Mittwoch, 25. April 2018

Runter vom Sofa, raus an die Luft!


Die Stiftung Kindergesundheit warnt: Kinder und Jugendliche sitzen zu viel und bewegen sich immer weniger.

„Die Welt unserer Kinder wird mehr und mehr zu einer Sitzwelt“, warnte die Stiftung Kindergesundheit bereits vor zehn Jahren. Leider vergebens: Die Trägheit der heranwachsenden Generation ist seither noch größer geworden. Aktuelle Untersuchungen enthüllen einen bestürzenden Mangel an körperlicher Aktivität bei Kindern und Jugendlichen, berichtet die Stiftung in einer aktuellen Stellungnahme. Zu einem immer ernsteren gesundheitlichen Problem werde dabei die enorme Zunahme der Zeit, die Kinder und Jugendliche im Sitzen verbringen.

„Es zeigt sich immer eindeutiger, dass lange Sitzzeiten massive Auswirkungen auf die Gesundheit haben“, betont der Münchner Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Ein sitzender Lebensstil hat nachteilige Folgen für die Häufigkeit und Schwere von Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes mellitus Typ 2“.

Regelmäßige Bewegung ist für die Entwicklung eines Kindes von fundamentaler Bedeutung. Körperliche Aktivität ist essentiell für Gesundheit und Wohlbefinden. Deshalb empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) allen heranwachsenden Mädchen und Jungen, sich jeden Tag mindestens 60 Minuten lang moderat bis sehr anstrengend körperlich zu bewegen.

Dieser Richtwert wird allerdings in Deutschland nur noch von 22,4 Prozent der Mädchen und 29,4 Prozent der Jungen im Alter von drei bis 17 Jahren erreicht, stellt die Stiftung Kindergesundheit fest. Das ist das Ergebnis der umfassenden „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ KiGGS, deren dritte Erhebungswelle (KiGGS-Welle 2) jetzt ausgewertet wurde.

Vor allem Mädchen kommen kaum ins Schwitzen

Die Basiserhebung für diese Studie fand 2003 bis 2006 statt. An Welle 1 nahmen in den Jahren 2009 bis 2012 über 12.000 Mädchen und Jungen teil. Die zweite Folgeerhebung erfolgte von 2014 bis 2017. Erneut wurden Untersuchungen und Befragungen der mittlerweile zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen herangewachsenen Teilnehmenden der Basiserhebung durchgeführt und eine neue Stichprobe von 0- bis 17-Jährigen untersucht und befragt.

Die Epidemiologen des Robert-Koch-Instituts stießen dabei auf jede Menge „Sitzenbleiber“: 11,1 Prozent der Mädchen und 7,0 Prozent der Jungen bewegen sich sogar an weniger als zwei Tagen pro Woche jeweils eine Stunde aktiv. Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren bewegen sich am Wenigsten. Dabei ist die Zahl der gering aktiven Mädchen doppelt so hoch wie die der gleichaltrigen Jungen. Besonders auffallend: Mädchen und Jungen aus sozial benachteiligten Familien sind weniger körperlich aktiv als jene aus Familien mit einem mittleren oder hohen Status.

Nach der Schulbank auf die Couch

Um die Sitzgewohnheiten der Kinder zu ermitteln, haben Sportwissenschaftler der Universität Heidelberg 4.385 Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 20 Jahren in Deutschland, Luxemburg und Österreich befragt. Sie kamen zum ernüchternden Ergebnis: Kinder und Jugendliche verbringen an Werktagen rund 10,5 Stunden und am Wochenenden 7,5 Stunden sitzend. Im Mittel sind das 9,7 Stunden ohne körperliche Aktivität. Davon fallen unter der Woche rund 4,8 Stunden auf die Schulstunden. Zu Hause sitzen die Kinder dann noch einmal rund 1,1 Stunden über ihren Hausaufgaben. Das bedeutet: 71 Prozent der Zeit, in der Kinder an Werktagen wach sind, sitzen sie.

Auch am Wochenende verbringen sie immer noch 54 Prozent ihrer Wachzeit auf Stühlen, Sesseln, Couch oder Sofa. Fernsehen, Computerspiele, Smartphones und Spielekonsolen - die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen von Kindern und Jugendlichen finden im Sitzen statt. Professor Berthold Koletzko: „Der ausufernde Medienkonsum verdrängt aktivere Beschäftigungen. Die Zeit wird knapp für die anderen Bereiche des kindlichen Lebens“.

