Montag, 24. Juli 2017

Bürgermeisterin Jutta Krauth gratuliert Ostrów Wielkopolski zu einer hohen Auszeichnung des Europarats

Nordhausen (psv) Bürgermeisterin Jutta Krauth hat jetzt in einem Brief der Präsidentin der polnischen Partnerstadt Ostrów Wielkopolski, Beata Klimek, zu einer hohen Auszeichnung des Europarats gratuliert. Gleichzeitig übermittelte sie die besten Grüße des Freundeskreises Nordhausen-Ostròw Wielkopolski sowie der Nordhäuser Bürger.

Für eine langjährige Zusammenarbeit mit den Partnerstädten und für die Förderung der europäischen Idee erhielt Ostrów Wielkopolski vor kurzem in der Stadthalle von Straßburg vom Europarat das Europa-Diplom.

„Wir sind stolz auf die lebendige Partnerschaft und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit im Geiste der europäischen Gemeinschaft“, schrieb die Bürgermeisterin. Wie hoch diese Auszeichnung sei, zeige sich auch darin, dass aus über eintausend Bewerbungen nur sieben Städte aus fünf Ländern ausgewählt wurden.

Das Diplom nahmen die Präsidentin der Stadt Ostrów Wielkopolski, Beata Klimek und der Vorsitzende des Stadtrates, Jaroslaw Lisiecki, entgegen. „Diese Auszeichnung ist für uns einerseits eine große Ehre und Wertschätzung unserer langjährigen Zusammenarbeit mit unseren Partnerstädten Nordhausen, Delitzsch, Brantford und Lecce und andererseits eine große Inspiration und Motivation für weitere Maßnahmen. Gerade heute ist ein gemeinsames, starkes und sicheres Europa, das sich auf den Aufbau von Frieden und Wohlstand seiner Bürger konzentriert, sehr wichtig“ sagte Beata Klimek in ihrer Dankesrede.


Foto: Präsidentin Beata Klimek, hier bei ihrem Besuch in Nordhausen 2017, hat jetzt in Straßburg das Europa-Diplom vom Europarat entgegengenommen. (Foto: I. Bergmann, Stadtverwaltung Nordhausen)

Sonntag, 23. Juli 2017

Der KUNSTHAUS MEYENBURG Förderverein ist auf gutem Wege

Das wöchentliche "Feininger-Spendenbarometer"

Der Zeitpunkt, an dem die Skizze mit dem Motiv der Blasii-Kirche, geschaffen am 1.4. 1932 von Lyonel Feininger, dem Kunsthaus und damit der Stadt Nordhausen übergeben wird, rückt näher.
Der Verein hat vor, zum Ende jeder Woche die Summe der bisher eingegangenen Spenden zu veröffentlichen, gewissenmaßen und bildlich gesprochen, als "Spendenbarometer"
.
                            Am Samstag, den 22. Juli, waren es 2.450 Euro !

Dieser Betrag setzt sich zusammen aus Spenden mit einem vierstelligen Betrag bis zu einer Zuwendung von 5 Euro!
Die Freude ist groß und zeigt, dass die Bereitschaft für Kunst einen persönlichen Beitrag zu leisten durchaus vorhanden ist. Für manchen ist es relativ leicht 100 Euro zu spenden, aber Spenden von 5 Euro oder 10 Euro zeigen, dass es für Mitmenschen mit einem geringen Einkommen eine Überlegung, vielleicht eine Überwindung darstellt, dieses Anliegen mit diesem Beitrag zu unterstützen. Ihnen gilt mein ganz persönlicher und besonderer Dank!
Auch danke ich Mitgliedern, die über ihren Jahresbeitrag hinaus sich an dem "Feininger" beteiligen. Wir als Vorstand sind gespannt, mit welcher Endsumme diese Aktion beendet wird.
Ein gutes Drittel der benötigten Summe von 6.500 Euro ist eingegangen - oder bildlich gesprochen: 'Die ungleichen Türme auf der Skizze, die Lyonel Feininger so beeindruckt haben, gehören bereits uns!'
Wer noch am Überlegen ist oder werben möchte für diese Aktion, hier nochmals die Bankverbindung.
KUNSTHAUS MEYENBURG Förderverein e.V. .                        IBAN:     DE66 8205 4052 0305 0109 13 BIC:      HELADEF1NOR                                                                                              Kennwort „Feininger“
Wenn möglich auch den Namen angeben, denn es ist vorgesehen mit Erlaubnis der Spender die Namen veröffentlichen. Bis zum nächsten Stand der "Feininger-Spendenbarometers" danke ich im Namen des Vorstandes allen Spendern.

