Donnerstag, 25. Juni 2020

Grüne Fraktion beschließt Klima-Konjunkturprogramm

Astrid Rothe-Beinlich und Laura Wahl: Maßnahmen gegen Klimakrise und Folgen der Corona-Pandemie müssen zusammen gedacht werden
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat heute auf ihrer Pressekonferenz den einstimmigen Beschluss der Fraktion für ein Klima-Konjunkturprogramm vorgestellt.
„Mit diesem Beschluss machen wir deutlich, dass es uns allen darum gehen muss, in eine möglichst krisenfeste Zukunft zu investieren. Für uns ist klar, dass dies nur gelingt, wenn wir dabei die Corona-Pandemie mit ihren wirtschaftlichen Folgen und die Klimakrise zwingend zusammen denken. Wir sind davon überzeugt, dass sich alles politische Handeln daran messen lassen muss, ob es auch ökologischen und sozialen Standards gerecht wird“, so Astrid Rothe-Beinlich, Fraktionsvorsitzende der grünen Landtagsfraktion im Thüringer Landtag.
Der Beschluss umfasst unterschiedlichste Bereiche und beinhaltet zahlreiche konkrete Maßnahmen. Dazu erklärt Laura Wahl, umweltpolitische Sprecherin der Fraktion:

„Dreiviertel der Treibhausgasemissionen in Thüringen sind energiebedingt. Gleichzeitig wurde der Zukunftssektor erneuerbare Energien in den letzten Jahren, wie z.B. durch den 52-Gigawatt-Solardeckel, massiv ausgebremst. Wir möchten daher unter anderem eine Offensive für Solarenergie starten und die Mittel des erfolgreichen Programms Solar Invest kräftig erhöhen. Darüber hinaus ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Mobilitätswende anzugehen. Viele Leute sind während des Lock-Downs auf das Fahrrad umgestiegen. Wir wollen den Kommunen und Landkreisen mehr Mittel zur Verfügung stellen, um in eine gute Radinfrastruktur investieren zu können. Außerdem machen wir uns für ein landesweites 2€-Ticket für den ÖPNV stark, um allen Menschen klimafreundliche Mobilität zu ermöglichen.“
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landtagsfraktion Thüringen
Erfurt, 25. Juni 2020

„Grünes Stadtgebiet – artenreich und vielfältig“


Zuckertütenbaum im Nordhäuser Borntal

Nordhausen (psv) Große Überraschung im Nordhäuser Borntal: Wie durch Zauberhand sind über Nacht Zuckertüten für die Vorschulkinder der Nordhäuser Kindertageseinrichtung „Kleine Strolche“ am Zuckertütenbaum gewachsen. Nachdem die kommenden Erstklässler gestern bereits die Mini-Zuckertüten mit „Schnellwachswasser“ gegossen haben, konnte heute jedes Kind eine eigene Zuckertüte abholen. Die Kita hat eine besondere Beziehung zum Projekt Borntal. Denn im letzten Jahr wurden die seitens der Kindergartenkinder gestalteten Nistkästen an den Obstbäumen angebracht.

„Die fehlende Bewirtschaftung in den letzten Jahren hat zu einer Verbuschung des Areals geführt“, resümiert der Projektleiter Karsten Jakschik (Natur- und Umweltpädagoge beim BBZ Nordhausen). In diesem Jahr haben die Projektmitarbeitenden der Maßnahme „Grünes Stadtgebiet – artenreich und vielfältig“ die Wiederherstellung der typischen Struktur und Artenvielfalt des Areals Borntal als Streuobstwiese Beerensträucher und Obstbäume fast vollständig freigestellt. Das rund ein Hektar große Areal befand sich bis dato in einem waldähnlichen Zustand. Seit Arbeiten Oktober 2019 laufenden Arbeiten, darunter die Durchführung von Baumpflegemaßnahmen, Entbuschung und Neupflanzungen mussten Corona-bedingt unterbrochen werden und werden jetzt wieder fortgesetzt, so Jakschik weiter.

