Freitag, 8. November 2013

Der fatale „Tebartz-Effekt“

Es ist schon erstaunlich, was alles der Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst an Folgen zeitigt. Die ja offensichtlich bis auf die lokale Ebene durchschlagen. Auf der man sich nun sogar für das Vermögen der Kirchen im Südharz interessiert. Wobei der Bericht, auf den ich dazu in der Internetzeitung stieß, zwar durch die Titelzeile die Vorstellung vermittelt, man würde durch den folgenden Bericht tatsächlich entsprechende Aufschlüsse erhalten – etwa ähnlich dem doch recht aufschlussreichen Bericht über die Prostitution in Nordhausen. (Kleine Nebenbemerkung: Der Hinweis in der Einleitung zu diesen Prostituierten-Artikel auf eine angeblich geänderte (moralische) Einschätzung blanker Busen gegenüber der Zeiten Hildegard Knefs in „Die Sünderin“ erstaunt mich allerdings gerade in dieser Zeitung?!). Jedenfalls scheiterte der Versuch, eine wirkliche Vorstellung über das Vermögen der Kirchen im Südharz zu vermitteln, recht kläglich. In der allgemeinen Diskussion zur Problematik des Vermögens der Kirchen ist oder war es bisher auch nicht üblich, das Vermögen einzelner Kirchen- oder Pfarrgemeinden ergründen zu wollen.
Ohne weiter darauf einzugehen – und ich betone hier erneut, dass es sich bei meinen Einträgen um ganz persönliche Überlegungen, Vorstellungen und Eindrücke handelt - beschäftigen mich mehr die wirklich ernst zu nehmenden Folgen dieses Skandals auf Politik, Kirchen und die Öffentlichkeit. Und ich wundere mich, dass es angesichts dieser Folgen – über die seit Wochen in den Medien berichtet wird – Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst offenbar an jeder Einsicht über das fehlt, was er durch sein Verhalten insgesamt die Kirchen in Deutschland betreffend, ausgelöst hat. Er demgegenüber sogar bestrebt ist, als Bischof wieder nach Limburg zurück zu kehren. Denn unabhängig davon, ob und inwieweit die Berichte in Zeitungen und Fernsehen authentisch oder auf Spektakel angelegt sind, lässt Bischof van Elst damit jede Verantwortung für das vermissen, was er auslöste. Und jedes Gespür für die allgemeine Stimmung gegen ihn.

Und allein die Reaktionen der Mitglieder der Kirchen – es widerstrebt mir in diesem Zusammenhang, von Gläubigen zu schreiben – sind ja gravierend. Das „Handelsblatt“ etwa schreibt, dass die Kirchen in Deutschland zwar seit Jahren unter Mitgliederschwund leiden, sich dieser Trend aber durch die Finanzaffäre um Bischof Tebartz-van Elst deutlich und noch immer verstärkt. Zahlreiche andere Zeitungen sehen das genau so. Und belegen das mit Zahlen. N-tv zum Beispiel teilt mit, dass (Auszug): „. . . im eigentlich erzkatholischen Köln hat sich die Zahl der Kirchenaustritte nach Angaben des Amtsgerichts von September auf Oktober mehr als verdoppelt. 571 Katholiken verließen die Kirche. Der Sprecher des Amtsgerichts, Marcus Strunk, sagte: "Die Leute standen im Oktober morgens und abends Schlange." (Ende des Auszugs.) Auch in Osnabrück und Bremen erhöhte sich die Zahl der Kirchenaustritte im Oktober beträchtlich, ebenso in Bayern. In München gab es im Oktober 1250 Austritte, im Vergleich zu 602 im September. In Regensburg verdreifachte sich die Zahl nahezu. Insgesamt traten hier im vergangenen Monat 147 Menschen aus der Kirche aus, darunter 125 Katholiken. Ähnlich war die Entwicklung in Nürnberg und Passau. Übrigens stieg die Zahl der ausgetretenen evangelischen Kirchenmitglieder in Köln gar um 80 Prozent, nämlich auf 228.
Eine dramatische Entwicklung, wie ich meine, die – wie das „Handelsblatt“ feststellte – den seit Jahren zu beobachtenden Trend jäh verstärkten. Dieser bisherige Trend beschäftigte kürzlich auch die „Westfälische Wilhelms-Universität Münster“. Anlässlich einer Tagung äußerte sich Prof. Dr. Detlef Pollack in diesem Zusammenhang sogar skeptisch zu den Reformbemühungen von Papst Franziskus. Und hält den Mitgliederschwund der Kirchen für nahezu unaufhaltsam. Auch Neuerungen in den evangelischen Landeskirchen würden diesen Trend nicht aufhalten. „Schwerer als der Einfluss aller kirchlichen Bemühungen wiege die Entwicklung im gesellschaftlichen Kontext der Kirchen“, meint der Professor und veranschaulicht: „Das Wohlstands- und Bildungsniveau ist so hoch und die soziale Absicherung so gut, dass immer weniger Menschen die seelsorglichen und sozialen Angebote der Kirchen nachfragen.“