Dr. Wolfgang R. Pientka KUNSTHAUS MEYENBURG FÖRDERVEREIN e.V.


Freitag, 21. Juli 2017

Aus der nächsten Ausgabe der Wochenzeitung „Das Parlament“ (Erscheinungstag: 24. Juli 2017)

Norbert Lammert: Wehmut ist noch nicht da / Interview mit der Zeitung „Das Parlament“

Der nach zwölf Jahren aus dem Amt scheidende Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) wünscht dem neuen Parlament, das am 24. September gewählt wird, die im Bundestag bemerkenswert ausgeprägte Streitkultur zu bewahren. Lammert sagte der Wochenzeitung „Das Parlament“ (Erscheinungstag 24. Juli), diese Kultur habe sich „nach den traumatischen Erfahrungen des Scheiterns der ersten deutschen Demokratie und den noch entsetzlicheren Folgewirkungen glücklicherweise entwickelt“. Er sehe in keinem anderen Parlament „ein besser balanciertes Verhältnis von Konkurrenz und Konsens, von Konfliktfähigkeit und Kompromissbereitschaft als im Deutschen Bundestag“.

Der 68-jährige Lammert sagte, er verlasse das Parlament nach 37 Jahren ohne Wehmut. Er habe seine Entscheidung, nicht wieder für den Bundestag zu kandidieren, keineswegs spontan im Lichte anstehender Kandidatenaufstellungen getroffen. Vielmehr sei er vor vier Jahren in die jetzt zu Ende gehende Legislaturperiode „mit der festen Absicht gegangen, dass es meine letzte sein wird“.
Lammert betonte, er hoffe sehr, dass die verpasste Wahlrechtsreform nicht zu einem personell übermäßig aufgeblähten 19. Bundestag führen wird. „Wenn es doch so kommt“, sagte Lammert mit Blick auf die nächste Legislaturperiode, „wird die notwendige Veränderung noch schwieriger.“ Der aus Bochum stammende Bundestagspräsident hatte immer wieder auf die Notwendigkeit hingewiesen, das Wahlrecht so zu reformieren, dass nicht wesentlich mehr als die dort eigentlich vorgesehenen 598 Sitze erlangt werden können. Derzeit hat der Deutsche Bundestag 630 Abgeordnete.
Das Interview im Wortlaut:
Herr Präsident, zu Beginn der zu Ende gehenden Legislaturperiode haben Sie angemahnt, die Rechte der parlamentarischen Minderheit zu wahren; es gab dann Veränderungen in der Geschäftsordnung des Bundestages. Hat im Rückblick das Wechselspiel von Regierungskoalition und Opposition bei einem Kräfteverhältnis von vier zu eins funktioniert?
Norbert Lammert: Die Mehrheitsverhältnisse sind, wie sie sind, auch wenn sich daraus gelegentlich schwierige Konstellationen ergeben. Was die Vereinbarungen zum Umgang mit Minderheitenrechten angeht, hat der Bundestag ein beachtliches Beispiel für die parlamentarische Kultur unseres Landes abgeliefert, wenn die Opposition die dafür vorgesehenen Quoren nicht erreicht. Ich glaube nicht, dass es viele Parlamente in Europa und noch weniger außerhalb Europas gibt, die zu so einer Vereinbarung bereit und in der Lage gewesen wären. Und dass wir das offenkundig auch mit dem nötigen Augenmaß getan haben, bestätigen die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zu noch weitergehenden Ansprüchen.

Der Bundestag soll die Regierung kontrollieren. Zugleich wird die Regierung von der Mehrheit des Parlaments getragen, die sie ja auch gewählt hat. Ist das ein Widerspruch?
Norbert Lammert: Das ist das Wesen der parlamentarischen Demokratie und sicher keine Innovation der 18. Legislaturperiode. Parlamentarische Demokratien unterscheiden sich von Präsidialdemokratien durch nichts mehr als genau diesen Umstand, dass die Regierung nicht aus einem eigenständigen Wahlakt hervorgeht, sondern durch eine Entscheidung des gewählten Parlaments. Dass sich daraus ein Spannungsverhältnis ergibt zwischen der Unterstützung einer selbst ins Amt gehobenen Regierung auf der einen Seite und der verfassungsrechtlichen Kontrollfunktion des Parlaments auf der anderen Seite, trifft zweifellos zu. Ich habe ja gelegentlich vorgetragen, dass mir bei allen bisher praktizierten Koalitionen der Betreuungsreflex der Fraktionen gegenüber der jeweiligen Regierung ausgeprägter erscheint als die Kontrollbegeisterung.

Ist der Bundestag gegenüber der Bundesregierung selbstbewusst genug?
Norbert Lammert: Im Allgemeinen ja, im Einzelnen nicht immer.

