aber mit der Technik beschäftigte, desto freier und mutiger wurde der Umgang mit der Radiernadel. Das sieht man sowohl bei den Landschaftsmotiven als auch an den figürlichen Darstellungen.

Bei ihren Gemälden ließ sich Ulrike Heise gern von Künstlern wie Picasso, Otto Modernsen (?) oder Paula Modersohn Becker inspirieren. Dabei setzt sich die Künstlerin mit den Werken der großen Vorbilder auseinander und interpretiert sie dann auf ihre ganz eigene Weise. Ihre Bilder, sowohl in Figuren als auch Landschaften, zeigen Ulrike Heises besondere Fähigkeit, im scheinbar alltäglichen Motiv den besonderen Reiz zu erkennen. Ulrike Heise gehört auch zu den 33 Künstlerinnen, die mit jeweils einem Werk in der Ausstellung „Die Kunst ist weiblich.“ im Kunsthaus Meyenburg vertreten ist.

Beide Ausstellungen sind noch bis zum 31. Mai im Kunsthaus Meyenburg zu sehen.

Öffnzungszeiten: Di bis So 10 bis 17 Uhr

Termine für Senioren

Die Mitarbeiter im Begegnungszentrum Nordhausen Nord, Stolberger Straße 131 haben wieder zahlreiche Veranstaltungen für Seniorinnen und Senioren geplant. Hier sind drei Termine, für die gern noch Anmeldungen entgegengenommen werden:
Am 30. April führt eine Halbtagesfahrt nach Duderstadt. Hier erwartet die Gäste eine interessante Stadtführung und eine gemütliche Einkehr. Restkarten sind unter 03631/881053 zu erfragen.

Fahrt zum Kloster Michaelstein
Am 9. Mai geht es für einen halben Tag zum Kloster Michaelstein bei Blankenburg (Harz). Wir haben für Sie eine Führung durch die Klosteranlage mit dem nach dem Vorbild historischer Pläne angelegten Kräuter- und Gemüsegarten und die Musikinstrumenten-Ausstellung angemeldet. Im Anschluss essen wir im Fischspezialitäten-Restaurant „Zum Klosterfischer“, was sich in unmittelbarer Nähe vom Kloster befindet zu Abend.
Informationen dazu erhalten Sie unter der Tel. Nr. 03631/881053
Seniorenwandertag in den Frühling

Mit allen Wanderfreunden und denen, die es werden wollen, startet unter dem Motto „Auf Schusters Rappen“ am 14. Mai der 6. Seniorenwandertag des Begegnungszentrum Nordhausen Nord. Treffpunkt ist 9:30 Uhr am Begegnungszentrum. Organisiert wird der Wandertag vom Begegnungszentrum und dem Kreissportbund Nordhausen. Nähere Informationen erhalten Sie unter der Tel. Nr. 03631/881053

Am Donnerstag um 18 Uhr im Tabakspeicher:

Sonderausstellung „Alles rennet, rettet, flüchtet“ – 450 Jahre Feuerwehr in Nordhausen

Nordhausen (psv) Am Donnerstag, dem 24. April eröffnet Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh um 18 Uhr,  im Museum Tabakspeicher, die neue Sonderausstellung „Alles rennet, rettet, flüchtet“ – 450 Jahre Feuerwehr in Nordhausen.

Die neue Sonderausstellung im Tabakspeicher thematisiert auf 16 Bild- und Texttafeln Nordhäuser Stadtbrände und die Entwicklung des Brandschutzes. Organisierte Brandbekämpfung ist in der Feuerordnung von 1569 als frühe Form der Feuerwehr erstmals nachgewiesen. Nach der ersten gedruckten Feuerordnung von 1689 besaß die Stadt 4 große Handdruckspritzen mit Strahlrohr, die von jeweils 30 Mann bedient wurden.