TigerKids sorgen für Äktschn

Richtiges Essen und viel Bewegung sind die wichtigsten Bausteine für die gesunde Entwicklung von Kindern. Je früher es gelingt, das Bewegungs- und Ernährungsverhalten in die richtigen Bahnen zu lenken, umso größer sind die Chancen, späteren Krankheiten und der Entstehung von Übergewicht vorzubeugen. Damit Kinder schon im frühen Lebensalter an gesunde Ernährungsformen und Bewegungsaktivitäten herangeführt werden, hat die Stiftung Kindergesundheit gemeinsam mit der Kinderklinik der Universität München und verschiedenen weiteren Partnern das Präventionsprojekt TigerKids zur Ernährungs- und Bewegungsintervention für Kindertageseinrichtungen entwickelt. Das Programm wurde bereits in über 5.500 Kitas praktiziert.

Professor Koletzko: „TigerKids ist ein praktikables Programm für mehr Bewegung und gesündere Ernährung in Kindergärten, bei dem auch die Eltern mit einbezogen werden“. Das TigerKids-Projekt dient mittlerweile in acht weiteren EU-Ländern als Modell für die Entwicklung von Präventionsmaßnahmen und wurde bereits vielfach ausgezeichnet, so als europäisches Modellprojekt zur Vorbeugung gegen Übergewicht im Weißbuch Adipositasprävention der EU, mit dem Gütesiegel des „Nationalen Aktionsforum Diabetes mellitus“, als Good Practice Projekt der Initiative „Gesundheitliche Chancengleichheit für Alle“ und mit dem „Fit for Future-Award der Cleven Stiftung.

Wie reißt man Kinder vom Stuhl?

„Zuhause sollten die Eltern selbst aktiv werden und in ihrem familiären Alltag für mehr Bewegung sorgen“, hebt Professor Koletzko hervor. „Als Faustregel für die Kinder gilt: Täglich mindestens eine Stunde im Freien toben oder körperlich so aktiv sein, so dass sich das Herz-Kreislaufsystem aktiviert, die Kinder außer Atem kommen und schwitzen“.

Um den Alltag bewegter zu gestalten, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit:

O Schicken Sie Ihre Kinder nach draußen, wann immer es Ihnen Zeit und äußere Umstände erlauben. Die Kleinen toben an der frischen Luft automatisch mehr. Erkunden Sie gemeinsam mit Ihren Kindern die Spielplätze Ihrer Umgebung und sehen Sie sich bei schlechtem Wetter auch mal In-door-Spielplätze an, statt die Kinder vor dem Fernseher "zu parken".

O In den eigenen vier Wänden können simple sportliche Hilfsmittel wie Hüpfpferd, Schwungtuch, Rhythmiktücher, Bogenroller, Rollbrett, Springseil, Balance-Scheiben mit Labyrinth oder Pedalo für verstärkte Aktivitäten sorgen.

O Selbst kleine Kinder- oder Wohnzimmer können bewegungsfreundlich mit Wohnwürfel, Kriechtunnel, Bällebad (Ballhaus), Trampolin etc. ausgestattet werden, um die Kinder indirekt zur Bewegung aufzufordern.

O Als kleine und größere Sportgeräte für drinnen und draußen eignen sich Hüpfgummi, Diabolo, Hamsterrolle, "River Stones" zum Balancieren, Hüpfsack usw.

O Kindergartenkinder können sich mit Hilfe von Laufrad, Fahrrad, Roller oder Bobbycar mit Freude schnell vorwärts bewegen.

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Mit einem Beitritt zum Freundeskreis der Stiftung Kindergesundheit können Sie die Arbeit der
Stiftung regelmäßig fördern.
Mehr Informationen hierzu finden Sie unter: www.kindergesundheit.de
Spendenkonto: HypoVereinsbank München
IBAN: DE41 7002 0270 0052 0555 20
SWIFT (BIC): HYVEDEMMXXX

Vielen Dank!