Projekt "Spurensuche Gartenschläfer“
Neben der Grünpflege auf dem Areal widmet sich das Projekt auch dem ökologischen Wert als Lebensraum. „Streuobstwiesen haben seit jeher neben der wirtschaftlichen Bedeutung auch einen hohen ökologischen Wert, denn sie bilden Lebensraum für zahlreiche Kleinsäugetiere, Vögel und unzählige Insekten, die wiederum wichtige Glieder in der Nahrungskette darstellen,“ führt Jakschik aus. Deshalb freut er sich auch, dass in Zusammenarbeit mit dem BUND derzeit das Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ durchgeführt wird. Hier wurden 13 „Spurentunnel“ an den Bäumen angebracht. Ziel ist es, den möglichen Bestand des geschützten "kleinen Bruders" des Siebenschläfers zu dokumentieren. BUND-Experten werten die Spuren dann aus.

Hintergrund des Projekts „Grünes Stadtgebiet – artenreich und vielfältig“
Ein gemeinsames Projekt vom Berufsbildungszentrum Nordhausen (BBZ), Jobcenter und dem Amt für Stadtentwicklung der Stadt Nordhausen lässt die alte Streuobstwiese im Borntal wieder erblühen. Teilnehmer einer geförderten Maßnahme (AGH) des Jobcenters Nordhausen arbeiten seit April 2019 im Rahmen des Projekts „Grünes Stadtgebiet – artenreich und vielfältig“ an der Rekultivierung und nachhaltigen Pflege der Streuobstwiese Borntal.

Übrigens: Die Nutzung und Verwertung des reifen Obstes und der Früchte durch Bürgerinnen und Bürger ist stets willkommen.



Fotos:
Zuckertütenbaum mit Kindern der Kita
Karsten Jakschik mit Spurentunnel

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landtagsfraktion Thüringen:

Zum Weltdrogentag am 26. Juni

Babett Pfefferlein: Drug-Checking-Projekt in Thüringen muss beginnen
Am 26. Juni ist Internationaler Tag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr, kurz Weltdrogentag. Der Aktionstag wurde im Dezember 1987 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen festgelegt und ist gegen den Missbrauch von Drogen gerichtet.
Dazu äußert sich Babett Pfefferlein, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN im Thüringer Landtag: „Der Konsum von Drogen ist auch in Thüringen ein Problem, davor dürfen wir nicht die Augen verschließen. Wir brauchen deshalb neue Wege und neue Ansätze in der Drogenpolitik. Abhängige und auch nur gelegentlich Konsumierende brauchen Hilfe und keine Strafverfolgung. Deshalb setzt sich unsere Fraktion unter anderem seit Jahren für ein Drug-Checking-Projekt ein. Dafür sind 150.000 € im Landeshaushalt eingestellt, jetzt muss das Projekt laufen.“
Drug-Checking gilt in Fachkreisen als wirksame Maßnahme zur Verminderung der Begleitrisiken von Drogenkonsum. Solche Risiken können neben der Gesundheitsschädigung durch Wirkstoffe - etwa von Cannabis, Kokain und Ecstasy - auch Verunreinigungen, das Strecken der Stoffe oder eine zu hohe Konzentration sein.
„Um den Gesundheitsschutz der Konsumierenden zu verbessern, sollten Substanzanalysen und Drug-Checking zur Regel werden“, fordert Pfefferlein. In Österreich, Spanien und den Niederlanden ist das Drug-Checking bereits etabliert, Vorreiter war die Schweiz. Dort ist das Beratungsangebot bereits seit 20 Jahren gesetzlich erlaubt.
„Wir haben in Thüringen engagierte Suchthilfeinitiativen, gut ausgerüstete Labore und innovative Start-Ups, mit denen die Umsetzung schnell möglich wäre. Wir brauchen jetzt schnell eine laute Startklappe, um zu den Vorreitern in Deutschland zu werden“, schließt Pfefferlein.