Immer wieder haben Sie beklagt, dass vor allem die öffentlich-rechtlichen Medien nicht ausreichend über die Sitzungen des Bundestages berichten. Ist das noch immer so?
Norbert Lammert: Nachdem ich mich in früheren Legislaturperioden ein paar Mal lautstark zu der unzureichenden Berichterstattung geäußert habe, ist eine Vereinbarung gefunden worden, die zwar nicht der Traum meiner schlaflosen Nächte ist, aber die ich für vertretbar halte und die auch im Großen und Ganzen funktioniert. Demnach sind alle Plenarsitzungen des Deutschen Bundestages grundsätzlich bei Phoenix zu sehen. Besonders wichtige Debatten und parlamentarische Ereignisse werden darüber hinaus in einem der öffentlich-rechtlichen Hauptprogramme gesendet. Hinzu kommt natürlich der Internet-Auftritt des Bundestages, der ebenfalls live berichtet. Jeder kann die Debatten also ohne zusätzliche Kosten verfolgen.

Ihr Ärger ist also verflogen?
Norbert Lammert: Manche kritischen Einwände, die ich vor dem Hintergrund der Entwicklung des öffentlich-rechtlichen und mithin gebührenfinanzierten Systems im Vergleich zu privaten Anbietern gemacht habe, halte ich ausdrücklich aufrecht. Aber was die Praxis der Berichterstattung aus dem Bundestag angeht, kann ich mit Blick auf die jetzt zu Ende gehende Legislaturperiode keinen zusätzlichen Grund zur Klage entdecken.

Nun sind aber auch nicht alle Sitzungen des Parlamentes so spannend, dass sie automatisch das Interesse der Zuschauer wecken würden. Immer wieder ist deshalb über Reformen gesprochen worden, beispielsweise hinsichtlich der Fragestunde an die Regierung. Sind veränderte Abläufe nötig?
Norbert Lammert: Der Bundestag darf seine Arbeit nicht in erster Linie unter dem Gesichtspunkt der medialen Verwertbarkeit organisieren. Deswegen akzeptiere ich ja auch ausdrücklich, dass nicht jede Plenardebatte an Stelle solch bedeutender Angebote wie die Serie „Rote Rosen“ oder die Komödie „Schaumküsse“ im Vormittagsprogramm von ARD und ZDF live und in Farbe zu sehen ist. Dass es aber Möglichkeiten der Optimierung unserer parlamentarischen Debatten und damit auch ihrer Attraktivität gibt, habe ich häufig vorgetragen, nicht immer mit Erfolg. Allerdings hat es ja auch Veränderungen gegeben. Die Fragestunde etwa ist ein bisschen besser geworden, sie ist aber immer noch nicht gut. Und das wird sich auch nicht ändern, so lange das Parlament nicht darauf besteht, den Gegenstand der Regierungsbefragung selbst festzulegen.

Ihren wiederholten Anregungen, noch vor der Bundestagswahl das Wahlrecht zu ändern, um ein immerhin mögliches Aufblähen des Parlaments auf 700 Abgeordnete oder mehr zu verhindern, sind die Fraktionen nicht gefolgt. Muss nun um die Arbeitsfähigkeit des neuen Parlaments gebangt werden?
Norbert Lammert: Zunächst: Die 598 Abgeordneten, die im deutschen Wahlrecht vorgesehen sind, halte ich für maßvoll, auch im internationalen Vergleich. Das britische Parlament etwa ist mit 650 Sitzen deutlich größer und das bei einer Bevölkerung, die etwa 20 Millionen weniger zählt als die in Deutschland. Immerhin ist nicht zu vergessen, dass die rund 600 Mitglieder des Parlamentes es bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben mit einer um ein Vielfaches höheren Zahl von Mitarbeitern in den Ministerien und nachgeordneten Bundesbehörden zu tun haben. Mit einem kleineren Bundestag wäre ganz sicher keine Verbesserung der Leistungsfähigkeit zu erreichen, schon gar nicht bei der Kontrollaufgabe des Parlaments.

Und mit einem größeren?
Norbert Lammert: Umgekehrt wird niemand ernsthaft behaupten wollen, dass die Leistungsfähigkeit des Bundestages parallel zur ansteigenden Mitgliederzahl wächst. Umso dringender wäre es gewesen, das rechtzeitig vor der Bundestagswahl zu korrigieren. Das ist leider nicht geschehen.

Wie geht es jetzt weiter? Sehen Sie da noch Bewegungsspielraum?
Norbert Lammert: Ich hoffe ja sehr, dass die von allen gemeinsam gesehenen Risiken bei den nächsten Bundestagswahlen gar nicht eintreten, die ich gerne durch eine rechtzeitige Korrektur des Wahlrechtes abwenden wollte. Wenn es doch so kommt, wird die notwendige Veränderung noch schwieriger.

