Im 19. Jahrhundert hieß es mal, dass
am deutschen Wesen die Welt genesen könne (Emanuel Geibel). Dass
sich das längst überholt hat, muss hier nicht betont werden. Nach
dem gerade vorgestellten ersten PISA-Test über das Alltagswissen von
Erwachsenen weiß nun die Öffentlichkeit, dass auch mit dem Wissen
der Deutschen nicht unbedingt Staat zu machen ist.
Die Medien haben dieses Thema natürlich
begierig aufgegriffen und kommentiert, ich muss das also nicht auch
noch versuchen. Dass ich mich überhaupt engagiere hat seine Ursache
mehr in dem Umstand, dass die Altersgrenze für diese Studie bei 65
Jahren lag, also sich wohl an der Regelaltersgrenze der Versicherten
in Deutschland (mit-)orientierte. Empfindungsgemäß wird mir bei
solchen Gelegenheiten nämlich immer sehr bewusst, dass ich diese
Grenze schon recht lange überschritten habe. Und – wie in diesem
Fall – mein Wissen nicht mehr gefragt ist. Was weniger mit diesen,
meinem Wissen zu tun hat, als mit Selbstwertgefühl. Man schluckt
dann mal - und macht weiter.
Um aber beim Thema zu bleiben überlege
ich schon, welche Bedeutung ein solcher Test hat, wenn ich lese, dass
Deutschland zum Beispiel in den Bereichen
Lesekompetenz, alltagsmathematische Kompetenz und technologiebasierte
Problemlösekompetenz. im internationalen Vergleich alles in allem
durchschnittlich ist. Dass aber die Werte der meisten Länder
insgesamt sehr nah beieinander liegen
Die
unterdurchschnittliche Lesekompetenz soll dabei durch Schwächen im
unteren Leistungsbereich verursacht sein. Und die Differenz zum
OECD-Mittel verdoppelt sich bei dem leistungsschwächsten Viertel der
deutschen Erwachsenen. Deren Lesekompetenz ist also deutlich
schwächer als die der leistungsschwächsten 25 % im Durchschnitt
aller OECD-Länder. Deutschland hat also Probleme, den
Leistungsschwächsten die notwendigen Grundkompetenzen zu vermitteln.
Das überdurchschnittliche Abschneiden in der alltagsmathematischen
Kompetenz ist dagegen auf Stärken im oberen Leistungsbereich
zurückzuführen. Hier zeigt sich, dass die besten 25 % deutlich
besser abschneiden als das entsprechende Viertel aller
OECD-Länder.
Besonders aber sollen Personen mit niedrigem
Bildungsabschluss in Deutschland im Ergebnis der Studie Probleme im
unteren Leistungsbereich aufweisen Mehr als die Hälfte der Personen
mit maximal einem Hauptschulabschluss verfügt danach nur über sehr
geringe Lese- und alltagsmathematische Kompetenzen. Sie sind somit
lediglich in der Lage, elementare Lese- und Rechenaufgaben zu
bewältigen. Personen mit vergleichsweise geringen Kompetenzen haben
– sowohl in Deutschland als auch international – deutliche
Probleme auf dem Arbeitsmarkt: Erwerbstätige weisen höhere
Grundkompetenzen auf als Nicht-Erwerbspersonen oder Erwerbslose. Auch
auf das Einkommen wirken sich Kompetenzen angeblich aus. So verdient
beispielsweise eine Person, deren Lesekompetenz 50 Punkte höher
liegt, im Schnitt monatlich fast 270 € mehr. Im Zeitalter der
Aufstocker allerdings eine relative Folge, wie ich meine.
Das
alles ist aber sicher recht interessant, nur liegt es wohl an den
Menschen innerhalb der untersuchten Altersgrenzen, ob sie aus den
Ergebnissen Lehren ziehen (können oder wollen) oder ihnen das Wissen
darüber genügt. Wichtiger aber ist wohl, dass die Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) alle drei Jahre
auch die bekannten weltweiten PISA-Untersuchungen bei 15-jährigen
Schülern durchführt. Und da hat ja die Veröffentlichung des ersten
Tests 2001 auch erhebliche Wissenslücken unter den Schülern in
Deutschland offenbart. Der damalige „PISA-Schock“ in der
Öffentlichkeit war damals die Folge. Und löste immerhin zahlreiche
Schulreformen aus. Die mittelfristig zu besseren Ergebnissen auch bei
den dann Erwachsenen führen könnten.