Hintergrund: Aus einer Studie des Bundesgesundheitsministeriums für Deutschland geht hervor, dass 12 Millionen Menschen rauchen, 1,6 Millionen Menschen alkoholabhängig und 2,3 Millionen Menschen medikamentensüchtig sind. Rund 600.000 Menschen weisen einen problematischen Konsum von Cannabis und anderen illegalen Drogen auf, ca. 500.000 Menschen zeigen ein pathologisches Glücksspielverhalten, etwa 560.000 Menschen sind wahrscheinlich onlineabhängig.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landtagsfraktion Thüringen
Erfurt, 25. Juni 2020

Pressemitteilung des Bundesfamilienministeriums

 Ministerin Giffey stellt Zahlen zu weiblicher Genitalverstümmelung vor

Knapp 68.000 Frauen und Mädchen in Deutschland betroffen

Die Zahl der weiblichen Genitalverstümmelungen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. 67.975 Frauen mussten hierzulande eine solche Menschenrechtsverletzung erleiden, hat eine neue Untersuchung ergeben, die Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey heute vorgestellt hat. 

Die Erhebung wurde im Auftrag des Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ) nach einer von dem Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen entwickelten Methodik erstellt. Im Vergleich zu den im Februar 2017 vom BMFSFJ veröffentlichten Zahlen ist das ein Anstieg von 44 %. Die meisten betroffenen Frauen stammen aus Eritrea, Somalia, Indonesien, Ägypten und Nigeria. 

Die deutliche Steigerung der Zahl der betroffenen und gefährdeten Frauen und Mädchen ist darauf zurückzuführen, dass mehr Menschen aus Herkunftsländern, in denen weibliche Genitalverstümmelung praktiziert wird, nach Deutschland gekommen sind. 

Auch bei den Minderjährigen sind die Zahlen erschreckend hoch: Zwischen 2.810 und 14.880 Mädchen sind in Deutschland von weiblicher Genitalverstümmelung bedroht. Im Vergleich zu 2017 ist das ein Anstieg um bis zu 162 %. Mädchen aus den Herkunftsländern Somalia, Eritrea, Ägypten, Nigeria und Irak sind dabei zahlenmäßig besonders in Gefahr. Die beiden sich stark unterscheidenden Zahlen liegen darin begründet, dass zwei verschiedene Szenarien berechnet wurden: Im Minimalszenario wird davon ausgegangen, dass in der zweiten Generation keine weiblichen Genitalverstümmelungen mehr durchgeführt werden. Beim Maximalszenario wurde angenommen, dass auch in der zweiten Generation weibliche Genitalbeschneidungen durchgeführt werden. 

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey: „Weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und eine archaische Straftat, die Mädchen und Frauen in ihrem Recht auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung verletzt. Sie hat lebenslange physische und psychische Folgen für die Betroffenen. Unser Ziel im Bundesfamilienministerium ist es, dass keine weiblichen Genitalverstümmelungen mehr in Deutschland stattfinden. Wir wollen Mädchen und junge Frauen davor schützen und ihnen Hilfe anbieten.“ 

Unterstützung für Betroffene können etwa die Hebammen leisten. Ein großer Erfolg ist deshalb die Studien- und Prüfungsverordnung für Hebammen, die zum 1. Januar 2020 in Kraft getreten ist. Sie berücksichtigt erstmalig die besonderen Belange von Frauen, die von einer weiblichen Genitalverstümmelung betroffen sind. Ministerin Giffey betont: „Es ist essentiell, dass Hebammen Wissen und Kenntnisse über weibliche Genitalverstümmelung besitzen. Nur so können sie die Betroffenen angemessen begleiten und unterstützen.“

Bei der Vorstellung der neuen Zahlen hat Ministerin Giffey heute von Faduma Korn, die 1. Vorsitzende von NALA – Bildung statt Beschneidung e.V., die Petition „Genitalverstümmelung in Deutschland bekämpfen“ entgegengenommen. 

Ministerin Giffey: „Wir im Bundesfamilienministerium arbeiten gemeinsam mit Ländern und NGOs an Maßnahmen zu Prävention, Schutz und Aufklärung. Der enge Zusammenschluss mit den NGOs ist mir ein besonders wichtiges Anliegen, denn diese Organisationen schaffen es, Aufklärung und präventive Maßnahmen in die jeweiligen Communities hineinzubringen. Deswegen unterstütze ich Faduma Korn, die 1. Vorsitzende von NALA, bei ihrem Einsatz gegen weibliche Genitalverstümmelung. NALA bedeutet in der Sprache der Kisuaheli „Die Löwin“. Ich finde, das ist ein sehr passendes Bild für all das, was wir für den Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung brauchen: Kraft, Mut und Engagement gegen diese Menschenrechtsverletzung und den gemeinsamen Schulterschluss.“

Das BMFSFJ leitet die Arbeitsgruppe zur Überwindung von weiblicher Genitalverstümmelung in Deutschland, in der sechs Bundesressorts, die Bundesländer, die Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, die Bundesärztekammer, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie Integra, die Dachorganisation von NGOs, die sich in Deutschland gegen weibliche Genitalverstümmelung einsetzen, vertreten sind. 