Zu den besonderen Momenten im Bundestag zählen die vielen Gedenkveranstaltungen, insbesondere die zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Dabei sprachen meist Zeitzeugen, von denen aber immer weniger leben. Wie kann sich die Gedenkkultur des Parlamentes darauf einstellen?
Norbert Lammert: Dass dieses Parlament inzwischen eine starke Tradition zur Erinnerungskultur unseres Landes entwickelt hat, gehört zum bemerkenswerten Selbstverständnis des Hauses. Selbstverständlich reduziert sich die Erinnerungskultur nicht auf das jährliche Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus. Deswegen habe ich in den vergangenen Jahren immer wieder bedeutende Jahrestage herausragender historischer Ereignisse wie Beginn oder Ende der beiden Weltkriege, den 65. Geburtstag des Grundgesetzes und andere genutzt, um sie im Plenarsaal des Bundestages zum Gegenstand eines gemeinsamen Reflektierens zu machen: Was hat damals stattgefunden? Was bedeutet das für uns heute und für unser Verhältnis zu unseren Nachbarn? Und wir haben dazu immer wieder eindrucksvolle und in vielen Fällen auch nachhaltige Beiträge deutscher wie internationaler Gäste gehört.

Auch zur Gedenkstunde anlässlich des 27. Januar.
Norbert Lammert: Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz ist eine besondere Herausforderung, seit der damalige Bundespräsident Roman Herzog dieses Datum 1996 als nationalen Gedenktag festgelegt hat. Es war absehbar, dass wir irgendwann keine Zeitzeugen mehr haben würden, die mit ihrer eigenen Biografie von dem berichten können, was im Nationalsozialismus geschehen ist, und die daraus ihre persönlichen Schlussfolgerungen für die Gegenwart und die Zukunft herleiten können. Aber wir hatten aus unterschiedlichen Gründen auch bisher schon Redner, die keine Zeitzeugen waren, aber mit ihrer Darstellung einen ebenso großen Eindruck hinterlassen haben.

In den zwölf Jahren Ihrer Parlamentspräsidentschaft gab es sicher eine Fülle von herausragenden Ereignissen. Was war für Sie etwas ganz Besonderes?
Norbert Lammert: Zum Beispiel der Besuch von Papst Benedikt XVI. und seine Rede im Bundestag: zum ersten Mal ein deutscher Papst vor einem deutschen Parlament. Zu den großen Erfahrungen, die für mich so nicht erwartbar waren, gehört mein erster Besuch in Israel im Amt des Bundestagspräsidenten vor mehr als zehn Jahren. Dass dort ein deutscher Parlamentspräsident mit militärischen Ehren in der Knesset unter Abspielen der deutschen Nationalhymne empfangen würde, hatte ich mir nicht vorstellen können. Es war beeindruckend zu beobachten, wie sich israelische Kolleginnen und Kollegen mit ihrer eigenen Biografie, ihrer politischen Rolle und ihrer Vorstellung von Deutschland auseinandergesetzt haben. Und wie ausschlaggebend auch dabei persönliche Kontakte für die Beziehungen zwischen Ländern und Institutionen sind.

Sie sind seit 37 Jahren im Bundestag. Ist das Parlament ein Ort, an dem Freundschaften entstehen können?
Norbert Lammert: Durchaus, obwohl die allermeisten Freundschaften nicht im Beruf, nicht nach dem 50. oder 60. Lebensjahr, sondern in der Schulzeit, im Studium, in der Ausbildung entstehen. Das gilt gewiss auch für Abgeordnete, was aber nicht ausschließt, dass sich sehr enge Beziehungen und im Einzelfall auch dauerhafte Freundschaften entwickeln können, die dann übrigens regelmäßig mit der Fraktionszugehörigkeit fast nichts zu tun haben.