Die Zahl der Kirchenmitglieder und Kirchgänger in Deutschland ginge bereits seit Jahrzehnten kontinuierlich zurück, wie Prof. Pollack erläuterte. Während es 1949 in Deutschland Ost und West fast nur Protestanten und Katholiken gab, sind heute etwa je ein Drittel der Bevölkerung Katholiken, Protestanten und Religionslose. Zehn Prozent gehören etwa Islam, Judentum und Orthodoxie an. Seit 1990 treten aus der evangelischen Kirche jährlich etwa 0,7 Prozent der Mitglieder aus, aus der katholischen Kirche im Schnitt 0,5 Prozent. Doch schon im Jahr des Missbrauchsskandals 2010 war ein Ausschlag von 0,73 Prozent festzustellen; andere kirchliche Ereignisse wie der Papstwechsel zeigten dagegen kaum Einfluss. „Diese Austrittszahlen summieren sich über die Jahre auf Millionen Menschen.“

Damit soll es hier sein Bewenden haben, ich habe allerdings in Münster nach dem Protokoll der Tagung nachgefragt und komme im Falle positiver Bescheidung darauf zurück.

Donnerstag, 7. November 2013

Thüringer Handwerk wird prämiert

Eröffnung der Stollensaison mit großer Verkostung
Erfurt, 07.11.2013: Die Thüringer Konditoren- und Bäckerinnung prämiert jedes Jahr in Zusammenarbeit mit dem Schutzverband Thüringer Weihnachtsstollen und Erfurter Schittchen e.V. die thüringischen Handwerksbetriebe, die ihren Stollen einer unabhängigen Kommission zur Prüfung vorgelegt und die Qualitätskriterien eingehalten haben. Ist der Stollen nach den Bestimmungen für echten Thüringer Stollen hergestellt, so erhält er das Qualitätssiegel des Vereins.
Die Siegelübergabe feiert der Verband traditionell im THÜRINGEN-PARK ERFURT mit einer großen Stollenverkostung. Diese findet am Samstag, 09.11.2013 von 14 bis 16 Uhr statt. Die diesjährige Stollenkönigin wird zu Gast im Center sein, den Besuchern eine Kostprobe der prämierten Stollen verteilen und damit die Weihnachtsstollensaison offiziell eröffnen.

Martin Juckeland leitet künftig das Amt für Zukunftsfragen und Stadtentwicklung

Martin Juckeland leitet künftig das Amt für Zukunftsfragen und Stadtentwicklung

Nordhausen (psv) Martin Juckeland (links) leitet ab sofort das Amt für Zukunftsfragen und Stadtentwicklung bei der Nordhäuser Stadtverwaltung. Er tritt damit die Nachfolge von Dr. Sabine Riebel (rechts) an. Diese hatte das Amt kommissarisch geführt seit seiner Gründung im Jahr 2012. Es war entstanden aus der Zusammenlegung des Amtes für Umwelt und Grünordnung sowie dem Amt für Wirtschaftsförderung und Stadtplanung, das ebenfalls über mehrere Jahre von Frau Dr. Riebel geleitet worden war.

Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh (Mitte) sagte bei der gestrigen Amtsübergabe zu Frau Dr. Riebel: „Ich bin Ihnen zu Dank verpflichtet. Sie haben das Amt loyal und gut geführt. Vieles, was in Nordhausen mit Wirtschaftsförderung in Zusammenhang steht, ist seit Jahren mit Ihrem Namen verbunden.“ Frau Dr. Riebel werde weiterhin in einer herausgehobenen Tätigkeit im Bereich der Wirtschaftsförderung mit Aufgaben betraut werden.


Zu Martin Juckeland sagte Dr. Zeh: „Obwohl Sie schon lange im Amt arbeiten, ist die Funktion als dessen Leiter eine völlig neue Verantwortung und eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Ich wünsche Ihnen neben Ihrer vorhandenen Sachkenntnis auch die stets nötige Fortune, derer es in dieser Position bedarf.“

Mittwoch, 6. November 2013

„Wider das Vergessen“ – 75. Jahrestag der Reichspogromnacht

Anlässlich des 75. Jahrestages der Reichspopromnacht wollen die SPD Mitglieder der Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft Gedenken.

„Das Gedenken aufrecht zu halten an die Opfer, die es in der NS- Zeit gegeben hat und die in diesem Zusammenhang stehenden Gräueltaten der Nationalsozialisten wach zu halten ist eine Selbstverständlichkeit eines jeden Demokraten“, so Dagmar Becker, SPD Kreisvorsitzende.

Der 9. November ist der Tag, an dem organisierte Schlägertrupps jüdische Geschäfte und Gotteshäuser in Brand setzten. Es ist der Tag, an dem tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Spätestens an diesem Tag konnte jeder in Deutschland sehen, dass Antisemitismus und Rassismus bis hin zum Mord staatsoffiziell geworden war. Diese Nacht war das offizielle Signal zum größten Völkermord in der Geschichte der Menschheit.

„Mit dem 9. November verbindet uns aber noch mehr.
Philipp Scheidemann hat im Jahr 1918 die Republik ausgerufen, Hitler hat versucht erstmalig 1923 Macht zu erlangen und die Mauer, die Trennung zwischen Ost- und Westdeutschland, ist gefallen",
so Becker weiter.

 „Wir wollen unsere Solidarität zum Ausdruck bringen, denn Faschismus, Rassismus und Fremdenhass dürfen in Deutschland nie wieder eine Chance haben“, betonte auch Anika Gruner, die Vorsitzende der Jusos im Landkreis Nordhausen.

Abschließend erinnern Becker und Gruner gemeinsam an die Worte des verstorbenen Bundespräsidenten a.D. Johannes Rau: „Freiheit und Menschenwürde sind stärker als Unterdrückung und Gewalt.“


Leben im Altenheim Nordhausen

Die „Nordhäuser Allgemeine“ (NA) eröffnete am Samstag mit einem Bericht über die Zunahme alternder Menschen in Nordhausen ein Themen- oder Problemfeld, das im Zuge der weiteren demographischen Entwicklung ganz allgemein die Gesellschaft in Deutschland beschäftigen wird. Weil sie ja nicht auf Nordhausen beschränkt ist. Es reicht allerdings in diesem Eintrag, wenn ich mich auf Nordhausen beschränke.

Und da lese ich, dass inzwischen jeder Zweite im Landkreis Nordhausen älter als 50 Jahre ist. Was meines Erachtens die Vorstellung rechtfertigt, dass der gesamte Landkreis zunehmend zum Altenheim wird. Zugleich wird in der NA von der Eröffnung einer Seniorenwoche in Nordhausen berichtet, die derzeit mit einer Vielzahl von Veranstaltungen stattfindet. Und die NA würde parallel zu dieser Seniorenwoche schauen, „wie die immer mächtiger werdende Generation der Großmütter und -väter lebt.“ (Zitat)