Aus dem Mittelalter sind nur wenige große Brände überliefert. Die Neuzeit weiß von verheerenden Feuersbrünsten. 1612 und 1712 zerstörten Großfeuer die besten Stadtteile. Danach blieb Nordhausen bis zum Jahre 1945 von derartigen Katastrophen verschont.

Das moderne Feuerlöschwesen begann mit der Gründung der freiwilligen Feuerwehr 1862 und der besoldeten Feuerwehr 1865/66. Doch erst mit der Revolutionierung der Wasserversorgung seit 1873, dem Aufbau eines dichten Hydranten-Netzes sowie dem Einsatz modernster Technik ist in der Gegenwart eine erfolgreiche Brandbekämpfung gewährleistet.

Der Historiker Dr. Peter Kuhlbrodt hat die Schau konzipiert und erarbeitet.

Wichtige Originaldokumente stellt das Nordhäuser Stadtarchiv zur Verfügung. Aus der Sammlung der Feuerwehr Nordhausen werden unter anderem Strahlrohre, Atemschutzgeräte und verschiedenste Brandauslöser gezeigt. Mit zahlreichen Exponaten ist die reichhaltige Privatsammlung von Werner Koppe vertreten. Angefangen mit einer originalen Saugspritze, einer Nachtwächter-Hellebarde und Laterne, Einreiß-Haken, bis zu historischen und modernen Feuerwehrhelmen, Schutzanzügen und einer Sammlung von Orden und Auszeichnungen. Eine fahrbereite Handdruckspritze von 1913, als Leihgabe des Feuerwehrmuseums Ellrich, ist ein besonderer Anziehungspunkt. Die Feuerwehr Nordhausen bereichert die Ausstellung mit spannenden Vorführungen.


Die Ausstellung ist bis zum 24. August, Die-So 10 17 Uhr, im Museum Tabakspeicher, Bäckerstraße 20 in  Nordhausen zu sehen 

1. Spatenstich für Wohnbebauung in der Rosengasse



Nordhausen (psv) Als einen weiteren Baustein für die Nordhäuser Altstadt bezeichnete Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh heute beim 1. Spatenstich das Areal in der Rosengasse. Auf diesem Areal will die Bauunternehmen Henning  GmbH drei  Einfamilienhäuser sowie ein  Mehrfamilienhaus mit fünf  Eigentumswohnungen und einer Tiefgarage  errichten.

Baustaatssekretärin Inge Klaan sagte, dass Nordhausen auch neben den Baustandorten am Rande
der Stadt neue Bauflächen brauche, die in der Altstadt vorhanden seien. Brachflächen sollen hier der Vergangenheit angehören.

„Heute ist für uns ein besonderer Tag“, sagte Doris König, Geschäftsführerin  des Bauunternehmens.“ Im Jahr 2011kauften wir das Grundstück eigentlich für Parkplätze. Erst durch Gespräche mit der damaligen Baudezernentin Inge Klaan und die Einsicht in die Planungsunterlagen des neuen städtebaulichen Quartierskonzeptes  zum Bauen am Mühlgraben  wurden wir zum Wohnungsbau inspiriert.“


Foto: 1. symbolischer Spatenstich in der Rosengasse. V.l.n.r.: Staatssekretärin Inge Klaan, Doris König, Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh, Frank König.

Geistliche Chormusik am 4. Mai 2014 um 17.00 Uhr in St. Marien-Kirche, Bleicherode

Titel: "Das ist meine Freude" Psalmen und Madrigale von C. Monteverdi, J.H. Schein, J.L. Bach u.a.
Künstler: Vokalensemble "sonor vocalis" (Potsdam)
Leitung: Martin Schlage