Sie kandidieren nicht mehr für den Bundestag. Was überwiegt jetzt? Ein Gefühl der Befreiung, ein Gefühl der Erleichterung oder doch eher Wehmut?
Norbert Lammert: Eigentlich kann ich in diesem Zusammenhang mit allen drei Begriffen nichts anfangen. Ich fühle mich weder befreit noch erleichtert, weil mir etwa Verpflichtungen von der Schulter genommen würden, die mir zunehmend lästig geworden wären. Und was die Wehmut angeht: Ich bin selbst verblüfft, dass sich dieses von vielen vorausgesagte Gefühl bei mir nicht einstellen will. Aber ich schließe nicht aus, dass das noch kommt. Allerdings habe ich meine Entscheidung ja nicht spontan irgendwann im Frühjahr dieses Jahres unter Berücksichtigung der Aufstellung von Kandidaten im Wahlkreis und in der Landespartei getroffen, sondern ich bin in diese Legislaturperiode mit der festen Absicht gegangen, dass es meine letzte sein wird. So hatte ich drei Jahre Zeit, mich in ganz unterschiedlichen Situationen immer wieder zu fragen: Meinst du das wirklich so? Zum Zeitpunkt der öffentlichen Verkündung war das also eine seit langem gereifte und immer wieder bestätigte Entscheidung, die bis jetzt keine Verunsicherung erfahren hat.

Was werden Sie an Ihrer Arbeit im Bundestag vermissen?
Norbert Lammert: Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Aber dass sich vieles ändern wird, ist ja absehbar. Zu den faszinierenden Aspekten eines solchen Amtes gehört, dass man mit vielen ungewöhnlichen Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammenkommt. Ein politisches Spitzenamt bietet regelmäßig Begegnungen mit herausragenden Wissenschaftlern, Künstlern, Sportlern, Kirchenführern. Das habe ich immer als inspirierend und motivierend empfunden. Das wird es so nicht mehr geben. Ob mir das wirklich fehlen wird, weiß ich nicht.

Was wünschen Sie dem neuen, dem 19. Bundestag und dessen Präsidenten?
Norbert Lammert: Dass wir die bemerkenswerte Streitkultur, die wir nach den traumatischen Erfahrungen des Scheiterns der ersten deutschen Demokratie und den noch entsetzlicheren Folgewirkungen glücklicherweise entwickelt haben, mit beiden Händen festhalten. Ich sehe nirgendwo ein besser balanciertes Verhältnis von Konkurrenz und Konsens, von Konfliktfähigkeit und Kompromissbereitschaft als im Deutschen Bundestag. Als einfacher Staatsbürger wünsche ich mir sehr, dass das so bleibt. Und jedem, der von diesem Parlament zum Präsidenten gewählt wird, kann man nur wünschen, dass er die Autorität mitbringt oder gewinnt, die man braucht, um zu dieser Balance beizutragen. Sowohl nach innen wie vor allen Dingen auch im Verhältnis zu anderen Verfassungsorganen, zu den Medien, zur Öffentlichkeit. Es gibt keine schönere und nur wenige auch nur annähernd vergleichbar anspruchsvolle Aufgaben.

Deutscher Bundestag
Presse und Kommunikation, PuK 1

Die Hälfte der Deutschen fürchtet, im Alter nicht das richtige Pflegeheim zu finden

Hat mein zukünftiges Pflegeheim genug Personal? Passt die Ausstattung zu meinen Bedürfnissen? Ermöglicht es mir als Pflegebedürftigem eine gute Lebensqualität? Jeder zweite Deutsche hat das Gefühl, diese Fragen nicht sicher beantworten zu können. 90 Prozent der Deutschen verlangen aus diesem Grund mehr Informationen über Pflegeeinrichtungen. Die Bertelsmann Stiftung macht einen Vorschlag, wie das funktionieren könnte.

Gütersloh, 20. Juli 2017. Der sogenannte Pflege-TÜV mit den „Pflegenoten“ liefert momentan keine ausreichenden Informationen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Jeder zweite Deutsche fürchtet, im Alter nicht das passende Pflegeheim oder den passenden Pflegedienst zu finden. Das zeigt eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung, die das Meinungsforschungsinstitut Kantar Emnid durchgeführt hat. Der vom Gesetzgeber einberufene Qualitätsausschuss sollte an diesem Informationsmissstand bis Ende des Jahres etwas ändern. "Das Gremium, das aus Vertretern der Pflegekassen und -anbieter besteht, hat bereits angekündigt, die Frist nicht einzuhalten. Das geht zulasten der Ratsuchenden. Schon heute wäre es ohne großen Aufwand möglich, entscheidungsrelevante Informationen bereitzustellen", sagt Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung.

Sorge vor zu wenig Pflege-Personal
55 Prozent der Deutschen sehen bei Pflegeheimen und -diensten starke Qualitätsunterschiede. Nahezu zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) befürchten besonders, dass es in den Einrichtungen zu wenig Personal gibt. Unter denjenigen, die bereits nach Pflegemöglichkeiten gesucht haben – immerhin jeder Dritte über 50 Jahren – ist diese Sorge noch ausgeprägter: Hier schätzen 73 Prozent die Anzahl des Personals in Pflegeheimen als "eher schlecht" oder "sehr schlecht" ein. Dabei steht insbesondere für diese erfahrenen Pflegeheimsuchenden die Personalsituation auf Platz zwei der wichtigsten Auswahlkriterien – gleich hinter der Qualität der Pflege.

