Dienstag, 8. Mai 2018

Feindseligkeit gegenüber Minderheiten kann anstecken

Wenn im eigenen Umfeld andere ethnische Gruppen angefeindet werden, finden sich leicht Nachahmer


Ethnische Konflikte eskalieren oft überraschend schnell. Welchen Einfluss das Umfeld darauf hat, dass sich Menschen plötzlich feindselig verhalten, haben Forscher kürzlich mithilfe von Experimenten untersucht. Dabei stellten sie fest, dass Anfeindungen gegenüber anderen ethnischen Gruppen deutlich mehr Nachahmer finden als Anfeindungen gegen Mitglieder der eigenen sozialen Gruppe.

Ob in Bosnien, Liberia oder Ruanda – immer wieder brechen plötzlich gewalttätige Konflikte zwischen Volksgruppen aus, die lange friedlich zusammengelebt haben. Bisher gibt es keine befriedigende wissenschaftliche Erklärung, warum Aggressionen eine solche Dynamik entfalten können.

Jana Cahlíková vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen hat nun gemeinsam mit Kollegen aus Tschechien und der Slowakei ein neuartiges Experiment entwickelt, um zu testen, wie das soziale Umfeld feindseliges Verhalten gegenüber einer anderen ethnischen Gruppe beeinflusst. Die Ergebnisse der Studie wurden im April 2018 im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) publiziert.

Untersucht wurden Jugendliche aus Schulen in der östlichen Slowakei und ihr Verhalten gegenüber Angehörigen der Roma – eine Minderheit, gegen die es latente Vorurteile gibt und in den letzten Jahren auch zunehmend Aggressionen. Das Besondere an dem Test war, dass die Teilnehmer innerhalb ihres sozialen Umfelds agieren konnten.
Mitspieler dürfen Boshaftigkeit ausleben

Um diskriminierendes Verhalten zu untersuchen, ließen die Forscher die Jugendlichen ein so genanntes „Joy of Destruction game“ spielen: ein Spiel, in dem die Teilnehmer – wenn sie wollen – ihre Boshaftigkeit ausleben können. Zwei Spieler erhalten jeweils zwei Euro und sollen gleichzeitig entscheiden, ob sie 20 Cent ausgeben, um den Betrag des jeweils anderen um einen Euro zu verringern, oder das Geld einfach nur behalten möchten. Die Spieler bleiben dabei anonym, und spielen jeweils nur einmal gegeneinander.

Anhand einer Liste mit typischen Namen informierten die Forscher die Teilnehmer darüber, ob das Gegenüber ein Angehöriger der slowakischen Mehrheitsbevölkerung oder der Roma-Minderheit war. Zudem gestalteten die Wissenschaftler den Spielverlauf so, dass jeweils drei Jugendliche aus der gleichen Schulklasse kurz nacheinander ihre Entscheidung fällten. Die nachfolgenden Spieler wussten jeweils, wie ihre Klassenkameraden gehandelt hatten.
Eigene Gruppe wird verschont

Dabei stellte sich heraus, dass boshaftes Verhalten der Mitschüler einen signifikanten Einfluss auf die Entscheidung der Jugendlichen hatte: Die Bereitschaft, ebenfalls aggressiv zu agieren, wuchs deutlich. Auffällig war, dass sich dieser Einfluss mehr als verdoppelte, wenn sich die Feindseligkeit gegen Roma richtete statt gegen die eigene soziale Gruppe.

In einem zweiten, darauf aufbauenden Versuch ließen die Forscher Jugendliche aus derselben Region bewerten, ob das feindselige Verhalten, das ihre Altersgenossen im ersten Versuch gezeigt hatten, angemessen war. Dabei wurde auch hier deutlich, dass das Verhalten des Umfelds wesentlich dazu beiträgt, ob eine Handlung als sozial angemessen bewertet wird oder nicht. Hatten Spieler in einem Umfeld ohne feindselige Vorbilder entschieden, wurde ihr aggressives Verhalten gegenüber Roma oder gegenüber der eigenen sozialen Gruppe in ähnlichem Ausmaß negativ bewertet. Wussten die Jugendlichen jedoch, dass ein Spieler destruktives Verhalten zeigte, nachdem sich seine Klassenkameraden feindselig gegenüber Roma verhalten hatten, bewerteten sie dessen Verhalten eher als angemessen. Gleichzeitig bewerteten sie feindseliges Verhalten, dass sich gegen ein Mitglied der eigenen sozialen Gruppe richtete, als weniger angemessen, auch wenn der Spieler vorher destruktives Verhalten im Umfeld beobachtet hatte.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass fragile soziale Normen dazu führen, dass sich das individuelle Verhalten gegenüber anderen ethnischen Gruppen plötzlich verändern kann – von gutem Zusammenleben hin zu Aggression“, sagt Max-Planck-Wissenschaftlerin Jana Cahlíková. Daher sei es wichtig politisch motivierte Straftaten konsequent zu verfolgen und zu bestrafen. Sie und ihre Kollegen weisen zudem darauf hin, dass Politik und Gesellschaft sehr sensibel reagieren sollten, wenn Vorurteile und Feindseligkeiten gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Gruppen zunehmen.