Giulia Roggenkamp Pressestelle, Stiftung Kindergesundheit
Mitteilung des idw - Informationsdienst Wissenschaft am 24.04.2018

Englische Woche: FSV Wacker 90 reist nach Fürstenwalde

Die englische Wochen in der Regionalliga Nordost gehen weiter. Am kommenden Mittwoch gastiert der FSV Wacker 90 Nordhausen beim FSV Union Fürstenwalde. Die Brandenburger spielen eine gute Saison und stehen aktuell mit 41 Punkten auf dem 7. Tabellenplatz und somit im gesicherten Mittelfeld. In der Hinrunde gewannen die Wackeren durch Tore von Peßolat, Becker, Pichinot und Scholl mit 4:1. Das es wieder eine klare Angelegenheit wird, denkt Volkan Uluc nicht. „Die englischen Wochen sind für die Jungs nicht einfach.
Fürstenwalde ist giftig in den Zweikämpfen, da müssen wir dagegenhalten. Es wird nicht einfach, nichtsdestotrotz wollen wir natürlich drei Punkte mitnehmen.“, so der Nordhäuser Cheftrainer.



Personell muss der FSV Wacker 90 Nordhausen auf einige Stammkräfte verzichten. Kapitän Jerome Propheter und Benjamin Kauffmann sahen beim Auswärtsspiel in Cottbus die fünfte gelbe Karte und müssen pausieren. Ebenfalls fällt Ilir Azemi (Migräne) und Lucas Scholl (Lungenentzündung) aus. Beim Youngster hofft Cheftrainer Uluc, dass er ab nächster Woche wieder am Mannschaftstraining teilnehmen kann. Hinter den Einsätzen von Nils Pichinot (in Cottbus umgeknickt) und Joy-Lance Mickels (muskuläre Probleme) stehen noch Fragezeichen. Schiedsrichter der Partie ist Patrick Kluge aus Zeitz. Ihm assistieren Lars Albert und Daniel Kresin. Anpfiff in der „Bonava-Arena“ Fürstenwalde/Spree ist 18:30 Uhr.

Dienstag, 24. April 2018

Geoparkbeirat tagte im Museum Aschersleben

Die Paläontologische Studiensammlung von Prof. Dr. Martin Schmidt im Museum Aschersleben gehört mit zu den bedeutendsten Fossiliensammlungen in Mitteldeutschland. Deshalb ist sie Geopunkt im UNESCO Global Geopark Harz · Braunschweiger Land · Ostfalen.

Unlängst trafen sich die Mitglieder des Geoparkbeirats des UNESCO-Geoparks im Museum Aschersleben zu ihrer letzten Sitzung in der aktuellen Besetzung. Für die engagierte Arbeit bedankten sich die Leiter des UNESCO-Geoparks Dr. Klaus George und Dr. Henning Zellmer bei den Beiratsmitgliedern. Im Herbst 2018 wird von den Vorsitzenden der Trägervereine des Geoparks ein neuer Beirat berufen.
Museumsleiterin Luisa Töpel führte die Anwesenden durch die Sammlung Schmidt. Der Ausstellungsraum befindet sich noch in dem Zustand seiner Neueinrichtung im Jahr 1934 und ist deswegen als „Gesamtkunstwerk“ einzigartig. Anschließend wurde über eine zeitgemäße Präsentation geologischer Sammlungen diskutiert. Die Beiratsmitglieder konnten wertvolle Hinweise geben und sagten Unterstützung in fachlichen Belangen zu. So soll beispielsweise ein Spezialist zur Feststellung des wissenschaftlichen Wertes der Sammlung vermittelt werden.

Der Beirat berät die Geopark Harz · Braunschweiger Land · Ostfalen GbR als Träger des gleichnamigen UNESCO-Geoparks in allen fachlichen Fragen, insbesondere in den Bereichen Geowissenschaften, Naturschutz, Umweltbildung, Kulturgeschichte und Tourismus. Er hat die Aufgabe, der Trägerin Anregungen zu unterbreiten, sie bei der Lösung anstehender Aufgaben zu unterstützen und allgemein Verständnis für die Verwirklichung der Ziele Erhalt des geologischen Erbes, Förderung der Regionalentwicklung und Bildung für nachhaltige Entwicklung zu wecken. Der Beirat wird für die Dauer von vier Jahren berufen.


Zu unserem Bild: Die Beiratsmitglieder im Ausstellungsraum (Foto: RVH)

Kooperationsvereinbarung „Schule und Bibliothek“ unterzeichnet

Nordhausen (psv) Eine Kooperationsvereinbarung haben heute die Schulleiterin der Staatlichen Regelschule „Petersberg“, Sabine Schröder und die Bürgermeisterin der Stadt Nordhausen, Jutta Krauth, unterzeichnet.