Bürger verlangen nach mehr Informationen zu Pflegeheimen
Neun von zehn Befragten verlangen Daten zum Personaleinsatz (88 Prozent), der Pflegequalität (94 Prozent) und der Ausstattung von Pflegeheimen (92 Prozent). Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, unterstützt diesen Informationsanspruch: "Pflegebedürftige und ihre Familien sollten alle nötigen Informationen erhalten, um sich für den passenden Anbieter entscheiden zu können." 
Qualitätsausschuss und Politik verantworten zukünftige Entwicklung
In der Verantwortung für die zukünftige Entwicklung stehen die Verbände der Pflegekassen und -anbieter sowie die neue Bundesregierung. "Der vom Gesetzgeber einberufene Qualitätsausschuss sollte sich nicht nur auf die Pflegequalität konzentrieren, sondern auch Angaben zum Personaleinsatz und zu auswahlrelevanten Einrichtungsmerkmalen in die neue Qualitätsberichterstattung einbeziehen", sagt Etgeton.

Ein Konzept für einen hilfreichen Pflege-TÜV
Wie ein Angebot aussehen könnte, das bei der Suche nach dem richtigen Pflegeanbieter alle nötigen Informationen transparent macht, hat die Weisse Liste, ein Projekt der Bertelsmann Stiftung, zusammen mit Experten aus Wissenschaft und Betroffenenverbänden in einem Reformkonzept erarbeitet. Die Weisse Liste schlägt ein Bewertungssystem für Pflegeeinrichtungen vor, in dem Informationen zur gesundheitsbezogenen Pflegequalität, Angaben zum Personaleinsatz und zu Einrichtungsmerkmalen aufgenommen werden, die für die Lebensqualität der Pflegebedürftigen von Bedeutung sein können. Sechs zentrale Reformvorschläge stehen dabei im Mittelpunkt:

1. Online-Plattform: Anstatt die Pflegequalität wie bisher standardisiert in Papierform beziehungsweise als pdf-Datei zu veröffentlichen, sollten Informationen über Pflegeeinrichtungen online zugänglich, individuell erschließbar und aktuell sein.
2. Auskunft Lebensqualität: Die Pflegeanbieter sollten verpflichtet werden, über Leistungs- und Ausstattungsmerkmale Bericht zu erstatten, welche die Lebensqualität von Pflegebedürftigen maßgeblich beeinflussen.
3. Auskunft Personalangaben: Die Pflegeanbieter und -kassen sollten verpflichtet werden, Auskunft darüber zu geben, wie viele Pflegebedürftige ein Pflegender betreut und wie das Personal qualifiziert ist.
4. Darstellung Pflegequalität: Anstatt die Pflegequalität in Dezimalzahlen oder Noten zusammenzufassen, sollten Empfehlungen und Warnungen für Suchende unmissverständlich aufgezeigt werden. Der Weisse Liste-Prototyp schlägt hier beispielsweise ein rotes Warndreieck für besonders schlechte und einen grünen Daumen für besonders gute Pflegequalität vor.
5. Auskunft Erfahrungswissen: Die Erfahrungen von Menschen, die am Pflegeheimalltag teilhaben – beispielsweise Pflegebedürftige, ihre Angehörigen oder Mitarbeiter – sollten erhoben und veröffentlicht werden.
6. Einführung Open-Data: Die erhobenen Rohdaten über Pflegeanbieter sollten zur freien Verfügung und Nutzung bereitstehen – beispielsweise zu Forschungszwecken oder für Informationsangebote im Internet.

Die Reformvorschläge im Einzelnen, Details zum fachlichen Hintergrund sowie ein Video, in dem ein Prototyp eines solchen Online-Angebots vorgestellt wird, finden Sie unter: www.weisse-liste.de/public-reporting-pflege  
Zusatzinformationen
2016 hat der Gesetzgeber einen Qualitätsausschuss verpflichtet, bis Ende 2017 ein neues Bewertungssystem für Pflegeheime auszuhandeln, das die seit 2009 geltenden "Pflegenoten" ablösen soll. Im Ausschuss verantwortlich sind die Verbände der Pflegeanbieter und -kassen. Auch die Betroffenen- und Verbraucherverbände sind beteiligt, verfügen allerdings über kein Stimmrecht. Nach Auskunft des Gremiums wird die gesetzliche Frist für die Reform nicht eingehalten werden. Frühestens 2019 sollen erste Ergebnisse vorliegen.