In dieser Bund-Länder-NGO-Arbeitsgruppe wird auch die Einführung eines von der Bundesregierung herausgegebenen Schutzbriefes gegen weibliche Genitalverstümmelung diskutiert. Er soll dazu dienen, Familien, die in ihre Heimatländer reisen, durch die Information über drohende Gefängnisstrafen davon abzuhalten, eine Genitalverstümmelung im Heimatland durchzuführen. Durch den Verweis auf die strafrechtlichen Konsequenzen wäre der Schutzbrief ein wichtiges Instrument der Prävention. 

Bundesweites Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"

Unterstützung erhalten Betroffene von weiblicher Genitalverstümmelung auch über das bundesweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 - 116 016.  Neben den betroffenen Frauen können sich auch Angehörige, Freunde und Menschen aus dem sozialen Umfeld sowie Fachkräfte an das Hilfetelefon wenden. Das barrierefreie, anonyme und mehrsprachige Angebot steht rund um die Uhr zur Verfügung.

Weltweit wurden nach WHO-Angaben über 200 Millionen Frauen und Mädchen einer weiblichen Genitalverstümmelung unterzogen, geschätzte drei Millionen Mädchen sind von ihr bedroht. 

Hintergrundinformationen zur weiblichen Genitalverstümmelung finden Sie hier:

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/migrantinnen-schuetzen/genitale-verstuemmelung-bei-frauen-und-maedchen/genitale-verstuemmelung-bei-frauen-und-maedchen/80720

Bundesfamilienministerium  
Veröffentlicht am 25.06.2020 

Grüne Fraktion begrüßt Vorschlag zu Polizeistudie

Henfling: Studie muss unabhängig und nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt werden
Die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Thüringer Landtag begrüßt den Vorschlag der Fraktion DIE LINKE zur Erstellung einer Studie zu etwaigem Fehlverhalten, Einstellungen und den zugrundeliegenden Ursachen bei der Thüringer Polizei.
„Wir als Bündnisgrüne hatten die Forderung nach einer solchen Studie bereits in unserem Wahlprogramm für die zurückliegende Landtagswahl aufgenommen, deshalb nehmen wir diesen Vorschlag erfreut zur Kenntnis“, so Madeleine Henfling, innenpolitische Sprecherin der bündnsigrünen Fraktion im Thüringer Landtag.

„Die Debatte um diskriminierende Einstellungen bei der Polizei sowie Gewalt durch die Polizei hat nach dem Mord an George Floyd in den USA an Fahrt aufgenommen. Bereits seit den spektakulären Aufdeckungen rechtsextremer Netzwerke in den Sicherheitsbehörden, wie zum Beispiel bei den Ermittlungen um ‚Nordkreuz‘ und beim KSK läuft die Debatte um Extreme Rechte in den Behörden. Nach unserem Empfinden werden diese Debatten sehr unsachlich geführt. Das liegt zum großen Teil auch daran, dass die Daten- und Forschungslage zu diesen Themen in Deutschland sehr dürftig ist. Die letzte Studie zu Einstellungen bei der Polizei liegt bereits Jahrzehnte zurück, die Studienlage zu Diskriminierung ist noch dürftiger. Mit einer solchen, neuen Studie können wir wieder etwas mehr Sachlichkeit in die Debatte bringen. Wichtig dabei ist aber auch, dass die Studie zeitnah begonnen wird und wirklich unabhängig nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt wird. Der Antrag der LINKEN ist dafür eine gute Grundlage und wir sehen der Debatte mit unseren Koalitionspartnern mit Spannung entgegen“, schließt Henfling
.BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landtagsfraktion Thüringen
Erfurt, 24. Juni 2020