Ziel der Vereinbarung ist es, die Schülerinnen und Schüler für das Lesen zu gewinnen und für die Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Medien zu sensibilisieren. Für Bürgermeisterin Jutta Krauth bietet die Bildungspartnerschaft die besten Voraussetzungen „um die Bibliothek als Lernort für Schüler und junge Menschen erlebbar zu machen“.

Dabei soll die Bibliothek vor allem unterstützen und begleiten, zum Beispiel beim Vermitteln von Methoden zur Informationsrecherche, bei Leseaktionen wie z. B. Projekttagen oder Lesewettbewerben, bei Autorenlesungen, durch Förderung der Lesekompetenz und Lesemotivation sowie durch Angebote von Schülerpraktika. Im Gegenzug verpflichtet sich die Schule beispielsweise zum Unterricht in der Bibliothek, zur Bereicherung von Lehrinhalten der Unterrichtsfächer Deutsch, Kunsterziehung, Ethik oder Geschichte und zur Durchführung von Projekttagen in der Bibliothek.

Hintergrund:
Die Bibliothek der Stadt Nordhausen pflegt einen intensiven Austausch mit den Bildungseinrichtungen der Stadt, von den Kindergärten bis zu den Schulen. Über Kooperationsvereinbarungen soll die Bildungspartnerschaft intensiviert und verbindlicher geregelt werden. Bereits jetzt bestehen mit 12 Kindergärten, vier Grundschulen sowie zwei Regelschulen derartige Kooperationsvereinbarungen.
[Foto: Lutz Fischer]


Fünf neue Stolpersteine für Nordhausen

Nordhausen (psv) Am Donnerstag, dem 26. April 2018, werden um 11.00 Uhr in der Straße Auf dem Sand 3 ein Stolperstein und in der Neustadtstraße 1 vier Steine gesetzt, die an jüdische Bürgerinnen und Bürger erinnern. Sie wurden verfolgt, verschleppt, teilweise ist das Schicksal unbekannt oder haben Konzentrationslager überlebt. Die Setzung erfolgt in Anwesenheit einer Angehörigen aus den USA.

Möglich wurde das Projekt durch eine Initiative von Schülerinnen und Schülern des Staatlichen Herder-Gymnasiums in Zusammenarbeit mit dem Förderverein des Gymnasiums und der Beauftragten für Integration und Erinnerungskultur der Stadt Nordhausen.

Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie des Thüringer Landesprogramms für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit „Denk bunt“ des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport gefördert.


Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen!

Einzelhandel: Es gibt zu wenig gesunde Lebensmittel

Egal ob Fleisch-, Milch- oder Eierprodukte: In den Regalen deutscher Einkaufshäuser finden sich nur wenige Lebensmittel, die auch gesund für das Herz sind. Gerade diese Produkte haben großen Einfluss auf die Gesundheit des Herzkreislaufsystems. Auch die Ernährungsindustrie täte gut daran, diesen Sektor zu bedienen: Mit speziell angefertigten Lebensmitteln ließen sich jährlich Milliarden Euro verdienen. Das haben Forscherinnen und Forschern des Kompetenzclusters für Ernährung und kardiovaskuläre Gesundheit (nutriCARD) und der Conomic GmbH unter Leitung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) herausgefunden. Ihre Studie erschien kürzlich in der Fachzeitschrift "Ernährungsumschau".

Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen in Deutschland die Liste der Todesursachen nach wie vor deutlich an. Über 40 Prozent dieser Erkrankungen lassen sich auf eine unausgewogene Ernährung zurückführen. "Einerseits nehmen die Menschen zu wenig gesunde Lebensmittel zu sich, zum Beispiel Gemüse, Leguminosen und Obst. Andererseits enthalten gerade Fleischwaren und andere hochverarbeitete Lebensmittel viele problematische Inhaltsstoffe, etwa sehr viel Salz, Zucker oder gesättigte Fettsäuren", sagt der Ernährungswissenschaftler Dr. Toni Meier von der Universität Halle und nutriCARD. Deshalb bedarf es neuer Lebensmittel mit einer verbesserten Rezeptur: Gesundheitsförderliche Zusätze, wie Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren oder pflanzliches Eiweiß, sollten zusätzlich angereichert, der Salz- oder Zuckergehalt deutlich reduziert werden.