Es widerstrebt mir, diese Formulierung so zu akzeptieren. Weil ich zunächst meine, dass das Problem ja nicht allein durch die Zunahme alternder Menschen entstanden ist und sich ständig erhöht, sondern durch den noch immer stattfindenden Wegzug jüngerer Menschen. Umso mehr, als ja bekannt ist, dass die Sterberate alter Menschen höher geworden ist als die Geburtenrate. Nun wird in besagtem Artikel u.a. darauf verwiesen – um vielleicht diese „mächtige“ Generation zu begründen - dass Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh 61 Jahre, seine Vorgängerin („die ihre Partei nochmals auf Siegkurs zu bringen will“) 66 Jahre zählt, und im Kreistag wie in den Stadträten die Fraktion der Grauhaarigen längst die größte Koalition bildet. Dem ist entgegen zu halten, dass ja alle in ihre Ämter oder Aufgaben gewählt wurden, Und doch wohl auch deshalb, weil sich keine jüngeren mit entsprechender Qualifikation bewarben. Und das ist immerhin bezeichnend was die Bereitschaft betrifft, kommunale oder auch politische Aufgaben zu übernehmen. Es ist also wohl weniger so, dass die Alten (noch) mitgestalten wollen, sondern weiter mitgestalten müssen. Und es passt auch nicht zu der von der NA vermittelten „mächtigen“ Generation, wenn zwei Spalten weiter argumentiert wird, dass die von einer überaus rührigen Seniorenvertretung organisierten Veranstaltungen während dieser Seniorenwoche – und auch sonst - u.a. den Zweck haben, „viele Ältere hinter dem Ofen hervor zu locken.“

Um aber nicht ins Polemische zu verfallen sei darauf verwiesen, dass die NA in ihrer Berichterstattung weiter aufzählt, was alles für die Senioren schon getan wurde, um ihren Ansprüchen und den Notwendigkeiten gerecht zu werden: ein Seniorenbeauftragter für den Landkreis wurde gewählt, der ihre Interessen vertritt. Es gibt in Nordhausen die gerade erwähnte Seniorenvertretung, 18 Alten- und Pflegeheime, 24 ambulante Pflegedienste, die Johanniter-Unfallhilfe, die Arbeiterwohlfahrt, die Diakonie und einiges mehr. Und es gibt laufende Veranstaltungen u.a. im Begegnungszentrum in Nord oder auch im Mehrgenerationenhaus.

Das alles ist auf die Interessen und den Anspruch dieser „immer mächtiger werdenden“ Generation zugeschnitten. Aber auf die räumlich für Senioren vorgesehenen Einrichtungen und/oder auch deren Lebensbereiche abgestimmt, z.B. auch die Pflege zu Hause.

Und um daneben festzustellen, wie diese angeblich immer mächtiger werdende Generation täglich lebt (sofern sie nicht hinter dem Ofen hockt) will die NA in einer kleinen Serie der Frage nachgehen, wie diese alternden Menschen leben und was sie wollen. Und ob wir uns schon hinreichend auf sie eingestellt haben!?

Dazu sei erst einmal grundsätzlich festgestellt, dass es hier ganz offenbar um die gesellschaftliche Teilhabe gehen soll. Und da meine ich, dass sich die Redakteure und insbesondere der verantwortliche Redakteur der „Nordhäuser Allgemeine“ erst selbst einmal fragen sollte, ob er sich schon hinreichend auf die ältere Generation – zu der ich gehöre – eingestellt hat? Und ich meine nein, wie ich leicht nachweisen kann. Damit bekommt dann aber alles weitere zumindest ein „G'schmäckle“, nämlich dem der Vordergründigkeit und Heuchelei. Damit will ich es hier aber und zunächst bewenden lassen.

Und zu Beginn dieser kleinen NA-Serie verabredeten sich also Redakteure und deren Fotograf mit Herbert Gerhardt, dem früheren Nordhäuser Kreiskatecheten zu einem Spaziergang durch Teile der Innenstadt. Um festzustellen wie es alten Menschen ergeht, wenn sie zu Fuß in Nordhausen unterwegs sind, wo Probleme auftreten und wo sich Stolperfallen befinden? Dazu will ich hier doch bemerken, dass ich etwa so alt bin wie Gerhardt u.a. mit ähnlichen körperlichen Probleme wie er, vermutlich sogar gravierenderen. Und häufig in der Nordhäuser Innenstadt zu Fuß unterwegs bin. Ob ich dabei schleiche, mögen andere beurteilen.