Ab 29. Juni Kunsthaus und Museum Flohburg wegen Ausstellungsaufbau geschlossen | Erweiterte Öffnungszeiten der städtischen Museen ab 5. Juli

Nordhausen (psv) „Durch die Corona bedingten Verschiebungen der Sonderausstellungen sind im Kunsthaus Meyenburg und im Museum Flohburg gleich zwei neue Ausstellungen in Vorbereitung“, kündigt jetzt die Leiterin der städtischen Museen, Susanne Hinsching, an. Aus diesem Grund sei das Kunsthaus Meyenburg vom 29. Juni bis zum 4. Juli geschlossen. Am 5. Juli öffnet dann die Ausstellung „Einfach tierisch – Vom Hahn zum Pferd“.

Das stadthistorische Museum Flohburg ist vom 29. Juni bis zum 11. Juli komplett geschlossen, da auch die Schließung der Dauerausstellung aufgrund der zahlreichen Bedienelemente und Interaktionsstationen Corona bedingt noch erforderlich ist. Die Sonderausstellungsbereiche öffnen mit der neuen Ausstellung „Reichsstadt ist… Herrschaftszeichen und Recht“ zum Auftakt des 800. Jubiläums Reichsstadt Nordhausen am 12. Juli.

Ab dem 5. Juli werden auch die Öffnungszeiten der Museen wieder erweitert, zuerst im Kunsthaus Meyenburg und im Museum Tabakspeicher, ab 12. Juli dann im Museum Flohburg. Die städtischen Museen sind dann einheitlich am Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag von 13 bis 17 Uhr und am Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Montags und dienstags sind die Museen geschlossen.


Foto-Collage: Die drei städtischen Museen Flohburg, Kunsthaus und Tabakspeicher haben ab 5. Juli wieder von Mittwoch bis Samstag geöffnet. ©Stadtverwaltung Nordhausen

Mittwoch, 24. Juni 2020

Die Sommernächte zelebrieren

Musicaldarstellerin Anna Preckeler freut sich auf die Musicalgala „Broadway Forever“ im Heringer Schloss ab 26. Juni

 Von Birgit Susemihl

Ihr erster Auftritt in Nordhausen war ein sogenannter „Einspringer“: Anna Preckeler sang für zwei Vorstellungen die Mina in Ivan Alboresis Inszenierung des Musicals „Dracula“, als die eigentliche Darstellerin erkrankt war. Schon damals empfand sie die Atmosphäre am Haus als sehr warm und familiär, die Inszenierung des Nordhäuser Ballettdirektors gefiel ihr gut. Nun kehrt die junge Musicaldarstellerin in den Südharz zurück – aber nicht wie eigentlich geplant für „3 Musketiere“ bei den Thüringer Schlossfestspielen Sondershausen, sondern für die Musicalgala „Broadway Forever“, die am Freitag, 26. Juni, um 19.30 Uhr im Rahmen der TN LOS! Sommernächte Premiere im Schlosshof von Heringen hat.

In der Gala singt die junge Künstlerin viele große Klassiker des Genres und zeigt damit verschiedene Facetten ihres Gesangs. Mit Maria Magdalenas gefühlvollem „Wie soll ich ihn nur lieben“ knüpft sie an die Erfolgsinszenierung „Jesus Christ Superstar“ der Thüringer Schlossfestspiele Sondershausen 2019 an. Sie singt „Ich gehör‘ nur mir“ aus „Elisabeth“ und interpretiert gemeinsam mit Femke Soetenga das Duett „Nur sein Blick“ aus „Jekyll and Hyde“. Mit „Tonight“ aus „West Side Story“ und „Wart’s nur ab“ aus „My Fair Lady“ beweist sie, dass sie auch im klassischen Musical zu Hause ist. Als Ausblick auf „3 Musketiere“, das die Thüringer Schlossfestspiele Sondershausen nun für den Sommer 2021 planen, darf auch das große Liebesduett zwischen D’Artagnan und Constance nicht fehlen.