Psalmen sind seit jeher eine unerschöpfliche Inspiration für Komponisten von Chormusik. Sie spiegeln die Vielfalt des Lebens, Glaubens und Zweifelns und sind in ihrer Urform sicher auch gesungen worden. Es können einzeln stehende Sätze sein, die zur Vertonung anregen und, wie in der jubilierenden Motette "Das ist meine Freude" nur einen zentralen Gedanken eines Psalms aufgreifen. Es können aber auch lebensumspannende Bilder sein, die musikalisch ausgedeutet werden: das Leben als Müh' und Arbeit etwa, das vergeht, "als flögen wir davon".
Im Programm  "Das ist meine Freude" wird ein besonderes Gewicht auf Psalmvertonungen des 17. Jahrhunderts gelegt, die zum Teil in reizvollen Doppelchören erklingen - die Choristen werden hier jeweils auch zu Solisten. Instrumentale Zwischenspiele (Orgel und Flöte) sorgen für Abwechslung und Bereicherung.

Ensemble "sonor vocalis" sind:

Cornelia Techritz (Berlin) - Sopran, Diana Ramirez (Berlin) - Sopran, Iris Bürger (Lübeck) - Alt, Flöten, Hedwig Wiest (Leipzig) - Alt, Martin Schlage (Potsdam) - Tenor, Leitung, Christian Wiechel (Potsdam) - Tenor, Nico Brazda (Potsdam) - Bass, Lars Bahners (Berlin)  - Bass, Hannes Immelmann (Potsdam)  - Bass, Daniel Trumbull (Berlin) - Orgel/Cembalo
Medizin, Pädagogik, Philologie, Musik - das ist die berufliche Summe dieses Ensembles und alle Sänger und Sängerinnen haben etwas gemeinsam:  sie wollen ihre reiche Chorerfahrung, die sie aus renommierten Chören mitbringen, auch gerne in der kleinen Ensembleform des Doppelquartetts einbringen. So kommen sie, geprägt beispielsweise im Thüringisch-Akademischer Singkreis, dem Athesinus-Consort Berlin, den Vocalconcertisten Berlin oder dem Neuen Kammerchor Potsdam, und treffen sich, um in Kleinstbesetzung Konzertprogramme für vier bis acht Stimmen zu erarbeiten.
Seit 2006 gab es Konzerte zum Advent, zur Passion und gemischte Programme. Die Freude daran, sowohl bei den Sängern als auch bei den Zuhörern (Konzerte in Dresden, Berlin, Nordhausen, Potsdam, im Brandenburgischen und im Harz), motiviert das Ensemble, sich neben vielen anderen beruflichen und musikalischen Verpflichtungen immer wieder der geistlichen und weltlichen Chormusik anzunähern.  Die kirchenjahreszeitlich geprägten Programme mit Musik vor allem des 17. und 20. Jahrhunderts bilden dabei den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit.
Ihr Anspruch ist kein geringerer als ihrem Namen Ehre zu machen - "sonor vocalis" ist der "stimmliche Wohlklang", den es gilt gesanglich zu erzeugen, zur Freude aller.

Sonntag, 20. April 2014

Alle guten Osterwünsche

Damit komme ich allerdings reichlich spät, falls das überhaupt jemand erwartete. Google zählt zwar für mich die Nutzer, die mich jeden Tag anklicken, nur habe ich keine Ahnung, was deren Grund ist.