Die nutriCARD-Forscherinnen und -Forscher wollten herausfinden, wie viele potenziell gesundheitsförderliche Lebensmittel es bereits im Einzelhandel gibt. Deshalb erhoben sie in allen großen Warenhäusern, Supermärkten und Discountern der Stadt Halle (Saale) das Angebot für sämtliche Fleisch-, Milch- und Eiprodukte. Speziell schaute die Forschergruppe, ob sich unter den Lebensmitteln solche finden lassen, die laut Lebensmittelrecht mit gesundheitsförderlichen Inhaltsstoffen angereichert sind. Das Ergebnis: Von den 6.281 Fleischprodukten waren nur 118 potentiell herzgesund, bei den 12.417 erhobenen Milch- und Eierprodukten waren es 198. "Mit einer Marktdurchdringung von lediglich 1,9 Prozent bei Fleischerzeugnissen sowie 1,6 Prozent bei Milch- und Eiprodukten ist das Angebot von Lebensmitteln mit gesünderen Rezepturen nur rudimentär ausgeprägt", fasst Toni Meier zusammen.

Auch für Lebensmittelhersteller könnten diese Lebensmittel ein attraktiver Markt sein, wie die Forschergruppe in ihrer Studie errechnet hat: "Lebensmittelproduzenten könnten jährlich einen Umsatz von 1,5 bis 15,4 Milliarden Euro mit kardioprotektiven Lebensmitteln erzielen", sagt Meier weiter. Die große Spanne kommt zustande, weil die Forscher verschiedene Szenarien für den möglichen Absatzmarkt berechnet haben; in Deutschland leiden etwa 1,6 Millionen Menschen an Herzkreislauf-Erkrankungen, etwa 24 Millionen Menschen leiden unter Bluthochdruck. In einer parallel laufenden Akzeptanzstudie konnten die Forscher zudem zeigen, dass interessierte Verbraucher gewillt sind, 50 bis 60 Prozent höhere Preise für kardioprotektive Lebensmittel auszugeben.

"Neben der Aufklärung über die Auswirkungen der Ernährung auf die Gesundheit ist es besonders wichtig, dem Verbraucher auch im Supermarkt gesündere und gleichwohl geschmacklich hervorragende Produkte anzubieten, mit denen Herz-Kreislauf-Erkrankungen effektiv vorgebeugt werden kann. Nur wenn entsprechende Lebensmittel im Handel verfügbar sind, können Präventionsmaßnahmen auch flächendeckend und über alle sozialen Schichten hinweg wirken", so nutriCARD-Koordinator Prof. Dr. Stefan Lorkowski von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die gegenwärtige Angebotssituation werde dem Bedarf der Bevölkerung jedoch nicht im Geringsten gerecht.

Die Arbeit wurde vom Kompetenzcluster nutriCARD in Kooperation mit der Conomic GmbH durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Der Kompetenzcluster bündelt die Aktivitäten im Bereich der grundlagennahen und der angewandten Ernährungsforschung der im mitteldeutschen Universitätsbund kooperierenden Universitäten Halle-Wittenberg, Jena und Leipzig.
Tom Leonhardt Pressestelle, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Link zur Studie:
Bratzke F, Ritschel F, Wache R, Thamm K, Kühn J, Dawczynski C, Wiacek C, Stangl G, Braun P, Lorkowski S, Meier T (2018): Marktanalyse potenziell kardioprotektiv wirkender Lebensmittel unter Berücksichtigung von Health und Nutrition Claims. Fokus: Fleischerzeugnisse, Milch- und Eiprodukte. Ernährungsumschau International 65(1): 2-11 DOI: 10.4455/eu.2018.002
Mitteilung des idw - Informationsdienst Wissenschaft am 23.04.2018