Barbara Abrell Wissenschafts- und Unternehmenskommunikation, Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
Mitteilung des idw - Informationsdienst Wissenschaft am 08.05.2018

FC Wacker gastiert bemi 1.Lok. Leipzig

Am morgigen Mittwoch, den 09. Mai 2018 steht nach einer langen, intensiven Saison für den FSV Wacker 90 Nordhausen das letzte Auswärtsspiel an. Ab 19 Uhr gastiert die Uluc-Elf beim 1. FC Lokomotive Leipzig.
Die Messestädter stehen nach 32 Spieltagen mit 47 Punkten auf den 7. Tabellenplatz. Die
Partien gegen die Leipziger Traditionsmannschaft waren in der Vergangenheit immer knapp und hart umkämpft. Zuletzt gewannen die Nordhäuser das Hinspiel vor über 2000 Zuschauer im AKS mit 1:0. Nils Pichinot erzielte in der 70. Spielminute den entscheidenen Treffer. Ein ähnliches Ergebnis erhofft sich Volkan Uluc am Mittwoch auch.
„Lok Leipzig hat das letzte Heimspiel gegen Neustrelitz mit 7:0 gewonnen. Das wird ein sehr schwieriges Auswärtssieg. Trotzdem wollen wir natürlich was mitnehmen.“, so der Nordhäuser Cheftrainer vor der Partie. Im Kader wird es keine Veränderungen geben: „Viele Spieler haben nach den anstrengenden Wochen muskuläre Probleme. Ich gehe aber davon aus, dass wir keine weiteren Ausfälle haben.“, so Volkan Uluc weiter.

Schiedsrichter der Partie ist der drittligaerfahrene Henry Müller aus Cottbus. Ihm assistieren Stefan Lüth und Marcel Riemer.

Bildungspolitische Herausforderungen im Landkreis diskutiert

Über bildungspolitische Herausforderungen im Landkreis Nordhausen haben jetzt regionaler Akteure im Rahmen des Projekts „Bildung integriert Nordhausen“ diskutiert. Die Transferagentur für kommunales Bildungsmanagement aus Halle moderierte die Veranstaltung. Der Einladung der des Ersten Beigeordneten des Landkreises Stefan Nüßle waren Mitglieder des Schulausschusses, Fachbereichsleiter aus der Verwaltung, Schulamts- und Schulverwaltungsamtsvertreter sowie des Jobcenters und der Stadt Nordhausen gefolgt.

In der Zukunftswerkstatt konnten die Akteure in mehreren Phasen Kritik, Visionen und konkrete Handlungsempfehlungen äußern und in einen offenen Austausch zu den Herausforderungen des Bildungssektors treten. Insbesondere die aktuellen Herausforderungen für Schulen standen im Mittelpunkt. „Die Situation des Lehrermangels an Schulen ist wohl die dringendste Herausforderung im Bildungsbereich. Hier brauchen wir zeitnahe und tragbare Lösungen, um den Kindern und Jugendlichen stabile und qualitative Lernbedingungen zu ermöglichen. Der Freistaat muss diesbezüglich handeln“, unterstrich Stefan Nüßle den Wunsch nach mehr Lehrern. Neben der personellen Situation an Schulen sind die Rahmenbedingungen des Lehrens  ebenso ein zentraler Schwerpunkt. „Auch wenn der Landkreis in den vergangenen Jahren an vielen Schulen investiert hat, müssen wir in den kommenden Jahren gezielt Schulstandorte sanieren. Insbesondere das Thema der Digitalisierung erfordert aufwendige und umfassende Investitionen, um unsere Schulen zukunftsfähig zu gestalten und zeitgemäße Lernbedingungen zu garantieren“, berichtet Hans-Georg Müller, Leiter des Fachbereichs Schulverwaltung des Landkreises.