Dafür weiß ich um den Grund der Verspätung meiner Osterwünsche: Ursache ist oder war im Grunde ein Artikel in der „taz“, auf den ich gestern stieß. Unter dem Aspekt „Glaube in der Öffentlichkeit“ lautete dessen Titel: „Ist es heute peinlich, Christ zu sein?“ Und schon dieser Titel irritierte mich. In der Einleitung heißt es (Auszug): Seit 1990 treten rund 250 000 Gläubige im Jahr aus den christlichen Kirchen aus. Bekennt sich überhaupt noch jemand zu seinem Glauben?“ (Ende des Auszugs)
Und auch das ist mir suspekt, zumal ja über die Gründe, die jemanden aus der Kirche austreten lässt, seit Jahren diskutiert wird. Und je nach Interessenlage sind die Argumente jeweils recht unterschiedlich. Ein „Gläubiger“ tritt wohl in den wenigsten Fällen aus seiner christlichen Kirche aus, weil er seinen Glauben wirklich verloren hat – ich weiß nicht, ob das früher in der DDR wirklich der Grund war – die Gründe jedenfalls sind vielfältig. Und wenn da gefragt wird, ob sich überhaupt noch jemand zu seinen Glauben bekennt, dann kann ich mich mit „jemand“ angesprochen fühlen, oder auch nicht. Und ebenso kann ich daraus ein Thema machen (wie das in der „taz“ der Fall ist) oder auch nicht. Im erstgenanntem Fall also fällt es mir schwer, in gemeintem Zusammenhang mit dem Begriff „peinlich“etwas anzufangen. Damit wird der Glaube meines Erachtens auf die gleiche Stufe gestellt wie etwa das Bekenntnis zu einer außerehelichen Beziehung oder einer geschlechtlichen Veranlagung, die vom Heterogenen abweicht. Mir jedenfalls ist es nicht peinlich, mich zu meinem christlichen Glauben zu bekennen.

Und dann also wird die Frage des öffentlichen Bekenntnisses zum Glauben von der „taz“ zum allgemeinen Thema gemacht. Die Autorin (Maria Rossbauer) bekennt – offenbar zum leichteren Einstieg ins Thema - sich bewusst von ihrem Glauben verabschiedet zu haben. Das öffentliche Bekenntnis einer Verabschiedung vom Glauben ist demzufolge nicht peinlich. Sie fügt allerdings hinzu, dass der religiöse „Phantomschmerz“ bleibt. Ein ausführlicher Bericht dazu wird in der Ausgabe vom 19./20./21. April 2014 angekündigt.


Während ich nun heute morgen durch die Natur wanderte – die Antiquareiche ist mir da gern beliebte Zwischen- (Denk-)station – drängten sich mir unwillkürlich wieder Überlegungen zu dieser Glaubensfrage auf. Und führten eigentlich zu der Absicht, mir diese Wochenendausgabe der „taz“ zu besorgen. Als ich nachhause kam, begann in der ARD gerade die Übertragung des Ostergottesdienstes am Petersplatz in Rom, auf dem sich etwa 150 000 Menschen versammelt hatten, um die Papstmesse zu erleben. Ist das aber nicht genug Bekenntnis zum christlichen Glauben? Denn die sich dort versammelt hatten, stehen ja wohl auch stellvertretend für mich und viele, viele andere, die nicht nach Rom fahren konnten? Ich bin glücklich in meinem Glauben, den ich im Vertrauen auf meinen Herrgott bei meinen Wanderungen in der Natur erlebe, bei Aufführungen der Nordhäuser Kantorei – wie kürzlich die Matthäuspassion – oder auch beim Gottesdienst im Dom. Und ich kann mich sogar über kleine Hinweise auf Ostern freuen, denen ich unterwegs begegne. Im übrigen habe ich ja in meinem Eintrag zur Matthäuspassion wissen lassen, dass sich meine Zuversicht in dem vom Kantoreichor gesungenem Lied findet: „Wenn ich einmal soll scheiden . . .“ Aber erst einmal ist Ostern und dafür also wünsche ich meinen Nutzern noch alles, alles Gute.

Freitag, 18. April 2014

Sehnsucht nach dem starken Mann?

Unter diesem Aspekt finde ich im „Spiegel“ eine Kolumne von Jan Fleischhauer mit dem Titel: „Warum viele Deutsche Putin bewundern“, in der es eingangs heißt (Auszug): „Mit Putin geht es vielen Deutschen wie mit den Russen auf dem Kudamm: Man lächelt über den Männlichkeitskult und das Blingbling, aber in dem Spott verbirgt sich auch Bewunderung für eine Art zu leben, die man sich selber nicht mehr traut.“(Ende des Auszugs).

