Dienstag, 10. Januar 2012

Offensiv gestimmter Stadtarchivar


Man wird die Benutzerordnung des Nordhäuser Stadtarchivs von 1994 an einigen bedeutsamen Stellen umschreiben oder doch modifizieren müssen, wenn Dr. Wolfram Theilemann, seit Beginn des Jahres 2012 neuer Stadtarchivar, seine Vorstellungen der Gestaltung und Führung seines nunmehrigen Wirkungsbereiches umsetzen will.

Bisher spielte sich das archivarische Geschehen – Erfassung, Verwaltung und wissenschaftliche Auswertungen der Bestände – nahezu ausschließlich im Stadtarchiv selbst ab.Und die bisherigen Archivare seit der Wende, Dr. Peter Kuhlbrodt und Hans Jürgen Grönke, leisteten anerkannt ausgezeichnete Arbeit. Wer daneben als Interessent Teile der Bestände nutzen wollte, musste dies formal beantragen. Und begründen.

Und nun also ist Dr. Wolfram Theilemann Leiter dieses Stadtarchivs. Bei seiner gestrigen persönlichen Vorstellung zeigte er sich sicher in seinen Aussagen und souverän gegenüber den Fragen der Journalisten. Die freilich angesichts der Kompetenz und Erfahrungen dieses Mannes reichlich dürftig wirkten.

Immerhin bringt Dr. Theilemann mit seiner akademischen Ausbildung und entsprechenden Verbindungen – u.a. der Viadrina in Frankfurt/Oder - aus seiner mehrjährigen früheren Wirkungsstätte, dem rumänischen Hermannstadt, ein Maß an Erfahrungen mit, das leicht zu der Überlegung führen könnte, ob ihm das Stadtarchiv einer Stadt wie Nordhausen überhaupt befriedigen kann: schließlich war er Leiter des Hermannstädter Zentralarchivs der Evangelischen Kirche, zuständig für ganz Rumänien. Und was er auf diesem Gebiet leistete, ist leicht den Ausgaben der „Siebenbürgischen Zeitung“ zu entnehmen, in der ich recherchierte, nachdem im August vergangenen Jahres bekannt wurde, dass sich Nordhausen für Dr. Theilemann als Stadtarchivar entschieden hatte. Es könnte noch Gelegenheiten geben, darüber zu berichten.

Jedenfalls ist das der Hintergrund, wenn er seine Vorstellungen umsetzt, dieses Stadtarchiv offensiv zu führen, zu seiner weiteren Ausgestaltung über die Haushaltmittel der Stadt Nordhausen hinaus auch Fördermittelquellen erschließen will. Und was die Stadt mit der Kulturbibliothek plant – u.a die „Heimholung“ der Himmelgartenbibliothek – wird ihn nicht weniger in Anspruch nehmen wie die Ausgestaltung der „Flohburg“ zu einem Stadtmuseum. Die Grenzen scheinen fließend und Dr. Theilemann zeigte sich willens, seine Aufgaben nicht allein auf das Stadtarchiv im engeren Sinne zu beschränken. Und was er unter offensiver Führung versteht, ließ er anklingen: der Öffentlichkeit und den Schulen die Stadtgeschichte näher zu bringen, sie für das Stadtarchiv zu interessieren und auch dafür zu sensibilisieren. Denn sorgsamer Umgang mit den Beständen ist selbstredend oberstes Gebot. Man darf also gespannt sein, und ich könnte mir eine gutes, konstruktives Verhältnis mit Dr. Wolfram Theilemann vorstellen.

Bild: Dr. Wolfram Theilemann bei seiner gestrigen Vorstellung

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