In der Kreisverwaltung besteht ein deutlicher Wille, die Rahmenbedingungen von Bildung zu verbessern. Angesichts der notwendigen Investitionen sehen aber sowohl Nüßle als auch Müller dringenden Unterstützungsbedarf von Bund und Land. Durch den Regionaldiskurs sind einmal mehr Schwerpunkte definiert und analysiert worden. Einige Themen werden dabei durch das Projekt „Bildung integriert“, das im Rahmen des Bundesprogramms Bildung integriert das Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Europäische Sozialfond der EU fördern, in den nächsten zwei Jahren noch behandelt. Insbesondere im Bereich der Digitalisierung kann der Landkreis als Schulträger Akzente setzen und den kommunalen Bildungsbereich und damit die Lehr- und Lernbedingungen an Schulen gezielt weiter verbessern. 

Mitteilung der Landkreisverwaltung Karlsruhe am 08.05-2018 

Laufen für den guten Zweck

Nordhausen (HSPN) Am Samstag, den 05.05.2018 fand zum ersten Mal ein Sponsorenlauf für die Herzschlagkirche Nordhausen statt. Der Lauf wurde von Studierenden verschiedener Studiengänge der Hochschule Nordhausen, im Rahmen eines Interdisziplinären Projekts organisiert und durchgeführt.

Bei schönstem Wetter konnte man ab 09:00 Uhr auf dem Hohekreuzsportplatz seine Runden drehen. Weit über 50 LäuferInnen kamen zu diesem Event, um die Jugendarbeit im Landkreis Nordhausen zu fördern und zu unterstützen.

Gemeinsam wurden insgesamt 947 Runden gedreht und damit mehr als 2000 € gesammelt. Allen LäuferInnen sowie Eltern, Großeltern und Verwandte gilt es dafür einen herzlichen Dank auszusprechen.

Für die besten 3 Läufer gab es einen Gutschein über einen Aufenthalt im Badehaus.

Die Hochschule und die Herzschlagkirche bedanken sich recht herzlich bei der WBG, der SWG und der Pro 1 media GmbH für ihre Geldspenden, mit denen Jugendliche für ihre Rundenanzahl gesponsert werden konnten. Dank der Wasserspende des E-Center Herkules konnten die Läufer während des Laufes und in den Pausen versorgt werden. Die vor Ort tätigen ehrenamtlichen Helfer der Johanniter gilt es ebenfalls einen Dank auszusprechen.

Ohne die Unterstützung der Jugendlichen von Herzschlag wäre dieser Tag nicht so erfolgreich geworden.

 Bildunterschrift: Jede Runde zählte beim Lauf für die Herzschlagkirche

 (Foto: Julia Stolle)



Zeitliche Flexibilität – Chance auf Selbstbestimmung oder Gefahr der Entgrenzung

Zeitflexibles Arbeiten aus Sicht der Beschäftigten

Neue Studie zeigt, wie Mitarbeitende über flexible Arbeitszeit­modelle denken

Die eigene Arbeitszeit flexibel gestalten – das versprechen Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit. Das Fraunhofer IAO veröffentlicht gemeinsam mit dem Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT der Universität Stuttgart eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie zu Verbreitung, Umgang und Auswirkungen zeitflexibler Arbeit.

Arbeit wird räumlich und zeitlich zunehmend flexibler. Aber ergibt sich daraus wirklich eine ausgewogenere Work-Life-Balance oder belasten flexible Arbeitszeitmodelle das Privatleben? Nachdem bereits im Juli 2017 die Resultate der IG Metall-Beschäftigtenbefragung 2017 zur örtlich selbstbestimmten Arbeit veröffentlicht wurden, befasst sich die nun publizierte Studie »Flexible Arbeitszeiten – Arbeitszeitmodelle und Flexibilitätsanforderungen« mit der zeitlichen Dimension der Flexibilität. Basis der Untersuchung bildet erneut die IG Metall-Beschäftigtenbefragung 2017, bei der deutschlandweit ca. 680 000 Personen – zu einem sehr großen Anteil aus dem verarbeitenden Gewerbe – teilgenommen haben.