Im Ergebnis wünscht sich also Gerhardt mehr Bänke, teilweise ganze Ensembles, und bemängelt, dass die vorhandenen keine Rückenlehne haben, die für alte Menschen wichtig seien (siehe entsprechenden Bericht der NA). Auf regelrechte Stolperfallen stießen die Spaziergänger am Schlusspunkt des Erkundungsganges auf dem Rathausplatz (Zitat): „Und zwar sind damit vier Deckel der Fahnenmasten gemeint, die einige Zentimeter über das Pflaster herausragen. "Der gefährlichste ist direkt vor der Stadtinformation, über den ich schon gestolpert bin", berichtet der Nordhäuser.“ (Ende des Zitats).

Ohne auf diese Erkundungsergebnisse weiter einzugehen – letzteres mag bemerkenswert sein – ist wohl dabei wesentlich, ob man sich mit einem gesellschaftlichen Bewusstsein der Problematik nähert, oder nur seine eigene Sichtweise in den Vordergrund stellt. Und da stelle ich gegenüber der Sichtweise Gerhardts fest, dass an der Ostseite der Rautenstraße eine ganze Anzahl Bänke mit Rückenlehne zum Sitzen und Ausruhen einlädt, jene an der Wasserachse gar nicht berücksichtigt. Und auch in der Töpferstraße (nahe der Skulptur der Personengruppe) gibt es eine solche Sitzgelegenheit. Nur habe ich bisher höchst selten jemanden auf der einen oder anderen Bank sitzen sehen (außer bei Volksfesten). Und selbst als älterer Mensch mit Gehproblemen meine ich, dass ich doch meine persönlichen Vorstellungen und Wünsche in einem Verhältnis zu den allgemeinen Bedürfnissen und der Machbarkeit sehen sollte. Wenn das aber, was bei diesem beschriebenen Spaziergang bemängelt wurde, alles ist, darf man als älterer Mensch in Nordhausen zufrieden sein.

Und nun bin ich neugierig, was jemand im weiteren Verlaufe dieser „kleinen Serie“ auf Initiative und in Gesellschaft mit NA-Redakteuren zum Thema „gesellschaftliche Teilhabe“ weiter vorzubringen hat.

Dienstag, 5. November 2013

Hubertusmesse im Lichte der Berichterstattung

Zum 5. Mal fand am Freitag im Nordhäuser Dom zum heiligen Kreuz eine Hubertusmesse statt,
über die die hiesige Presse im Internet ausführlich berichtete. Wobei mir bekannt ist, dass die „Nordhäuser Allgemeine“ in ihrer gedruckten Ausgabe, die mir noch nicht vorliegt, angeblich noch ausführlicher berichtet. Und das mahnt mich zur Vorsicht, hatte diese Zeitung doch unlängst über einen Vortrag mit theologischem Hintergrund des emeritierten Erfurter Bischofs Joachim Wanke (10.Okt. Im Audimax) doch mit unterschiedlichem Tenor zwischen Internet- und Printausgabe berichtet. Deren Grundkonsens allerdings übereinstimmend war. Und vermuten ließ, dass die Autorin mit Kirche und Religion „nicht viel im Sinn hat“.
Was von der Redaktion zumindest in der dargebotenen Weise offensichtlich toleriert wurde. Immerhin aber lässt der Berichterstatter der Hubertusmesse in seinem (Internet-)Bericht einen ganz anderen, nämlich einen religiösen, Konsens erkennen, von dem sein Bericht gekennzeichnet ist. Das ist zwar erfreulich und gibt Inhalt und Verlauf dieser Hubertusmesse sicher authentisch wieder, lässt allerdings die Zeitung bzw. deren Redaktion einmal als atheistisch (angehaucht) erscheinen, während sie sich mit diesem Hubertusmesse-Bericht geradezu dem Stil eines Kirchenblattes nähert. Und zu der Vermutung führt, dass sie in Sachen Kirche überhaupt keinen Grundkonsens hat bzw. vertritt.