Anna Preckeler hat schon als Kind gerne gesungen – im Kinderchor, bei Mini-Playback-Shows im Karneval, „ich war immer vorne mit dabei“, erinnert sie sich. Als sie elf Jahre alt war, schlugen ihre Eltern ihr vor, Gesangsunterricht zu nehmen. Dass man die Stimme ausbilden kann, das war ein ganz neuer Gedanke für die Schülerin, den sie begeistert aufgriff. „Ich habe querbeet alles gesungen – klassisch, Pop, Disney, Musical“, erzählt Anna Preckeler. Auch in ihrer Schule wurde ihr Talent stark gefördert durch eine Musiktheater-AG, in der sie ihre Leidenschaft für das Musical entdeckte.

Schon mit 16 bekam sie einen Platz als Jungstudentin im Hauptfach Operngesang an der Musikhochschule Münster. Nach dem Abitur – bei dem sie, wie auch in der Musicalgala, die Maria Magdalena aus „Jesus Christ Superstar“ sang – folgte ein Semester Operngesang in Münster, bevor sie an die Folkwang Universität der Künste wechselte und dort Gesang, Schauspiel und Tanz studierte. „Meine Grundlagen kommen aus der Klassik, das hat mir immer weitergeholfen“, beschreibt Anna Preckeler ihren Werdegang.

Einer ihrer Träume als Musicaldarstellerin hat sich schon erfüllt: An den Landesbühnen Sachsen sang sie die Clara in der deutschsprachigen Erstaufführung des Musicals „Das Licht auf der Piazza“: „Ich hätte nie gedacht, dass das Stück einmal in Deutschland aufgeführt wird. Die Clara ist immer noch eine ganz besondere Partie für mich.“ Und wo sieht sie sich in zehn Jahren? „Ich hoffe, dass ich dann noch auf der Bühne stehe. Vielleicht kann ich dann schon die ganzen schönen Mutterrollen spielen“, wünscht sie sich. Und Anna Preckeler möchte ihr zweites Standbein als Künstleragentin weiter ausbauen.

In diesem Sommer hätte Anna Preckeler im Sondershäuser Schlosshof die Constance in „3 Musketiere“ spielen sollen – doch dann kam die Corona-Krise dazwischen. „Die Absagen aus dem Nichts, das war schon heftig“, beschreibt die junge Sängerin die Situation. „Keiner konnte sich vorstellen, dass das in diesem Ausmaß passieren würde.“ Eine schwierige Lage: Sie wäre verfügbar gewesen, wollte gerne arbeiten, doch mit den steigenden Infektionszahlen wurde immer klarer, dass keine Theaterproduktion möglich sein würde. Und obwohl sie gern übt, war so ganz ohne die Aussicht auf ein konkretes Ziel die Motivation an einem Tiefpunkt angelangt. So konzentrierte Anna Preckeler sich zunächst auf ihr Zuhause, ihre unmittelbare Umgebung und ihr Privatleben. „Ich war jeden Tag zwei bis drei Stunden draußen und habe mich um unseren Garten gekümmert, das hat mich abgelenkt und mir gut getan“, erzählt sie. Am meisten gefehlt hat der jungen Sängerin in diesen Monaten der menschliche Kontakt, das Treffen mit Familie und Freunden. Als das wieder möglich war, wenn auch auf Abstand, war ihre Erleichterung groß.

Die Musicalgala in Heringen bedeutet nun einen Lichtblick für sie, und sie freut sich sehr darauf, wieder musizieren zu dürfen, mit einem Orchester und mit richtigem Publikum, nicht vor Autos wie in einem Autokino. „Ich hoffe, dass wir gutes Wetter haben und diese Sommernächte ein bisschen zelebrieren können. Dann, glaube ich, wird sich die Stimmung auf alle übertragen und man kann Corona eine Weile vergessen“, fiebert Anna Preckeler der Premiere entgegen.

Karten für die Vorstellungen der Musicalgala „Broadway Forever“ am 26. und 28. Juni sowie am 3., 5., 11., 18., 24. und 25. Juli jeweils um 19.30 Uhr sowie für die weiteren Konzerte der „TN LOS! Sommernächte 2020“ gibt es im Internet unter www.theater-nordhausen.de sowie an der Theaterkasse (Tel. 0 36 31/98 34 52) und an den meisten, wieder geöffneten, Vorverkaufsstellen der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH.


Foto: Anna Preckeler (Fotograf: Lewin Blümel)