Das Internetportal Weisse Liste ist ein Projekt der Bertelsmann Stiftung, das sich zum Ziel gesetzt hat, Qualitätsunterschiede im deutschen Gesundheitssystem transparent zu machen. Strategische Partner des Projekts und Co-Initiatoren sind die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe, der Sozialverband Deutschland, der Sozialverband VdK und der Verbraucherzentrale Bundesverband. Die Weisse Liste hat 2016 und 2017 zusammen mit Experten das "Reformkonzept verbraucherorientierte Qualitätsberichterstattung in der Pflege" erarbeitet. In ihrem Auftrag hat Kantar Emnid zwischen dem 08.06.2017 und dem 12.06.2017 eine repräsentative Umfrage zum Thema Pflegeheim-Suche unter 1000 Personen über 18 Jahren durchgeführt.

Kristine Kruse Pressestelle, Bertelsmann Stiftung
Mitteilung des idw – Informationsdienst Wissenschaft am 21.07.2017


MITTEILUNGEN DER DEUTSCHEN BISCHOFSKONFERENZ AM 21.07.2017:

Kirchenstatistik 2016
„Hinter jeder Zahl steckt eine Biographie“
 
Die 27 deutschen (Erz-)Bistümer und die Deutsche Bischofskonferenz veröffentlichen heute (21. Juli 2017) die aktuelle Kirchenstatistik für das Jahr 2016. Die Katholiken machen in Deutschland 28,5 Prozent der Gesamtbevölkerung aus (23.581.549 Kirchenmitglieder).
 
Aufgrund von Strukturveränderungen in den Bistümern ist die Zahl der Pfarreien auf 10.280 (2015: 10.817) zurückgegangen. In den Pfarreien sind 13.856 Priester (2015: 14.087) sowie 3.296 Diakone (2015: 3.304) tätig. Hinzu kommen 3.200 Pastoralreferentinnen und -referenten sowie 4.537 Gemeindereferentinnen und -referenten.
 
Während der Gottesdienstbesuch mit 10,2 Prozent leicht zurückgegangen ist (2015: 10,4 Prozent), hat die Zahl der Taufen erneut mit 171.531 leicht zugenommen (2015: 167.226). Die kirchlichen Trauungen liegen bei 43.610 (2015: 44.298). Auch hinsichtlich des Empfangs der anderen Sakramente gibt es einen leichten Rückgang. Die Eintritte in die katholische Kirche liegen bei 2.574 (2015: 2.685), die Wiederaufnahmen bei 6.461 ohne größere Schwankungen zum Vorjahr. Wie bereits 2015 ist auch in 2016 die Zahl der Kirchenaustritte zurückgegangen. Sie liegt bei 162.093 Personen (2015: 181.925).
 
Zur Statistik erklärt der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Dr. Hans Langendörfer SJ:
 
„Wir freuen uns, dass fast ein Drittel der Bevölkerung unseres Landes zur katholischen Kirche gehört. Eine große Zahl dieser Mitglieder ist aktiv in den Pfarrgemeinden, in Verbänden und in sozial-caritativen Einrichtungen tätig. Gerade für dieses Engagement sind wir dankbar. Oft geschieht es ehrenamtlich, unauffällig, ohne die große Bühne. Wir leisten viel für die Menschen und ihre Lebensorientierung, für unser Land und für die Weltkirche. Ich denke dabei beispielsweise an die große Flüchtlingshilfe im Jahr 2016: Allein 127,7 Millionen Euro Sondermittel konnten wir in den Bistümern, durch die  Hilfswerke und auf weiteren Wegen für diese Arbeit bereitstellen. Auch das ist eine Wirklichkeit von Kirche.
 
Mit Blick auf die Zahlen spüren wir, dass – auch bedingt durch demographische Entwicklungen – die Zahlen der gespendeten Sakramente leicht rückläufig sind, bei der Taufe jedoch im zweiten Jahr in Folge ein Plus zu verzeichnen ist. Das zeigt: Es gibt nicht nur Interesse an der Kirche, es gibt den lebendigen Wunsch, in dieser Kirche verankert zu sein.
 
Leider haben uns 2016 erneut viele Menschen verlassen, in dem sie aus der Kirche ausgetreten sind. Auch diese Zahl ist erneut leicht rückläufig. Der Austritt ist eine Form der Distanzierung, die in anderen Ländern nicht möglich ist. Doch zeigt er in jedem einzelnen Fall, dass die Weitergabe des kirchlichen Glaubens nicht vollständig gelungen ist. Wir müssen den Menschen, die weggehen, aktiv nachgehen, um ihre Beweggründe zu verstehen und unser Handeln danach kritisch zu überprüfen, um es da – wo notwendig – auch neu auszurichten.
 