Eine solche Überlegung ergibt sich bei der Internetzeitung aus konzeptionellen Gründen von vornherein nicht. Deren Bericht über die Hubertusmesse lässt dabei freilich den Eindruck aufkommen, es habe sich um eine Veranstaltung mit religiösem Anstrich für ältere, alte und noch ältere Leute gehandelt, bei der es um Besucherzahlen ging. Und der „neue Besucherrekord“ wäre zumindest eines der herausragenden Ergebnisse gewesen. Was diese Hubertusmesse im Verständnis des Lesers in die Nähe eines zwar sehr festlichen und religiös verbrämten Spektakels rückt, aber eben nicht als Gottesdienst mit tiefem Inhalt identifiziert. Was sie ja wohl wirklich war. Ganz persönlich ergibt sich für mich der Eindruck, dass in dieser unterschiedlichen Berichtsweise der Osten Deutschlands erkennbar wird. Sicher nicht so deutlich mehr, wie es die Autorin nach dem Vortrag Bischof Wankes im Audimax der Fachhochschule formulierte: „. . . versuchte sich der Bischof in seinem Vortrag in einer Art Analyse darüber, warum der Osten bis heute so atheistisch ist.“
(Bild: Graph.Sammlung Albertina, Wien)


Montag, 4. November 2013

Männergesundheit m Gespräch

Am Freitag hatte ich hier über die Beteiligung des Nordhäuser Südharz Klinikums an der 5. Langen Nacht der Wissenschaften der Fachhochschule Nordhausen einen ausführlicheren Eintrag getätigt. Und dabei den Vortrag des Chefarztes der Urologie-Klinik, Dr. Matthias Beintker zum Thema „Männergesundheit 2013“ in den Vordergrund gestellt.
In diesem Vortrag wurde speziell der Testosteronhaushalt des Mannes im Laufe seines Lebens mit seinen möglichen Auswirkungen auf seine Physik und Psyche behandelt, also auf seine Lebensqualität. Zu der auch sein sexuelles Vermögen gehört, das massgeblich von seinem Testosterongehalt bestimmt wird. Und von Dr. Beintker sehr anschaulich dargestellt wurde.
Dass dieser Vortrag quasi am Vorabend des Weltmännertages gehalten wurde, der gestern, also am Sonntag stattfand, mag dabei Zufall sein, passt aber gut in diesen Themenkomplex. Dem sich dabei die Stiftung Männergesundheit widmete. Auch hier räume ich ein, dass ich an dieser Thematik schon aus Altersgründen ein persönliches Interesse habe und ihm deshalb viel Aufmerksamkeit einräume.
Umso mehr, als im Rahmen dieses Weltmännertages von der Stiftung festgestellt wird, dass Männer nach wie vor eine geringere Lebenserwartung als Frauen haben: Ein heute geborenes Mädchen darf 83 Lebensjahre erwarten, ein Junge nur 78 Jahre – also gut fünf Jahre weniger! Die Ursachen sind vielfältig; sie reichen von einem ungesünderen Lebensstil (schlechtere Ernährungsgewohnheiten, höherer Alkohol- und bis dato auch Nikotinkonsum) bis hin zu risikoreicherem Verhalten. Eine genauere Analyse lieferte der erste Männergesundheitsbericht, den die Stiftung Männergesundheit 2010 publizierte. Darin wurde deutlich, dass der Mann kein Vorsorgemuffel ist, sondern die Gesundheitsangebote nicht dem männlichen Selbstverständnis entsprechen.

