Pressemitteilungen der Deutschen Bischofskonferenz
29.12.2021
„Dialog zwischen den Generationen“
Bischof Meier zur Botschaft von Papst Franziskus zum Welttag des Friedens
am 1. Januar 2022
Am
1. Januar eines jeden Jahres begeht die katholische Kirche den Welttag
des Friedens. Der 55. Weltfriedenstag am 1. Januar 2022 wurde von Papst
Franziskus unter
das Motto „Dialog zwischen den Generationen, Erziehung und Arbeit:
Werkzeuge, um einen dauerhaften Frieden aufzubauen“ gestellt. Dazu
erklärt Bischof Dr. Bertram Meier (Augsburg), Vorsitzender der
Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz:
„Die
täglichen Nachrichten zeigen überdeutlich, dass der Friede, erst recht
ein gesicherter und dauerhafter Friede, in weiter Ferne ist. Das gilt
für viele Orte der Welt,
auch für Europa: Die Ukraine-Krise lässt uns befürchten, dass es in der
Nachbarschaft zu einem Krieg kommen könnte. Aber auch in den scheinbar
saturierten Gesellschaften des Westens wachsen Unruhe und Polarisierung.
Mancherorts macht sich Feindseligkeit breit.
Der Zusammenhalt bröckelt, scharfe Auseinandersetzungen zeichnen sich
ab.
In
seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2022 bedenkt Papst Franziskus die
Konfliktsituationen unserer Zeit, verharrt aber nicht an der Oberfläche,
sondern spürt ihren
Tiefendimensionen nach. Er weitet die Perspektive und zeigt Wege auf,
wie Gewaltverhältnisse ausgetrocknet und krisenhafte Zuspitzungen
vermieden werden, wie Staaten und Gesellschaften Frieden finden können.
Er erinnert daran, dass ‚Frieden zugleich Gabe aus
der Höhe und Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung‘ ist.
In
der Begegnung der Generationen zeigt sich in besonderer Weise die
Fähigkeit der Menschen, zusammenzuarbeiten und gemeinsam Lösungen zu
finden. ‚Dialog führen bedeutet
anhören, sich auseinandersetzen, übereinkommen und miteinander
vorangehen‘, schreibt der Heilige Vater. Wir sind aufgefordert, in einen
die generationenübergreifenden Austausch zu treten, ‚um von der
Geschichte zu lernen und die Wunden zu heilen, die uns zuweilen
beeinträchtigen‘. Solidarität darf nicht nur denjenigen gelten, die
durch gleiche Interessen und Herausforderungen verbunden sind. Sie
übersteigt die eigene Gruppe und wird wahrhaft universal, indem sie
zeitliche Grenzen überwindet. Wie ein Einsatz für das
Gemeinwohl auch die künftigen Generationen einbeziehen muss, so ist
Frieden nur auf Dauer möglich, wenn er die Lebenschancen der kommenden
Generationen mitbedenkt.
Der
Papst lenkt sodann den Blick auf die Bedeutung von Bildung, Erziehung
und Arbeit als ‚bevorzugte Orte und Begegnungsstätten des
generationenübergreifenden Dialogs‘.
Bildung und Erziehung sind unverzichtbar, um im komplexen Alltag
unserer Gegenwart zu bestehen. Investitionen in eine gute Bildung sind
aber auch Voraussetzung, um ein tieferes Verständnis für Prozesse des
Friedens zu entwickeln.
Dennoch
sind die staatlichen Ausgaben für Bildung und Erziehung in den
vergangenen Jahren zurückgegangen, wie Papst Franziskus beklagt.
Stattdessen wird an der Rüstungsspirale
gedreht, die Ausgaben für Militärgüter schnellen in die Höhe. Eine
Friedensdividende, die sich nicht wenige vom Ende der Blockkonfrontation
im ‚Kalten Krieg‘ erhofft hatten, ist schon lange nicht mehr
auszumachen. Der Papst plädiert deshalb mit großer Entschiedenheit
dafür, Abrüstungsverhandlungen erneut auf die internationale Agenda zu
setzen, um Rüstungsausgaben zu senken und größere Investitionen in eine
gute Zukunft, in Bildung, Erziehung, aber auch in klimagerechte Politik
und weltweite Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.
Wenn
Franziskus die Bildung anspricht, dann meint er weit mehr als den
Erwerb von Wissen und technischen Fertigkeiten. Er setzt auf eine
Bildung der Persönlichkeit und
auf ‚die Entwicklung solidarischer Haltungen, die Fähigkeit, das
menschliche Leben ganzheitlicher zu begreifen‘. Diese Herzensbildung ist
notwendig, ‚um den menschlichen Beziehungen Qualität zu verleihen,
damit die Gesellschaft selbst auf ihre Ungerechtigkeiten,
Verirrungen sowie Machtmissbräuche in wirtschaftlichen,
technologischen, politischen und medialen Bereichen reagieren kann‘, wie
Franziskus bereits in seiner viel beachteten Enzyklika
Fratelli tutti herausgestellt hat (vgl. ebd., 161).
Papst
Franziskus erinnert auch an die verheerenden Auswirkungen der Pandemie
für die Menschen, die in der informellen Wirtschaft arbeiten. Arme und
Tagelöhner weltweit
haben durch die Pandemie Einkommen und Lebensgrundlagen verloren. Es
ist ‚dringender denn je, weltweit annehmbare und menschenwürdige
Arbeitsbedingungen zu fördern, die sich am Gemeinwohl und an der
Bewahrung der Schöpfung orientieren‘.
In
seiner Botschaft entfaltet der Heilige Vater die Grundüberzeugung, dass
auch angesichts von Leid, Ängsten und Ungerechtigkeiten im Licht des
Evangeliums immer ein
Friedenshorizont aufscheint. Gelebte Solidarität und ein weites Herz
sollen unsere Antwort auf den Frieden als Gabe des Himmels sein. Papst
Franziskus nimmt zugleich die Regierenden in die Verantwortung, gegen
Ungleichheit und Ungerechtigkeit anzugehen und
geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, die die menschliche
Entwicklung fördern. Bildung, Erziehung und gute Arbeit sind Bausteine
einer ‚Architektur des Friedens‘, die von uns nur in gemeinsamer
Anstrengung und durch die Gnade Gottes errichtet werden kann.“
Hinweis:
Die Botschaft von Papst Franziskus ist auf
www.dbk.de unter
Papstbotschaften verfügbar. Weitere Informationen zum Weltfriedenstag finden Sie auf der Themenseite
Welttag des Friedens.
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