Flexible Arbeitszeitmodelle sind weit verbreitet

Außerhalb der Schichtarbeit sind flexible Arbeitszeitmodelle im befragten Teilnehmerfeld weit verbreitet. Die meisten arbeiten heute im Modell der Gleitzeit. Auf dem Vormarsch befindet sich zunehmend jedoch die Vertrauensarbeitszeit, welche sich in Kombination mit mobiler Arbeit als häufiges Modell gerade für Führungskräfte erwies. Die Analyse nach grundlegenden Differenzierungsfaktoren, die den Verbreitungsgrad bei diesen und weiteren Formen der zeitlichen Flexibilität bestimmen, bilden den Auftakt der Untersuchungen dieser Studie.

»Es zeigt sich, dass die Beschäftigten die Auflösung starrer Grenzen bei der Arbeitszeitgestaltung als eine Steigerung der Arbeitgeberattraktivität empfinden. Flexibilität ist jedoch ein zweischneidiges Schwert – es ergeben sich hieraus neben Chancen auf Selbstbestimmung auch die Gefahren von ausufernden Arbeitszeiten und der Entgrenzung«, fasst Alexander Piele, einer der Autoren, die Ergebnisse zu den Wirkungen zeitflexibler Arbeit zusammen. Auf dem Prüfstein standen im Rahmen der Studie auch die gegenwärtigen gesetzlichen Grenzen der zeitlichen Flexibilisierung.

Die Ergebnisse lassen erkennen, dass zeitliche Flexibilisierung nicht selten auch diese Grenzen überschreitet, insbesondere dann, wenn auf eine Zeiterfassung verzichtet wird. Es zeigt sich anhand der Ergebnisse auch, dass aktive Betriebsratsarbeit beim Thema Arbeitszeit einen spürbaren Schutz gegen Entgrenzung darstellt. Dies betrifft etwa die Einhaltung der täglichen maximalen Arbeitszeit von 10 Stunden.

Zeitdruck und Stress gefährden die Work-Life-Balance am stärksten

Je stärker die Gestaltung der Arbeitszeit in Beschäftigtenhand liegt, umso besser wird die Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben eingeschätzt. »Selbstbestimmung ist hierbei das Zauberwort. Eine zunehmende Arbeitsintensivierung geht klar zulasten dieser Selbstbestimmung, da sie jeden flexiblen Spielraum nimmt. Zeitdruck und Stress in der Arbeit sind nach den Ergebnissen der Befragung der größte Gegenspieler einer guten Work-Life-Balance. Solche psychischen Belastungen sollten in ihrer Bedeutung sehr ernst genommen werden«, kommentiert Studienautor Christian Piele die Analysen zum Meinungsbild der Beschäftigten. Die Analyse zu den Auswirkungen der Arbeitszeitgestaltung auf die Work-Life-Balance bildet ein weiteres Kernelement der Studie.

Die Studie wird im Rahmen des Projekts LAIF »Leben und Arbeiten in Flexibilität« durch die Hans-Böckler-Stiftung gefördert. Der Startschuss für LAIF fiel im September 2015. Das Projekt befindet sich derzeit in der Abschlussphase. Eine weitere Veröffentlichung zum Thema »Betriebsratsarbeit in Zeiten zunehmender Flexibilisierung« ist in Planung.

Juliane Segedi Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO
Mitteilung des idw - Informationsdienst Wissenschaft am 07.05.2018


Sonntag, 6. Mai 2018

Weiterer Termin für Kochevent

Das Kochevent „Die geheime Macht unserer Nahrung 2.0“ war schnell ausverkauft. Doch für Neugierige gibt es eine gute Nachricht: Es gibt eine weitere Veranstaltung am Donnerstag, 20. September, um 18:30 Uhr im Foyer des Theaters Nordhausen, in der die Teilnehmer mehr über die 5-Elemente-Ernährung erfahren.

Was hat die Ernährung mit Einschlafstörungen, Süßgelüsten, Konzentrationsschwäche, Antriebslosigkeit, Ruhelosigkeit, Infektanfälligkeit, Völlegefühl, Übergewicht, Erscheinungen der Haut und Haare usw. zu tun? Antworten auf diese und andere Fragen gibt die Ganzheitliche Ernährungsberaterin Helene Kempe bei einer Einführung in die 5-Elemente-Ernährung, einem Teilgebiet der traditionellen chinesischen Medizin.