Doch nicht nur die Lebensdauer, auch die Lebensqualität ist ein wichtiger Faktor. Dabei schneiden Männer, wie es scheint, ebenfalls schlechter ab: „Viele Erkrankungen sind beim Mann mit Tabus belegt. Daher leidet er lieber, anstatt sich helfen zu lassen“, so Prof. Dr. Lothar Weißbach, wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Männergesundheit. Beim Thema Depression, das im Rahmen des zweiten Männergesundheitsberichts aus diesem Jahr untersucht wurde, kam das deutlich zum Vorschein: Zwar sind viel mehr Frauen als Männer wegen einer Depression in ärztlicher Behandlung, aber dreimal mehr Männer nehmen sich das Leben.

Wissensreihe soll Tabuisierung von Männererkrankungen abbauen

Männererkrankungen zu enttabuisieren und Männer zu ermuntern, sich im Bedarfsfall Rat bei einem ärztlichen Ansprechpartner zu holen, ist daher eines der wichtigen Anliegen der Stiftung Männergesundheit. „Männer haben oft eine falsche Scham, insbesondere wenn es um urologische oder psychische Erkrankungen geht“, so Weißbach. Die Stiftung setzt Wissen und Information dagegen und hat deshalb eine Wissensreihe mit geplanten 30 Ratgebern aufgelegt, die verständlich, prägnant und pharmaunabhängig über Männererkrankungen informiert. Die Stiftung hat zu dieser Problematik eine Heftreihe publiziert, von der es heißt „Für die ersten drei Hefte haben wir uns ganz bewusst stark tabuisierte Erkrankungen herausgesucht, Depression, erektile Dysfunktion und Prostatakrebs.“ Auch letztere sei noch immer mit starken Tabus belegt, was sich nicht zuletzt auch an der Art und Weise abzeichne, wie die Betroffenen mit der Erkrankung umgehen. „Möglichst schnell und radikal das Problem lösen, dabei auch Folgebeschwerden wie Impotenz oder Inkontinenz in Kauf nehmen, nur um schnell wieder als gesund zu gelten und sich nicht weiter mit der Thematik auseinandersetzen zu müssen.“

Information und Abwägung statt blindem Aktionismus

Mit dieser Vogel-Strauß-Strategie schaden sich die Männer allerdings vor allem selbst: Die meisten Tumore, die bei der urologischen Routineuntersuchung entdeckt werden, sind noch lokal begrenzt und wenig aggressiv, sie wachsen langsam oder oft auch gar nicht. Eine defensive Strategie wie die Aktive Überwachung („Active Surveillance“) ist dann eine mindestens ebenso gute Option wie Operation oder Bestrahlung, zumal Impotenz und Inkontinenz häufige Folgen des chirurgischen Eingriffs sind. Bei der Aktiven Überwachung wird erst dann operiert, wenn notwendig (falls überhaupt), jedoch nicht vorher und nicht verfrüht. „Voraussetzung ist aber, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen, was einen gewissen Grad an Informiertheit erfordert“, so Weißbach. Das Material der Stiftung bietet dabei Unterstützung. Neben einem Heft der Wissensreihe zu Prostatakrebs wird auch ein Informationsportal zur Aktiven Überwachung angeboten: www.as-bei-prostatakrebs.de
In diesem Zusammenhang kehre ich thematisch an das Südharz Klinikum zurück mit dem Hinweis auf die Fachvorträge, die dort monatlich stattfinden, gehalten von Ärztinnen und Ärzten im Klinikum. Programmkarten für das Vortragsprogramm 2013/2014 sind am Empfang des Südharzklinikums erhältlich und liegen in den Wartebereichen der einzelnen Stationen auf. Stand zum Beispiel im September das Thema „ Neue Behandlungsmethoden in der Urologie“ (Referent Dr. Matthias Beintker) auf dem Programm, lautete das Thema im Oktober „Arthrose – immer operieren?“ (Referent Dr. K.Letzel). Und an diesem Mittwoch (06.11.) referiert Dr. R. Wenzel Chefarzt der Klinik für Neurologie) über „Was sind Warnsignale des Schlaganfalls und was ist dann zu tun?“.

(Der Text zum Weltmännertag lehnt sich eng an eine Verlautbarung des idw -wissenschaftlichen Dienstes an.)