Hinter jeder Zahl in dieser Statistik steckt eine Lebensgeschichte: die Biographie von Menschen, die sich das Ja-Wort geben, die Biographie von Menschen, die in die Kirche aufgenommen werden. Biographien von Gläubigen, Priestern, Mitarbeitern. Wir sollten bei den Zahlenwerken nicht unseren eigentlichen Auftrag vergessen: Trotz manchmal stürmischer Zeiten das Evangelium mutig und freudig zu verkünden. Die Kirche muss mit den Realitäten leben. Wir werden weniger, aber wir verlieren nicht unsere Aufgabe und unsere Anliegen. Menschen, Gesellschaft, Staat brauchen die Kirche. Ich wünsche mir, dass wir mit den heute vorgelegten Zahlen und Wirklichkeiten entschlossen umgehen, um an einer Kirche zu bauen, die menschendienlich ist und ihren Grundauftrag nicht vergisst. Daran werden wir uns messen lassen.“
 
Hinweise:
Den Flyer mit den Eckdaten des Jahres 2016 finden Sie als pdf-Datei in der Anlage sowie unter www.dbk.de. Weitere statistische Angaben wie z. B. die vergleichende Tabelle „Eckdaten des Kirchlichen Lebens in den Bistümern Deutschlands, 1996 und 2016“ sind in der Rubrik Zahlen und Fakten verfügbar.

Die Arbeitshilfe „Katholische Kirche in Deutschland. Zahlen und Fakten 2016/2017“ (Arbeitshilfen Nr. 294) erscheint Anfang August.

Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee macht auf seiner Sommertour auch in Nordhausen Station

Nordhausen (psv) Im Hainich startete am gestrigen Donnerstag die Sommertour vom Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee. Seine Tour führt ihn in neun Tagen zu vielen touristischen Zielen im Land – so auch heute nach Nordhausen, wo er unter anderen von Bürgermeisterin Jutta Krauth, Landrat Matthias Jendricke und Dagmar Becker, Mitglied des Thüringer Landtags, begleitet wurde.

Da Tourismus als entscheidender Wirtschaftsfaktor einen wichtigen Beitrag für die Regionalentwicklung und die Lebensqualität in Thüringen leistet, hat Minister Tiefensee deshalb seine diesjährige  Sommertour auch darauf ausgerichtet, Menschen zu besuchen, die mit innovativen Ideen einzigartige touristische Angebote geschaffen haben und Thüringen so nicht nur als Reiseland, sondern auch als Lebensraum attraktiv machen.

Die Tour in Nordhausen startete gemeinsam mit dem Betriebsleiter  der Harzer Schmalspurbahnen (HSB), Jörg Bauer, deshalb auch  mit  einer Fahrt im Dampfzug der HSB nach Ilfeld. Hier angekommen, stellte  Gabriele Schuchardt, Geschäftsführerin der Nordhäuser Verkehrsbetriebe dem Minister das deutschlandweit bekannte „Nordhäuser Modell“ vor. Seit 2004 fahren auf den Gleisen der HSB zwischen Nordhausen und Ilfeld- Neanderklinik neben den historischen Dampfzügen auch moderne Zweisystemstadtbahnwagen‚ die Combino Duo,   und bieten so ein attraktives Nahverkehrsangebot auf der Schiene.

Die Rückfahrt nach Nordhausen mit dem Combino Duo bot sich vollständiger weise förmlich an. Es blieb noch Zeit das Stellwerksgebäude der HSB am Bahnhof Nordhausen Nord  zu besichtigen, bevor es dann mit der historischen Straßenbahn zur letzten Station in die Nordhäuser Traditionsbrennerei  zu einer Führung und einer kleinen Verkostung ging. Informationen für den Minister gab es hier von Peter Claußen, Direktor Unternehmenskommunikation der Rotkäppchen-Mumm Sektkellerei und dem Leiter der Traditionsbrennerei Jochen Einenkel.


Fotos:  Ilona Bergmann, Stadtverwaltung Nordhausen

Bundeswehr wirbt für Ausbildung

Die Bundeswehr ist einer der größten Arbeitgeber Deutschlands und mit ihren militärischen und zivilen Mitarbeitern deutschlandweit in vielen Orten stationiert.

Am Donnerstag, den 27. Juli 2017 wird um
16.00 Uhr in der
Agentur für Arbeit Sondershausen
Frankenhäuser Str. 4
über die vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten und Laufbahnen informiert.

Ein kompetenter Vertreter der Karriereberatung Mühlhausen steht für Auskünfte zur Verfügung. Telefonische Rückfragen sind unter  03601/405065 möglich.

Interessante Infos gibt es unter www.bundeswehr-karriere.de.