Oberbürgermeister Andreas Bausewein eröffnet vocatium Region Erfurt 2018

 Erfurt 23. April 2018 – Um 8.30 Uhr warten die ersten Klassen vor dem Steigerwaldstadion auf ihre Gespräche mit den Ausstellern. Herr Oberbürgermeister Bausewein schneidet das grüne Band durch und die 9. Fachmesse für Ausbildung+Studium ist eröffnet. Am ersten Messetag haben ca. 1.000 Schüler die vocatium besucht. In dem schönen Parksaal werden konzentrierte Gespräche zwischen Ausstellern und Schülern geführt. In der ersten Etage treffen parallel Vertreter aus den Bereichen Wirtschaft und Bildung zusammen. Zur Diskussion stehen die Fragestellungen: „Vor welchem Wandel steht die Berufsausbildung in Zeiten der Digitalisierung? Auf welche Kompetenzen der Auszubildenden kommt es an?“ Im Gespräch mit Maria Teresa Hummel und Imke Rudlof vom IfT Institut für Talententwicklung waren namhafte Vertreter aus der hiesigen Ausbildungspraxis zugegen.

Udo Bauer, Abteilungsleiter für Personalmarketing und -entwicklung der Stadtwerke Erfurt, wies auf die besondere Bedeutung einer an der Digitalisierung orientierten Ausbildung hin: Die Gestaltung zukünftiger digitaler Lebens- und Arbeitswelten stelle völlig neue Ansprüche an die kommenden Tätigkeiten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Je mehr digitale Technik vorhanden sei, desto wichtiger sei es, sie angemessen bedienen zu können. Weil die Zeiträume für die Umsetzung technischer Veränderungen immer kürzer würden, spiele die Flexibilität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zukünftig eine zentrale Rolle in ihrer Erwerbsbiografie. Während heute niemand genau sagen könne, welche Anforderungen die Berufsausbildung von morgen mit sich bringe, weil ständig neue Berufsbilder entstünden, gelte als übergreifender Auftrag der Berufsausbildung die Vermittlung von Werten.

Laut Karsten Pohlemann, Schulleiter der Andreas-Gordon-Schule in Erfurt, sei es für die zukünftige Schulbildung entscheidend, dem Thema der Digitalisierung aufgeschlossen gegenüberzutreten, da nicht zuletzt die Erwartungshaltung der Unternehmen steige. Der Fokus liege dabei vor allem auf einer dualen Ausbildung, die die Kooperation zwischen Schule und Wirtschaft ermögliche. Um zukünftige Auszubildende bereits im Kindesalter für die digitale Technik zu begeistern, beteiligte sich die von ihm geleitete berufsbildende Schule etwa an der Erfurter „Kinderkult“-Messe. Mit dem „digitalen Klassenzimmer 4.0“ erhielten die Jüngsten hierbei einen spielerischen Einblick in die zukünftige Welt des Programmierens, des digitalen Sprachenlernens und des 3D-Drucks. 

Dr. Gerald Lengyel, Bereichsleiter für Jugendliche der Agentur für Arbeit Erfurt, stellte heraus, dass die Kompetenz der Auszubildenden im Umgang mit den digitalen Medien allein nicht ausreichend sei, um die Arbeitswelt der Zukunft erfolgreich zu gestalten. Auch im Zeitalter der digitalen Technik spiele die Fähigkeit des individuellen Abwägens eine entscheidende Rolle. Die soziale Kompetenz sei es auch, die neben dem technisch-physikalischen Grundwissen auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft gefragt sei: So erweise sich die vormalige Vorstellung klarer hierarchischer Strukturen als zunehmend hinfällig. Zudem komme es zukünftig insbesondere auf interkulturelle Kompetenzen an, weil eine global vernetzte Wirtschaft das Wissen um die Besonderheiten diverser kultureller Hintergründe erfordere. Da grundsätzlich alle Berufe von der Digitalisierung betroffen seien, sei nicht etwa die Digitalisierung für den vielfach beschworenen Verlust traditioneller Berufsbilder verantwortlich, sondern vielmehr die mit ihr einhergehenden Umstrukturierungs- und Rationalisierungsprozesse. Wer vom digitalen Wandel profitieren wolle, müsse ein neues Verhältnis zum Thema Weiterbildung entwickeln: Statt auf einmal erworbene Fähigkeiten immer wieder zurückgreifen zu können, sei es erforderlich, sich permanent weiterzuentwickeln. Hierfür könnten neue Kooperationen zwischen Schulen, Universitäten und Unternehmen die Grundlage schaffen.


Auch am 24. April 2018 stehen die Türen der vocatium Region Erfurt offen. Schüler, Eltern, Lehrer sowie interessiertes Fachpublikum sind herzlich willkommen.