Nun weiß ich nicht, wie es Russen auf dem Kudamm geht und ich habe keine Ahnung, ob wirklich viele Deutsche Putin bewundern. Aber immerhin kann ich mich selber nach dieser Aussage fragen, ob ich mich zu den „vielen Deutschen“ zählen kann oder muss, die Putin bewundern. Und ich kann diese Frage verneinen. Als junger Mensch hab' ich mal Hitler bewundert und sah keinen Grund, es nicht zu tun, schon weil unser damaliger Pfarrer oft genug nach dem Sonntagsgottesdienst seine Soutane mit der NSKK-Uniform wechselte und zur Versammlung ging. Das ist lange, lange her und heute vermag ich dem einen und anderen Menschen, den ich für wert halte, Achtung und Respekt zeigen oder entgegenbringen, mehr aber auch nicht.

Wenn aber der Autor im Spiegel im Verhältnis vieler Deutscher gegenüber Putin Bewunderung sieht, sei ihnen das unbenommen. Nur meine ich, man müsse das nicht auf einen so hohen Sockel heben, denn in einer Zeit, in der sich viele und immer mehr Deutsche nur noch aus der Anonymität heraus äußern, darf man schon Zweifel an ihrer wirklichen Meinung oder Einstellung im gesellschaftlichen Umgang haben. Umso mehr, als von denen, die Putin angeblich bewundern, sich wohl noch keiner ein Bild von ihm gerahmt an die Wand gehängt hat.

Unter diesem Gesichtspunkt aber kann man wohl auch und eher vermuten – und ich tue es hier einmal – dass man hierzulande allen Menschen insgeheim Bewunderung oder Sympathie entgegenbringt, die etwas tun, oder eine Auffassung äußern, zu der man sich selbst nicht (offen) traut: Thilo Sarrazin, Gabriele Pauly oder Bernd Lucke scheinen mir dafür Beispiele zu sein. Während es bei Sarrazin „nur“ um dessen offen geäußerte Meinung geht, gründeten Pauly die Freie Union und Lucke die Alternative für Deutschland (AfD) immerhin Parteien, um im großen Konzert der Politik mitzuspielen. Man bewundert bzw. bewunderte sie vielfach und trat sogar ihren Parteien bei, soweit man sich mit ihren Programmen anfreunden konnte. Dann aber meinte man, unter deren Führung eigene Vorstellungen entwickeln zu können (zu müssen). Und bewirkte doch nur Unruhe und Zerwürfnisse. Von der Freien Union hört man längst nichts mehr und von der AfD hört und liest man, dass der Führungsstil Luckes manchen Vorständler zu autoritär sei. Doch ist man immerhin um Konsens bemüht. Es muss sich offenbar immer erst jemand finden, der sich auf den Gründerstuhl setzt. Und alsbald finden sich Leute mit der Säge. Solange er (noch) nicht Macht besitzt wie Putin.


Aber zurück zum Kremlchef: was ich in meiner ganz persönlichen, unmaßgeblichen Meinung für „aufschlussreich“ finde, ist bzw. war seine Äußerung „dass die Europäer, zuallererst die Deutschen“, die Aufnahme der Krim in die Russische Föderation verstünden. Russland habe bei der deutschen Wiedervereinigung den „unaufhaltbaren Wunsch der Deutschen nach einer nationaler Einheit“ eindeutig unterstützt. „Ich bin mir sicher, dass ihr uns nicht vergessen habt“, sagte Putin nach einem Bericht in der FAZ. Er erwarte, dass die Bürger Deutschlands den Wunsch der Russen, die Einheit wiederherzustellen, unterstützen. Meiner Auffassung nach hätte es kein Glasnost und keine Wiedervereinigung gegeben, wenn damals Wladimir Putin statt Michail Gorbatschow an der Spitze der Sowjetunion gestanden hätte. Es ist alles eine Frage der Dialektik. Und Putin scheint jedenfalls darin ein Meister zu sein. Verdient er darüber, von vielen Deutschen bewundert zu werden?