Die Anwendung des jahrtausendealten Wissens über die Wirkung von verschiedenen Lebensmitteln ist harmonisierend und ausgleichend für Körper, Geist und Seele. Anschließend kochen die Teilnehmer unter Anleitung ein leckeres Viergangmenü, das danach bei interessanten Gesprächen gemeinsam genossen wird.


Karten für das Kochevent am 20.09. um 18.30 Uhr im Foyer des Theaters Nordhausen gibt es ab sofort an der Theaterkasse (Tel. 0 36 31/98 34 52), im Internet unter www.theater-nordhausen.de und an allen Vorverkaufsstellen der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH. 

Dem schönen Sensenmann eins aufgespielt

Das Motiv „dem Tod eins aufspielen“ – ob mit Geige oder Dudelsack – kennt man aus den Märchen der Gebrüder Grimm, aber auch aus slawischen Märchen und Sagen. Dabei kommen Henker, Schreiber und Schergen nicht dazu, den zum Tode Verurteilten zu binden, sondern wurden von der Musik zum Tanzen gezwungen, bis sie nicht mehr konnten und den Todgeweihten freilassen mussten. An dieses Bild von der Macht der Musik – auch im Anblick des Todes und darüber hinaus – konnte man denken als am Donnerstag vergangener Woche Christoph Ehrenfellner, Composer in Residence (Geige) und Henning Ehlert, 1. Kapellmeister des TN LOS! (Cembalo) die vielen Werke der derzeitigen Ausstellung, vor allem aber die benachbarte Skulptur von Erik Seidel zum Schwingen brachten. Sie taten dies mit einer Spielfreude, die sich auf die Besucher übertrug, und wirkten dabei, als hätten sie seit ihren frühen Kindertagen gemeinsam musiziert. Jedes der vorgetragenen Stücke und Instrumente wurde erläutert - von den angeblich
knarrenden Darmsaiten der Geige bis hin zum Hinweis, dass die Violinsonate von Händel wegen des Fehlens des virtuosen Elements oder wegen mangelnder »Dankbarkeit« für den Ausübenden eigentlich der Hausmusik zugedacht war. Bach erweiterte in der Violinsonate teilweise den Bau der einzelnen Sätze zu solch kühnen Dimensionen, dass er mit ihnen fast über ein Jahrhundert hinüber neben die voll ausgebildeten Formen der Beethovenschen Sonate tritt. Diese Anmerkungen bezogen sich auf die zwei der bedeutendsten Komponisten des Barock, deren Musik gerade durch die Erläuterungen, vor allem aber durch den virtuosen Vortrag gepaart mit einer auf die Besucher wirkenden Harmonie zu einem Musik- und Kunsterlebnis wurde. Christoph Ehrenfellner wies mit ausladenden

Handbewegungen auf die Richtung, auf den Ursprung der Komponisten und deren Kompositionen hin. Wenn man bedenkt, dass auch die berühmtesten Geiger die Violinsonate von Tartini fürchteten, weil es ihnen technisch und musikalisch alles abverlangte, besonders der vierte Satz mit seinen Doppelgriffen und Trillern, dann zollte das Publikum Respekt und Applaus, wie die beiden die
Teufeleien Tartinis bewältigten als wären sie ein Kinderspiel. Corelli, der vierte in diesem Quartett der Komponisten des Barock, fasst mit diesen Trio- und Violinsonaten eine lange Entwicklung der Violinmusik im 17. Jahrhundert gleichsam zusammen. Die Violinsonate d-Moll auch bekannt als „La Folia“ hat ihren Ursprung in
einem spanischen, besser kanarischen Tanz, der als Satzmodell die Grundlage
für viele Variationenzyklen vom 16. bis ins 20. Jahrhundert geblieben ist. Im Anschluss an die mit rhythmischen Applaus „geforderte“ Zugabe überreichte Wolfgang R. Pientka als Vorsitzender des KUNSTHAUS MEYENBURG Fördervereins Wein verbunden mit einem Hintergedanken. Mit Hinweis auf die auf den Etiketten abgebildeten Noten wurde die Bitte ausgesprochen, möglichst bald wieder die Räume des Kunsthauses erklingen zu lassen, vielleicht mit einer Eigenkomposition auf der Grundlage des Notenmotivs. Wäre dies für einen Wien beheimateten „Composer in residence“ vielleicht bei einem Glas „Wiener Heurigen“ nicht machbar?
Dr. Wolfgang R. Pientka Vorsitzender des KUNSTHAUS MEYENBURG Förderverein